Halbfeld­flanke

FC Schalke 04 – VfB Stuttgart, 3:0

Gerade als sich die Fans zu argen Kritikern des Trainers und einzelnen Spielern gewandelt haben, gerade als sich die Saison für Aogo erledigt und Max seinen Vertrag verlängert hat, gerade dann schlägt Schalke den VfB und spielt dabei auch noch wie ausgewechselt. In einer Kurz-Analyse gucke ich auf die Blauen und versuche zu bemerken was anders war.

bl_2013-11_s04-vfb

Da dies nur eine kurz-Analyse ist, verliere ich nicht viele Worte über Stuttgart. Nur so viel: Schneider hat seine Mannschaft ziemlich gut auf die klassische Schalker Spielweise dieser Saison eingestellt. Der Plan war den Gegner durch Kompaktheit (welche nicht gut gespielt wurde) vom Tor fern zu halten. Daran hat sich Schalke schon häufig die Zähne ausgebissen. Ferner war das Ziel häufig zu Kontern, oft durch lange Sprints mit dem Ball am Fuß. Es sollte Schalkes Schwäche im Umschaltmoment ausgenutzt werden. Prinzipiell also ein kluger Plan. Allerdings ging er nicht auf, weil Schalke nicht wie Schalke spielte…

Die Aufstellung und die Grundformationen waren die gleichen wie immer. Also 4-2-3-1 im Angriff und 4-4-2 in der Verteidigung. Aber was war anders als sonst? Eine ganze Menge. Schalke interpretierte diese Formationen grundlegend anders als noch vor ein paar Wochen. Es schien als sei ein anderer Trainer am Werk.

In der Defensive wurde nicht mehr abwartend gespielt, sondern Stuttgart spätestens ab der Mittellinie gepresst. Es wurde nicht nur zum Ballverschoben, sondern dieses Mal der Ballführende auch direkt attackiert. Es gab also eine deutlich stärkere Mannorientierung als zuletzt. Das kommt Jones Spielweise natürlich entgegen, weshalb er von vielen als sehr stark wahrgenommen wurde. Allerdings schoss er neben einem tollen Tor auch die gleichen Böcke wie immer und vernachlässigte die Absicherung.

Ganz drastisch war der Unterschied zu erkennen beim Gegenpressing (also das direkte Pressen des Gegners während des Umschaltmoments nach Ballverlust). In den Spielen gegen Bremen und Bukarest konnte hier und da zwar schon ein Gegenpressing erkannt werden, aber so wie in diesem Spiel hab ich das von Schalke noch nicht gesehen. Nach jedem Ballverlust wurde zog sich die Schalker Mannschaft um den Ballführenden zusammen. So konnten viele Konter vermieden und oft der Ball auch direkt wiedergewonnen werden. So ein Ballgewinn leitete dann wiederrum Schalker Konter ein.

Schalke spielte Situativ im Spielaufbau in einer 4-2-4 Formation. Das ist der nächste Punkt: Das Angriffsspiel. Oft wurde den Blauen zuletzt vorgeworfen nicht schnell genug nach vorne zu spielen. In diesem Spiel war der Ball so schnell unterwegs in den Strafraum, dass Publikum und Gegner gestaunt haben. Der Ball wurde schnell nach vorne durchgesteckt und die Spieler, speziell die außen rückten weit auf. Das Ziel war über die Flügel den Ball in den Strafraum zu bringen und so zu Torgelegenheiten zu kommen.

Eine weitere Besonderheit war das Aufbauspiel. Hier versuchte Keller etwas Neues. Die 6er kippten meist neben die Innenverteidiger, zum Teil sogar beide gleichzeitig. Dabei rückten die Außenverteidiger dann weit auf, ein bis zwei Spieler des offensiven Mittelfeldes (hier gab es keine(n) festen Spieler) ließen sich etwas fallen und agierten als Anspielstation im Mittelfeld. Alles andere agierte relativ flach in der Spitze, so dass sich situativ ein 4-2-4 oder ein 3-2-5 aufbaute (siehe Bild). So gab es viele Anspielstationen vorne, um den Ball schnell und auch gerne über Kombinationen in die Spitze zu befördern.

Fazit

Das klingt jetzt etwas euphorisch hier. Natürlich war nicht alles Gold was Glänzt. Stuttgart hatte etwas Pech bei seinen Torschüssen und wurde vom Schalker Pressing so überrascht, dass sie sich nur selten wirklich befreien konnten. Außerdem hatten die Schwaben nicht ihren stärksten Tag erwischt.

Auch lief nicht alles Rund was Schalke geändert hatte. Der Ansatz den Ball über die Flügel in den Strafraum zu bringen schien zu Teilen noch arg unkoordiniert. Viele Chancen wurden so verdengelt. Und das Gegenpressing wurde oft übertrieben. Auch hier fehlte es noch an der richtigen Abstimmung. Da Stuttgart sich nur selten richtig befreien konnte fiel das nicht auf, aber Schalke tat sich schwer daran aus dem Gegenpressing in die defensive Grundordnung zu finden. Außerdem generierte das schnelle Spiel nach vorne unglaublich viele Fehlpässe. Lediglich 70% aller Pässe kamen an, Saison Tiefst-Wert.

Alles in allem wurden aber ein paar Konzepte deutlich sichtbar, die stark gefordert wurden. Ich habe das Gefühl, dass Keller das eigene Spiel und die vergangenen Spiele passend analysiert und daraus die richtigen Schlüsse gezogen hat. Ich freue mich auf das, was da noch so kommen mag.

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der Stadt, die mal die höchste Fördermenge in Europa hatte. Aufgewachsen in einer Familie von Püttologen studierte er an der FH Gelsenkirchen irgendwas mit Computern. Später zog es ihn in die Ferne zu den Wikingern, wo ihm erst bewusst wurde, wie viel Ruhrpott in ihm steckt.

Nach hunderten von Herzklabastern, weil der elende Internetstream immer bei blau-weißen Torchancen abbrach, ist er als Doktor Labertasche wieder zurück in der Heimat (mit Dauerkarte in Block 5) und theoretisiert neben der Maloche den König Fußball. Weil aber seine Kumpels schnell davon genervt waren, verlagerte er das Ganze und gründete Halbfeldflanke zum Beginn der Saison 2013/2014.

Kategorie: Spielbericht

Borussia Mönchengladbach – FC Schalke 04, 2-1 » « Steaua Bukarest – Schalke 04, 0:0

1 Comment

  1. Und dann 3 Tage so ein Spiel gegen die TSG. Mir fehlen die Worte. Egal, morgen gehts nach Gladbach, mal schauen, welches Gesicht wir dort zu sehen bekommen…

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

*

Copyright © 2017 Halbfeld­flanke

Theme by Anders NorenUp ↑