Halbfeld­flanke

Höger’s Saisonaus: Was hat Schalke auf der 6er Position zu bieten?

Der Passsicherste aller Schalker kann vermutlich den Rest der Saison nicht mehr aktiv ins Spielgeschehen eingreifen. Marco Höger hat sich beim Spiel gegen Eintracht Braunschweig einen Kreuzbandriss zugezogen. Das ist schlecht, vor allem, weil er zusammen mit Roman Neustädter gerade auf Touren kam. Ich werfe hier einen Blick auf die Alternativen zu Höger und nehme die Königsblauen 6er genauer unter die Lupe.

Schalke spielt defensiv sehr passiv. Die Blauen orientieren sich am Raum und verschieben dahin wo der Ball ist. Das ist wichtig wenn es an die Analyse von defensiven Mittelfeldspielern geht…

Marco Höger

Wie schon in meinem 8 Spiele Zwischen-Fazit berichtet ist Höger bei Schalke nicht nur der, mit der höchsten Anzahl an gespielten Pässen, sondern auch der mit der geringsten Fehlpassquote. Aber noch entscheidender ist Högers Auge für Räume. Er entdeckt Räume auf dem Feld und kann diese auch bespielen. Es zieht ihn oft nach vorne, er spielt also vertikal wie diagonal. Dabei hilft er dann nicht nur dabei den Gegner zu überladen, also Überzahl herzustellen, er bewegt sich auch in unbesetzte Bereiche und sorgt aktiv für Gefahr.

Roman Neustädter

Genau wie Höger ist Neustädter sehr Raumorientiert, dabei liegen seine Stärken aber viel mehr darin das Spiel zu lesen. Durch seine enorme Spielintelligenz kann Neustädter Situationen entschärfen, bevor sie überhaupt entstehen. Er stellt Räume zu und sorgt für die nötige Balance. Darum ist er in vielen Statistiken nicht aufzufinden, er kommt halt nie in Zweikämpfe oder dazu Pässe abzufangen, kein Gegner spielt gern in besetzten Räumen. Gepaart mit seiner Pressing-Resistenz ist das eine gefährliche Waffe.

Mit seiner Spielweise ergänzt Neustädter sich auffallend mit Höger, die zuletzt von Spielverlagerung sogar zur vielleicht besten Doppel-6 Deutschlands gekürt.

Im Aufbauspiel bleibt Neustädter zuletzt meist sehr hoch stehen. Er positioniert sich in der Nähe des Mittelkreises zwischen den beiden ersten gegnerischen Spielern. Dadurch bringt er das Spiel schnell weit voran und die Innenverteidiger haben mehr Platz. Außerdem bietet das Platz für gelegentliches Fallenlassen der Außenverteidiger oder auch anderen (zuletzt häufig Draxler oder Boateng), was die gegnerische Defensive fordert und im besten Falle auseinanderreißt.

Jermaine Jones

Das Kampfschwein, der Arbeiter, der „der sich den Arsch aufreißt“… Seine Spitznamen (und die Kartensammlung) belegen, dass es Jones nicht an Engagement mangelt, nicht zuletzt darum ist er bei den Fans auch sehr beliebt. Allerdings ist er ein sehr mann-orientierter Spieler. Er sucht den Zweikampf, verliert aber auch schnell die Geduld im Stellungsspiel und reißt dadurch dann die Kompaktheit auseinander. Immer wieder entstehen so Lücken die vom Gegner leicht bespielt werden können.

Im Aufbauspiel kippt Jones zwischen die Innenverteidiger. Dadurch haben die Außenverteidiger die Gelegenheit aufzurücken, weil die situative 3er-Kette für defensive Stabilität sorgt. Problematisch ist dabei aber, und das haben wir bei Schalke in dieser Saison nur allzuoft gesehen, dass es dann nicht wirklich nach vorne geht. Das liegt natürlich nicht an Jones, ist aber symptomatisch für Jones Aufbauspiel.

Nun klingt das alles sehr negativ. Prinzipiell ist Jones nicht mit der höchsten Spielintelligenz ausgestattet, macht aber vieles mit Kampfgeist wett. Das Hauptproblem hier ist schlicht, dass Jones Spielweise (aktive Mann-Orientierung) nicht zur Schalker Spielweise (passive Raum-Orientierung) passt.

Leon Goretzka

Im Sommer gab es dieses Transfertheater um den Wechsel von Goretzka zu Schalke 04. Beim VFL Bochum mischte der heute 18 Jährige als 6er die 2. Liga auf und wurde mit Lob nur so überschüttet, man konnte sich auf ihn freuen.

In der laufenden Saison lief es allerdings bisher nicht so richtig rund für ihn. Er wird zwar häufig eingewechselt hat aber eigentlich nie mehr als 5-10 Minuten Spielzeit zu zeigen was er kann. Überzeugend wirkte es dann allerdings auch wenig. Meist fiel er dadurch auf, dass er nicht abspielt und sich lieber irgendwo fest dribbelt. Beim Spiel gegen Braunschweig änderte sich das. Weil Höger in der 35. Spielminute raus musste, hatte Goretzka, der dafür eingewechselt wurde, fast eine Stunde zur Verfügung sich auch dauerhaft festzuspielen.

