Das letzte Spiel des Jahres. Keller krank, die Hälfte der Stammspieler auch. Nürnberg dagegen wollte endlich den ersten Sieg der Saison holen. Am Ende wäre das vermutlich noch nicht mal ganz unverdient gewesen. Auch weil Schalke eben nicht wie immer spielte.

Die Grundformationen zu Spielbeginn. In der 31. Spielminute wurde dann Positionsgetreu Goretzka für Fuchs eingewechselt

Die Grundformationen zu Spielbeginn.
In der 31. Spielminute wurde dann Positionsgetreu Goretzka für Fuchs eingewechselt

Die Freunde aus Nürnberg zeigten sich sehr Lauffreudig, inclusive Angriffspressing und schnellen Vorstößen. Deren 4-2-3-1 blieb auch in der Defensive meist so gestaffelt, nur in Strafraumnähe sortierten sich die beiden Flügelspieler gelegentlich auf Höhe der 6er ein und sorgten so für mehr Stabilität.

Schalker Pressing

Schalke dagegen stand in der Defensive so unkompakt wie gefühlt noch nie diese Saison. Der Abstand zwischen den 4er Ketten ist zum Teil beträchtlich gewesen. Und auch von Ketten zu reden wirkte gelegentlich wie blanker Zynismus. Das war den Pressingversuchen geschuldet die Schalke seit einiger Zeit nun fährt. Das Pressing hat aber noch nicht die gewünschte Stabilität und weist verschiedene Schwachstellen auf. In diesem Fall ging das Pressing also auf Kosten der Kompaktheit.

bl_2013-12_fcn-s04_pic1Aber es kam auch etwas dabei herum, besonders zu Beginn des Spiels schaffte das Schalker Pressing es, dass Nürnberg nicht gescheit aufbauen konnte. Franz kippte zwischen und oft deutlich hinter die Innenverteidiger, der Ballführende wurde dann von Meyer und Szalai angelaufen und die Anspieloptionen im Mittelfeld durch Fuchs und Jones zugestellt. Letztere verschoben dann mit dem Ball. Im Spielaufbau griff Nürnberg darum oft zum langen Ball.

Ganz ähnlich passierte das auf der anderen Seite übrigens auch. Mit einem Unterschied: Nürnberg stand kompakter und konnte die langen Bälle gut abfangen. Schalke machte das nicht so gut. Durch die große Lücke zwischen Mittelfeld und Verteidigung war viel Platz für Nürnbergs offensivspieler den Ball aufzunehmen. So gelangten sie in aussichtsreiche Positionen, die von Schalke oft nur in letzter Not geklärt werden konnten.

Die Anpassung nach einer halben Stunde

Um die 30. Minute musste Fuchs mit Knieproblemen das Feld verlassen und Goretzka kam. Dieser schien offensichtlich Probleme auf dem Flügel zu haben, Nürnberg identifizierte die linke Schalker Seite als Schwachstelle und Chandler fand auf dem Flügeln immer besser ins Spiel, nachdem er von Fuchs zuvor noch abgemeldet war.

Aus Goretzkas Vorsicht heraus fehlte eine Kraft im Angriffspressing, da er nicht so weit aufrückte wie es Fuchs zuvor tat. Gleichzeitig zog Nürnberg den zweiten 6er Hasebe weiter zurück um für eine zusätzliche Anspieloption im Aufbauspiel zu sorgen. Zwar versuchte Schalke jetzt verstärkt kompakter zu stehen, doch Nürnberg konnte weiter Druck machen und den sogar ausbauen.

Goretzka schaffte es trotz der defensiven Probleme sich im Angriff einzubringen. Er stand weniger breit als Fuchs und sorgte so für mehr Überzahlsituationen im Mittelfeld, die Schalke wiederrum gelegentlich etwas Luft verschaffte und sogar mal vor’s Tor brachte. Insgesamt fällt auf, dass Goretzka auf dem Flügel eher so halb-gut aufgehoben ist und eine Rolle auf der 8 oder der 6 deutlich eher seinem Naturell entspricht.

Schalke wie immer? Nö…

Nach vorne fehlte es einmal mehr an gut ausgespielten Kontern. Wenn ich mich schon so in die Defensive drängen lasse (bei 40% Ballbesitz kann man das wohl so sagen), sollte ich meine Konterchancen wenigstens vernünftig vortragen. Das kann Schalke im Moment allerdings anscheinend nicht. Leider. Seinem Ruf eine Kontermannschaft wird Schalke derzeit wirklich nicht gerecht.

Außerdem gehört Schalke zu den Passsichersten Teams der Bundesliga. Hier lag der Wert bei gruseligen 69,6%. Die Innenverteidiger, sonst ob der vielen Querpässe mit Höchstwerten, stehen nun sehr weit oben auf der Fehlpassliste. Das lag an der neuen Strategie von Keller (bzw. in diesem Fall als Krankheitsvertretung ja Hermann), jetzt im Aufbau häufiger zu langen Bällen zu greifen. Die zweiten Bälle konnten von Schalke leider nicht konsequent gewonnen werden.

Fazit

Schalke torkelt in die Winterpause wie ein angezählter Boxer. Wenn der Kommentator Santana zum besten Feldspieler kürt (obwohl er mit schlichter Regelmäßigkeit dabei half Nürnberger Angriffe einzuleiten) und Jones als Aktivposten wahrgenommen wird, dann sind das starke Anzeichen dafür, dass eine Pause bitter nötig ist. Fehlende Kompaktheit ist auf Schalke ein sehr starkes Symptom dafür. Nürnberg auf der anderen Seite hat das stark gemacht und zeigte sich sehr frisch.

Bleibt nur noch mich bei allen Halbfeldflanke-Lesern für die Aufmerksamkeit zu bedanken und allen ein fröhliches Weihnachtsfest und ein grandioses 2014 zu wünschen.
In der Winterpause werde ich hier noch die Analysen zu Kellers sehr unterschiedlichen Entscheidungsspielen in der Champions League (gegen Basel) und im DFB Pokal (gegen Hoffenheim) nachreichen, sowie eine Halbserienbetrachtung posten.

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der Stadt, die mal die höchste Fördermenge in Europa hatte. Aufgewachsen in einer Familie von Püttologen studierte er an der FH Gelsenkirchen irgendwas mit Computern. Später zog es ihn in die Ferne zu den Wikingern, wo ihm erst bewusst wurde, wie viel Ruhrpott in ihm steckt.

Nach hunderten von Herzklabastern, weil der elende Internetstream immer bei blau-weißen Torchancen abbrach, ist er als Doktor Labertasche wieder zurück in der Heimat (mit Dauerkarte in Block 5) und theoretisiert neben der Maloche den König Fußball. Weil aber seine Kumpels schnell davon genervt waren, verlagerte er das Ganze und gründete Halbfeldflanke zum Beginn der Saison 2013/2014.