Das Hinspiel selbst war eigentlich viel enger als es das Ergebnis her gab (Schalke 04 – Steaua Bukarest, 3:0). Zusätzlich hatte Bukarest in bisher 21 Champions League Spielen noch nie gewonnen. Für Schalke wurde nicht zuletzt ob des vermeintlich schwachem Gegner das Spiel, einmal mehr, zu einer ersehnten Trendwende hochstilisiert. Doch Keller musste den Ausfall der Schlüsselspieler Hildebrand, Draxler und Boateng verkraften. Ziel beider Mannschaften schien es kein Gegentor zu kassieren. Und das schafften sie dann ja auch.

Die Grundformationen zu Spielbeginn.

Die Grundformationen zu Spielbeginn.

Steaua Bukarest

Die Rumänen bauten sich defensiv in einem 4-4-2 auf. Damit pressten die Rumänen besonders zu Beginn und auch häufig wieder sehr stark schon vor der Mittellinie. So versuchten sie einen Ballverlust zu erzwingen, so dass die Schalker Schwäche bei Kontern ausgenutzt werden konnte. Oder besser ausgenutzt werden sollte, denn die Konter und eine im Umschaltmoment sehr unorganisierte Schalker Hintermannschaft, gab es besonders in der ersten Hälfte immer wieder. Allerdings wurden diese Konter dann so überhastet und unkoordiniert vorgetragen, dass sie komplett verpufften.

Offensiv spielte Bukarest ein 4-2-3-1 mit sehr unterschiedlicher Aufteilung der beiden 6er: Bourceanu ist zuständig für den Spielaufbau und kippt meist zwischen oder neben die Innenverteidiger, zu einer situativen 3er Kette. Neagu dagegen ist eher der Verbindungsspieler zwischen Offensive und Defensive. Doch genau da haperte es, ein geregelter Spielaufbau kam fast nie zustande, weil die Abstände zwischen Defensive und Offensive riesig waren. Steaua griff dann fast immer auf lange Dribblings durch die Mitte oder lange Bälle. Beides war nur mit mäßigem Erfolg gekrönt und so kamen sie die erste Hälfte fast nicht gefährlich vors Schalker Tor.

Trainer Reghecampf erkannte dies Problem und stellte in der Pause um. Varela kam für Neagu und gab den rechten Außenverteidiger. Dafür positionierte sich Prepelita auf der 6 und sollte die Angriffe besser koordinieren und mehr Druck machen. Das gelang ganz gut und besonders zu Beginn kam Steaua so zu deutlich besseren Torchancen. Auch wurde das Pressing in der zweiten Halbzeit konstanter gespielt.

Schalke 04

Vermutlich hat Keller Bukarest als Betonmischer erwartet und wollte von der Seite hoch in den Strafraum kommen. Auch wenn er kein Kopfballungeheuer ist, bietet Szalai sich da als Zielspieler natürlich deutlich eher an als Boateng, der ja zuletzt oft auf im Sturmzentrum aufgestellt wurde.
Der Flügelfokus wurde also verstärkt. Das lag sicherlich auch daran, dass Fuchs auf links spielen musste. Durch die Mitte, bzw. spielerisch ging jedenfalls relativ wenig. Meyer versuchte hier und da den linken Flügel zu überladen, außerdem wechselten Aogo und Fuchs immer wieder die Positionen. Auf rechts ganz ähnlich, Farfan und Uchida kommen langsam wieder in Fahrt.

Im Zentrum organisierte Neustädter das Spiel besonders in der ersten Hälfte mit starker Übersicht. Dass die Mannschaftsteile von Bukarest nicht zueinander fanden, lag nicht zuletzt an ihm. Dagegen ließ die Qualität von Jones‘ Abspielen mit laufender Spielzeit kontinuierlich ab.

Die Schlussphase

So ungefähr ab 20 Minuten vor Spielende merkten die Teams anscheinend, dass man ohne Gegentor zwar nicht verliert, aber auch nicht zwingend gewinnt. Beide wechselten nach Möglichkeiten mehr Offensivkraft ein und klappten das Visier etwas auf. Höwedes fand sich plötzlich mit steter Regelmäßigkeit im gegnerischen Strafraum ein, um nur ein Beispiel zu nennen.

Dadurch wurde es gern mal etwas gefährlich und es gab haufenweise Standardsituationen. Hüben wie drüben. Für ein Tor reichte es dennoch nicht. Aus Bukarester Sicht gab es kein Tor, weil Fährmann ein paar Mal tatsächlich glänzen konnte und seine Patzerchen Folgenlos blieben. Aus Schalker Sicht gab es kein Tor, weil die Konzentration in Strafraumnähe rapide abnahm und Angriffe nicht schlau genug zuende gespielt wurden.

Fazit

Schalke spielte sehr Eindimensional. Stabil in der Defensive und über Flanken in den gegnerischen Strafraum. Das reichte nicht einmal für ein relativ harmloses Team wie Steaua Bukarest.

Es sieht stark danach aus als habe Keller die Probleme richtig identifiziert, weiß aber kein richtiges Mittel um sie in den Griff zu bekommen. Nach wie vor steht Schalke bei Ballverlusten im Angriff mit runtergelassenen Hosen da und lädt zum Kontern ein. Kontermannschaft Basel wird darauf Profit schlagen, wie es die Rumänen nicht konnten.

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der Stadt, die mal die höchste Fördermenge in Europa hatte. Aufgewachsen in einer Familie von Püttologen studierte er an der FH Gelsenkirchen irgendwas mit Computern. Später zog es ihn in die Ferne zu den Wikingern, wo ihm erst bewusst wurde, wie viel Ruhrpott in ihm steckt.

Nach hunderten von Herzklabastern, weil der elende Internetstream immer bei blau-weißen Torchancen abbrach, ist er als Doktor Labertasche wieder zurück in der Heimat (mit Dauerkarte in Block 5) und theoretisiert neben der Maloche den König Fußball. Weil aber seine Kumpels schnell davon genervt waren, verlagerte er das Ganze und gründete Halbfeldflanke zum Beginn der Saison 2013/2014.