Die Champions League ist gesichert, ein unglaublich hoher Krankenstand, die meisten Spiele aller Bundesligisten auf dem Rücken und ein Trainer der heftig diskutiert wird. Im letzten Heimspiel ging es in erster Linie darum sich irgendwie in die Winterpause zu retten und das am besten ohne Federn zu lassen. Und das sah man dem Spiel auch an.

Die Grundformationen zu Spielbeginn.

Die Grundformationen zu Spielbeginn.

Streich ließ ein 4-4-2 spielen, offensiv wie defensiv. Im Angriff rücken die Außenverteidiger weit auf und Ginter kippte zwischen die Innenverteidiger. Höfler bildete dann das Zentrum der sehr beweglichen Mannschaft. Auf die Angriffe reagierte Schalke aber passend, agierte vorsichtig und ließ nur wenige Chancen zu.

Defensiv glänzten vor allem die beiden Freiburger 4er Ketten, sie waren sehr beweglich und kompakt. Dabei agierte die Verteidigung recht passiv und der Ballführende wurde nur leicht angelaufen. In diesen engen Maschen konnte gab es wenig Platz, so kam etwa Boateng überhaupt nicht zur Entfaltung.

„Wir haben uns vorgenommen, dass wir die Schalker zwingen, den Ball so oft zum Torwart zurückzuspielen, dass die Zuschauer pfeifen. Das ist aufgegangen.“
Oliver Baumann, SC Freiburg

Verbindungsprobleme

Der Schalker Spielaufbau der ersten Halbzeit hatte ein Grundsätzliches Problem: Die Verbindung fehlte. Da Boateng im Zentrum die Fäden ziehen sollte, war die Absicherung Neustädters Aufgabe. Dazu sollte sich letzterer auch noch ins Aufbauspiel einschalten und ließ sich häufig zwischen oder neben die Innenverteidiger fallen. Das ist nichts Neues und wird fast immer so gehandhabt (wenn er spielt kippt Jones meist ab).

Diese 3er-Kette aus Matip, Neustädter und Santana wurde von Freiburg immer früh attackiert. Gleichzeitig zogen sich die beiden 4er-Ketten weit zurück. Aus welchen Gründen auch immer ließ sich das Schalker Mittelfeld mit heraus ziehen. Die Außenverteidiger und Boateng rückten mit dem Freiburger Mittelfeld so nahe Richtung Baumanns Tor, dass jegliche Verbindung zu den Aufbauspielern fehlte.

Immer wenn Neustädter dann an den Ball kam, hatte er eigentlich keine Anspieloptionen. Denn einerseits wurde er von den gegnerischen Stürmern fast immer direkt angelaufen, und andererseits waren die eigenen Mitspieler so weit aufgerückt, dass ein sicheres Zuspiel nahezu unmöglich war. Das Ergebnis waren viele Quer- und Rückpässe, die vom Publikum wütend quittiert wurden. Bis irgendwann einer aus der 3er-Kette den Ball nach vorne Schlug (oft Santana und meist unkontrolliert).

Abhilfe

Erst nach der Pause wurde das Verbindungsproblem von Keller korrigiert. Schalke baute jetzt generell höher auf und das Mittelfeld rückte nicht sofort so weit auf. Außerdem gab es jetzt auch häufiger Abschläge von Fährmann und der Rest versuchte den zweiten Ball zu erobern.

Mit Jones‘ Einwechslung stellte Keller dann noch den Fokus um. Anscheinend hat er das engmaschige Verteidigungsnetz als undurchdringlich identifiziert und orientierte mehr Kraft auf die Flügel. Das Spiel sollte jetzt über die Außen in den Strafraum gebracht werden. Etwas irritierend dabei ist, dass mit Fuchs die personifizierte Flanken-Kernkompetenz ausgewechselt wurde. So richtig erfolgreich war das Flankenspiel dann auch nicht.

Fazit

Die Schalker Mannschaft ging sichtbar auf dem Zahnfleisch und doch wurde sehr klar deutlich, warum Keller so zur Debatte steht. In dieser Diskussion wird immer wieder genannt, was für Qualitäten Keller habe. Er hat direkten Draht zur Mannschaft heißt es da immer und er versteht sich mit allen ganz ausgezeichnet. Um seine fachliche Kompetenz geht es selten.

Eine ganze Halbzeit fehlt Schalke die Verbindung zwischen Aufbauspiel und Mittelfeld. Und später, um den Freiburger Defensivverbund zu sprengen, stellt Keller dann auf sein Schema F wie Flanken. Schon bei Amtsantritt und in den letzten beiden Halbserienvorbereitungen setzt er immer viel auf 4-4-2 und Flanken. Erfolgreich war er damit nie wirklich.

Aber egal: Papa ist wieder da! 😀

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der Stadt, die mal die höchste Fördermenge in Europa hatte. Aufgewachsen in einer Familie von Püttologen studierte er an der FH Gelsenkirchen irgendwas mit Computern. Später zog es ihn in die Ferne zu den Wikingern, wo ihm erst bewusst wurde, wie viel Ruhrpott in ihm steckt.

Nach hunderten von Herzklabastern, weil der elende Internetstream immer bei blau-weißen Torchancen abbrach, ist er als Doktor Labertasche wieder zurück in der Heimat (mit Dauerkarte in Block 5) und theoretisiert neben der Maloche den König Fußball. Weil aber seine Kumpels schnell davon genervt waren, verlagerte er das Ganze und gründete Halbfeldflanke zum Beginn der Saison 2013/2014.