Die Statistik gegen Werder ist recht gut. Der letzte Bremer Sieg datiert auf den Mai 2010. Dutt hat es zuletzt jedoch geschafft die Mannschaft zu stabilisieren und die Formkurve zeigt gerade deutlich nach oben, ganz im Gegensatz zu Schalke, die noch an den Chelsea Niederlagen knabbern. Und tatsächlich lief eine Menge nicht rund im Spiel der Schalker. Am Ende sollte es trotzdem reichen, weil die Defensive dicht hielt.

Die Grundformationen zu Beginn

Die Grundformationen zu Beginn

Bremen spielte mit einer Raute im Mittelfeld. Kroos auf der 6, Selassie und Makiadi auf den Halbpositionen und Hunt als 10er davor. Damit sorgte Dutt für Überbevölkerung im Mittelfeld, welche besonders im Pressing und Gegenpressing ausgenutzt wurde. Immer wenn ein Schalker im Ballbesitz war wurde dieser direkt angelaufen und attackiert. Auch mögliche Anspielstationen wurden zugestellt.

Wie in dieser Saison schon häufiger zu sehen war, bereitet dieser konsequente Druck den Blauen arge Probleme. Es wurde kein kreatives Mittel gefunden um sich freizuspielen. Bei Schalke gab es nur wenige Spielverlagerungen und kaum individuelle oder gruppentaktische Geistesblitze. Dazu kam ein ganzer Haufen an individuellen Fehlern und schwäche Momenten. Viele Spieler schienen neben sich zu stehen und lieferten gerade einmal eine mäßige Partie ab. Dennoch kam Schalke ein paar Mal sehr gefährlich vor’s Bremer Tor, genutzt werden konnten diese Chancen jedoch nicht.

Die fehlende Breite

Jede Grundformation hat typische Charakteristika, also Vorteile wie Nachteile, mit denen man Umgehen muss. Eine Raute im Mittelfeld, so wie bei Werder in diesem Spiel, bedeutet standardmäßig, dass viel Überzahl im Mittelfeld herrscht, die Flanken aber relativ frei gelassen werden. Dutt wollte dieses Problem dadurch in den Griff bekommen, dass er die beiden 8er recht breit positionieren und sich um die jeweiligen Außenverteidiger kümmern ließ.

Schalke schaffte es in der ersten Halbzeit jedoch nicht, dieses Problem adäquat zu bespielen. Es fehlte schlicht weg an Breite um das Mittelfeld auseinander zu zerren und so den nötigen Raum zu finden und die Überzahlsituationen aufzulösen. Das lag daran, dass der Breite zuletzt wenig Beachtung geschenkt wird. Boateng, Draxler und Meyer spielen zwar viel auf den Flügeln, sind aber allesamt Spieler, die es ins Zentrum zieht. Selbst Aogo als Außenverteidiger hält sich meist weniger an der Seitenauslinie fest, als es Uchida beispielsweise tut.

Um einem Spiel die nötige Breite zu geben fehlen Spieler die sich nicht scheuen etwas weiter weg vom Zentrum zu stehen. Da wird schon jemand anderes warten, im Zweifel der Herr Szalai oder Huntelaar, denn genau das ist deren Job auf Schalke. Aus diesem Grund wird Farfan auch so schmerzlich vermisst, denn Farfan hat kein Problem erst an der Eckfahne ins Zentrum zu ziehen.

Das mehr Breite gegeben werden musste erkannte auch Keller und brachte Fuchs als linken Verteidiger, weil dieser deutlich besser im Auseinanderziehen der Spielfläche ist als Aogo. Darum war es auch mehr als nur ein schönes „Willkommen Zuhause, Jeff“, Farfans Einwechslung war sehr sinnvoll. Beide lieferten prompt zählbares ab.

Missverständnis um Neustädter

Roman Neustädter lieferte sicher nicht sein stärkstes Spiel ab. Er leistete sich einige Aussetzer und hatte Probleme die Defensive unter dem aggressiven Bremer Pressing zu stabilisieren. Er versuchte zwar immer wieder sich konstruktiv einzubringen, doch auch wegen einer kollektiven Freilaufschwäche fand er oft nicht die Anspielstationen die er gern hätte.

