Das zweite der beiden KO-Spiele in den Turnieren zum Ende der Hinrunde war das Rückspiel der Champions League Gruppenphase zuhause gegen den FC Basel. Diesmal ging Königsblau mit zwei Pleiten in die Partie, die Schalke gewinnen musste um in der Königsklasse zu überwintern. Und das geschah erstaunlich souverän, auch weil Schalke Taktisch glänzte.

Grundformationen bei Spielbeginn.

Grundaufstellungen bei Spielbeginn.

Basel

Murat Yakin war bewusst, dass Basel ein Unentschieden für’s weiterkommen reichen würde und legte damit die Strategie fest: Nur nicht verlieren. Basel baute sich in einem 4-1-4-1 auf und hatte den Schwerpunkt auf die Verteidigung gelegt. Durch Pressing und mittels viel Laufarbeit im Mittelfeld die Räume eng zu machen, wollte Basel die Schalker vom eigenen Tor fern halten. Lange Bälle wurden dazu meist abgefangen oder früh entschärft.

Aus dieser Defensive heraus sollte gekontert werden um so zum Torerfolg zu kommen. Immer wieder spielten die Innenverteidiger im Spielaufbau einen weiten Ball auf Stocker oder Streller auf den linken Flügel. Sobald der Ball ins letzte Drittel gelang versuchten die 5 bis 6 Offensivkräfte durch schnelle Kombinationen in aussichtsreiche Position zu gelangen.

Schalke

Keller scheint Basel genauso eingeschätzt zu haben und wählte die passenden Maßnahmen, die diesmal, im Gegensatz zum Hoffenheim Pokal-Aus, auch griffen. Schalke spielte in dieser Saison noch nie ein so überzeugendes Pressing. Ab dem Mittelfeld wurde der Gegner unter Druck gesetzt. Dabei hat Schalke aber die Deckung oben gelassen. Basel versuchte häufig das Mittelfeldpressing zu umspielen oder zu überbrücken, doch die königsblaue 4er-Kette stand schnell kompakt da und konnte Angriffe entschärfen.

Mit Matip als 6er zeigte Schalke eine interessante Alternative im defensiven Mittelfeld. Die Rollenaufteilung war sehr klassisch, meist war er stärker ins Aufbauspiel eingebunden und agierte stärker vor der 4er-Kette, während Neustädter weiter nach vorne schieben konnte um sich ins Angriffsspiel einzubinden.

Vorne hatte besonders Draxler offensichtlich richtig lust am Fußball. Immer wieder fiel er mit kleinen Zaubereien und Zuckerpässen auf. Dabei band er Leute. Oft war er umzingelt, konnte den Ball trotzdem noch verwerten oder auf ausweichende Mitspieler passen.

Nach einer halben Stunde…

Durch ihre Kontertaktik war Basel ständig gefährlich, jedoch schienen sie ansonsten so ihre Probleme mit dem Spiel zu haben. Immer wieder kam Schalke gefährlich ans Tor. Und dann, nach ungefähr 30 Minuten gab es zwei prägnante Schiedsrichterentscheidungen. Für solche Fälle verweise ich auf Collinas Erben und beschäftige mich lieber damit, was resultierte: Keller brachte einen Stürmer für einen Innenverteidiger und Basel war fortan einer weniger.

Grundformationen zu Beginn der zweiten Halbzeit.

Startaufstellungen zu Beginn der zweiten Halbzeit.

Bei Basel rückte der 6er Frei in die Innenverteidigung. Die beiden 8er Elneny und Serey Dié wurden zu 6ern und damit spielte Basel ein 4-2-3, wobei Elneny häufig zwischen die Flügelspieler vorschob und Serey Dié für’s Aufbauspiel zwischen die Innenverteidiger abkippte.

Bei Schalke rückte ebenfalls ein 6er in die Innenverteidigung: Matip gesellte sich zu Santana. Der eingewechselte Szalai begab sich natürlich ins Sturmzentrum und vertrieb Boateng. Dieser gesellte sich nominell zu Neustädter, doch Boateng hielt es nur selten auf der 6, meist agierte er als zweiter 10er neben Meyer. Effektiv baute Keller also auf ein 4-1-4-1 um. Allerdings nur in der offensive, Defensiv blieb das kompakte 4-4-2 mit Meyer und Szalai intakt.

Basel brauchte jetzt ein Tor, gleichzeitig fehlte aber ein Spieler vorne bei Kontern. Das konnte nicht kompensiert werden. Auch weil Schalke ab dem 2:0 und spätestens mit Draxlers Auswechslung etwas mehr auf Sicherheit spielte und den Fokus auf die Defensivarbeit legte. Boateng war jetzt auch häufiger tatsächlich 6er. Ab dann wurde von beiden Teams versucht zu kontern. Und auch wenn beide zu jederzeit gefährlich blieben änderte sich am Resultat selbst nichts.

Fazit

Die Schiedsrichter haben die Wahrnehmung des Spiels beeinflusst, nicht das Spiel selbst. Das ist schade. Meiner Meinung nach hat Schalke eine blitzsaubere Partie abgeliefert und hätte Basel an diesem Tag auch mit anderen Schiedsrichtern besiegt.

Schalke presste gut und Keller baute nach Höwedes Verletzung exzellent um. Letztendlich schaffte es Neustädter im Verbund mit Meyer und Boateng oder Draxler immer durch das Baseler Pressing. Damit führte Keller das weiter was schon gegen Hoffenheim angefangen hat: Ein Wechsel zu einem 3er Mittelfeld. Ich glaube, dass wir das in der Rückrunde noch häufiger sehen werden. Eine Vorausschau dazu folgt in Kürze.

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der Stadt, die mal die höchste Fördermenge in Europa hatte. Aufgewachsen in einer Familie von Püttologen studierte er an der FH Gelsenkirchen irgendwas mit Computern. Später zog es ihn in die Ferne zu den Wikingern, wo ihm erst bewusst wurde, wie viel Ruhrpott in ihm steckt.

Nach hunderten von Herzklabastern, weil der elende Internetstream immer bei blau-weißen Torchancen abbrach, ist er als Doktor Labertasche wieder zurück in der Heimat (mit Dauerkarte in Block 5) und theoretisiert neben der Maloche den König Fußball. Weil aber seine Kumpels schnell davon genervt waren, verlagerte er das Ganze und gründete Halbfeldflanke zum Beginn der Saison 2013/2014.