In dem Spiel wurde sehr schnell klar, dass Goretzka ein vertikaler 6er ist, mit starkem Drang nach vorne. Er zeigte sich aber nicht nur vorne, sondern sehr beweglich auf dem ganzen Feld, jedoch etwas rechtslastig. Bis zu seinem Tor war er deutlich offensiver, oft im 10er Raum zu finden. Erst nach seinem Ausgleichstreffer bewegte sich Goretzka fokussierter in der Spielfeldmitte, parallel zu Neustädter. In beiden Fällen passierte was bei den kurzen Einwechslungen schon auffiel: Viel Dribbellei und sehr späte Abspiele. In Ballbesitz wirkte es ein bisschen, als versuche er sich vom Gegenspieler zu lösen, doch das gelingt ihm meist nicht so recht.

Generell habe ich das Gefühl, dass bei der Abstimmung mit der Mannschaft und mit dem Verbundspartner Neustädter noch Luft nach oben ist. Ich sehe aber viel Potential, gerade, wenn Goretzka es schafft die Nervosität, die man ihm jetzt noch häufig anmerkt, abzuschütteln.

Sead Kolasinac

Für Schalke in der letzten Saison als Linksverteidiger für Furore gesorgt war Kolasinac bei den Amateuren und in der u21 Nationalmannschaft oft im defensiven Mittelfeld zu finden. Ich muss zugeben, dass ich davon nichts gesehen habe. Beim Spiel gegen Chelsea kam er allerdings für Jones und seine Spielweise auf der Außenposition lassen tief blicken. Darauf möchte ich mich hier berufen.

Beim Publikum stand Anfang 2013 schnell fest, dass Kolasinac besser als Außenverteidiger ist als Fuchs, weil er defensiv als besser gilt. Seine Stärken sind auch tatsächlich und offensichtlich die Defensive. Dabei kommt er klar über die Physis.

Sead Kolasinac beim Spiel gegen Chelsea.

Sead Kolasinac beim Spiel gegen Chelsea. Quelle: FourFourTwo

Gegen Chelsea wurde Kolasinac in der 70. Minute eingewechselt (für Jones). In der kurzen Zeit spielte er allerdings 35 Pässe, von denen alle (!) einen Mitspieler fanden. Wie in der Grafik zu erkennen ist, handelte es sich aber dabei ausschließlich um sichere Pässe zum Nebenmann. Er positionierte sich deutlich tiefer als Neustädter zentral vor der 4er-Kette. Zwar setzte er keinerlei Impulse nach vorne, war aber immer anspielbar und konnte den Ball sicher weiterverteilen. Eine tragende Rolle im Aufbauspiel hatte Kolasinac dementsprechend allerdings nicht inne.

Fazit

Auf Joel Matip, der ja unter Magath noch steter 6er war, bin ich hier nicht eingegangen, weil er diese Rolle zwar spielen kann, aber in der Innenverteidigung viel zu wertvoll ist.

Ich vermute, dass Keller in der Zeit bis Högers Genesung hauptsächlich auf das Gespann Neustädter-Jones bauen wird, schon alleine auf Grund der Erfahrung drängt sich das förmlich auf. Perspektivisch sehe ich allerdings Goretzka als adäquaten Höger Ersatz. Nicht nur ähneln sie sich von der Spielweise her, Goretzka bringt auch noch Kreativität mit, die Schalke gelegentlich ab geht. Den jungen Spieler die Entwicklung zu verweigern und keine Spielzeit einzugestehen halte ich für fahrlässig und verschwenderisch.

Zusätzlich kann Kolasinac immer dann eingebaut werden, wenn es um Sicherheit geht. Ich halte das vor allem für eine Schlussphase für eine sinnvolle Option, wenn in einem knappen Duell die Führung oder der Punkt gehalten werden soll.

Persönlich könnte ich mir aber auch gut vorstellen, dass Keller die Zeit ohne Höger vermehrt nutzt um mit der Aufstellung zu spielen. Immer wieder greift Keller in der Schlussphase auf ein 4-3-3 zurück. Goretzka könnte sich da ebenso gut auf einer der Halbpositionen anbieten, wie ja auch Aogo oder Boateng. Aber auch einen Fuchs könnte ich mir als 8er vorstellen.

Man darf gespannt sein, Qualität und Potential ist zumindest vorhanden.

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der Stadt, die mal die höchste Fördermenge in Europa hatte. Aufgewachsen in einer Familie von Püttologen studierte er an der FH Gelsenkirchen irgendwas mit Computern. Später zog es ihn in die Ferne zu den Wikingern, wo ihm erst bewusst wurde, wie viel Ruhrpott in ihm steckt.

Nach hunderten von Herzklabastern, weil der elende Internetstream immer bei blau-weißen Torchancen abbrach, ist er als Doktor Labertasche wieder zurück in der Heimat (mit Dauerkarte in Block 5) und theoretisiert neben der Maloche den König Fußball. Weil aber seine Kumpels schnell davon genervt waren, verlagerte er das Ganze und gründete Halbfeldflanke zum Beginn der Saison 2013/2014.

Kategorie: Spiel & Spieler

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4 Comments

  1. Jetzt wird es Spannend. Jones fällt gegen Basel aus. Wird nun gegen Hoffenheim ein neues 6er Duo getestet und wenn, wer wird es sein? Matip und das das IV Duo Höwedes mit Santana. Oder doch der eher auf der Position unerfahrenere Kolasniac? Wird das 6er Gespann eventuell ohne einspielmöglichkeit sofort gegen Basel auf die Probe gestellt. Boateng könnte ich mir auch auf der 6 vorstellen, da wir ja eh gewinnen müssen darf es auch offensiver sein.
    Ich bin sehr gespannt auf die nächsten Spiele bis zur Winterpause.
    Gruß
    Jörg

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