Dazu kam das Gegentor, bei dem Neustädter eine etwas unglückliche Figur macht, obwohl er gar nicht so wirklich etwas dafür kann. Meyer löst eine Unterzahlsituation am Seitenaus sehr beeindruckend. Doch obwohl er sich befreit hat und völlig ohne Druck, spielt er dann einen Pass auf Neustädter. Zum Zeitpunkt des Abspiels stand dieser zwar auch noch frei, doch als der Ball bei ihm ankam, taten das auch Kroos und Garcia, im Spurt nämlich. Zusätzlich waren alle möglichen Anspielstationen zugestellt und Neustädters einzige Option war den Ball zu behaupten. Schaffte er nicht. Tor.

Dass Neustädter dann dennoch zur Pause ausgewechselt wurde lag (hoffentlich) nicht an dem Tor oder daran, dass sich die ganze Arena mal wieder auf den Jungen eingeschossen hat. Keller wollte dem Spiel die nötige Breite geben, die bisher schmerzlich vermisst wurde. Er opferte den defensiv denkenden Neustädter und rochierte dafür Aogo ins Zentrum. Das passte gut, weil erstens Jones mit dem starken Pressing seine Zweikampfstärke voll ausspielen konnte. Außerdem war der Defensivverbund eh recht zerrüttet an diesem Nachmittag, so dass seine Mannorientierung nicht weiter negativ ins Gewicht fallen konnte. Gleichzeitig konnte Aogo aber mehr Druck nach vorne machen. Außerdem ist der eingewechselte Fuchs ein Spezialist dafür als aufrückender Außenverteidiger dem Spiel Breite zu geben.

Die Auswechslung Neustädters hatte also eher sekundär mit seiner Leistung zu tun und hatte viel mehr einen taktischen Hintergrund. Keller hatte das Problem mit der Breite erkannt und brachte die richtigen Mittel dagegen.

Fazit

Alles in allem ein sehr zerfahrenes Spiel aus Schalker Sicht, in dem Keller die Hauptprobleme jedoch richtig identifiziert und darauf gut reagiert hat. Er gab dem Spiel mehr Breite und Schalke dominierte über weite Strecken das Spiel im Mittelfeld. Dazu kam, dass die Abwehr recht solide stand. Höwedes ist derzeit wieder sehr stark und insgesamt wurden nur sehr wenige Torchancen zugelassen.

Es gab ein Gegentor aus dem nichts und viele Torchancen für Schalke, die liegen gelassen wurden. Keller machte das Spiel dann breiter und auch wenn die pure Anzahl an Torchancen sich verringerte, so vergrößerte sich doch die Durchschlagskraft. Ein starkes Zeichen dafür, dass die Qualität der Torchancen stieg.

Allerdings wirkte es ein bisschen als sei in der Mannschaft der Wurm drin. Individuelle Fehler und Schwächen bei so ziemlich jedem Schalker. Und auch wenn die Laufleistung insgesamt stimmte, schien es nicht immer die höchste Priorität zu sein als Anspielstation bereit zu stehen. Insgesamt wirkte die Mannschaft etwas ausgelaugt, ich glaube die Länderspielpause wird Schalke gut tun.

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der Stadt, die mal die höchste Fördermenge in Europa hatte. Aufgewachsen in einer Familie von Püttologen studierte er an der FH Gelsenkirchen irgendwas mit Computern. Später zog es ihn in die Ferne zu den Wikingern, wo ihm erst bewusst wurde, wie viel Ruhrpott in ihm steckt.

Nach hunderten von Herzklabastern, weil der elende Internetstream immer bei blau-weißen Torchancen abbrach, ist er als Doktor Labertasche wieder zurück in der Heimat (mit Dauerkarte in Block 5) und theoretisiert neben der Maloche den König Fußball. Weil aber seine Kumpels schnell davon genervt waren, verlagerte er das Ganze und gründete Halbfeldflanke zum Beginn der Saison 2013/2014.