Im zweiten Spiel nach der Winterpause gewann Schalke auch. Viele der positiven Aspekte aus dem Spiel zuvor (gegen Hamburg) konnten wiederholt werden. Es kamen aber auch alte Schwächen wieder zum Vorschein.

Die Grundformationen zu Spielbeginn.

Die Grundformationen zu Spielbeginn.

Kein Spielaufbau

Der VfL Wolfsburg hat frisch einen vielversprechenden Mann im Mittelfeld dazugewonnen: Kevin De Bruyne. Noch frischer haben sie aber mit Diego auch einen Mann im Mittelfeld mit viel Qualität abgegeben. Dazu kommen die Mittelfeldspieler Arnold und Gustavo, die Keller dazu brachten das Mittelfeld versiegeln zu wollen. Und das gelang ihm eindrucksvoll.

Im Spielaufbau kamen die Wölfe auf keinen grünen Zweig. Besonders in der Zeit vor der roten Karte (50. Spielminute) bespielte Schalke den Wolfsburger Spielaufbau so hoch und so kompakt, das die Gäste mehrere lange Ballstafetten hatten, in denen sie von Außenverteidiger zu Außenverteidiger spielten, immer wieder den Torhüter einbanden und letztlich einen weiten Ball schlugen.

Dieter Hecking hatte aber anscheinend ganz ähnliche Überlegungen, denn auch Schalke kam nicht in den Genuss einen geordneten Spielaufbau aufzuziehen. Immer wenn Fährmann den Ball hatte, stellten die erste Reihe im Wolfsburger 4-4-2 Defensiv-Verbund die Schalker Innenverteidiger zu. Wenn einer der 6er abzukippen versuchte, meist war das Neustädter, kam ein Wolfsburger 6er, meist Arnold, dazu. Letztlich wurde Fährmann so gezwungen weit abzuschlagen.

Nach weiten Abschlägen, ging es in einem sehr dicht bevölkerten Mittelfeld nicht besonders gut weiter. Schalke (22 von 45 weiten Bällen fanden einen Mitspieler) hatte hier die Nase vor Wolfsburg (19 von 62). Dennoch war das Mittelfeld ein hart umkämpfter Sektor. Auf der einen Seite nahmen Boateng und vor allem Neustädter den mit Spannung zurück in der Bundesliga erwarteten De Bruyne recht gut aus dem Spiel. Dieser wie auch Arnold wurden zum Teil in Manndeckung genommen. Auf der anderen Seite verpasste Schalke selbst es das Mittelfeld angemessen zu bespielen. Meyer befand sich quasi das gesamte Spiel über im Wolfsburger Zwischenlinienraum, doch wurde da nur selten richtig eingebunden.

Bis zur roten Karte

Zu Beginn des Spiels machte Schalke viel Druck und spielte schnell nach vorne durch. Dem Mittelfeldpressing in der Defensive wurde schnell auf offensive umgeschaltet und nach vorne gedrückt. Das gesamte Spiel über wich Huntelaar gelegentlich auf den Flügel aus und machte so Platz im Zentrum für Obasi, Meyer oder Boateng. So eine Situation führte nach 7 Minuten auch zu einem Eckball, der zu einem weiteren Eckball führte, der wiederum zum 1:0 führte.

Mit der Führung im Nacken ließ Schalke es etwas ruhiger angehen. Man wollte geduldig verteidigen, den Gegner vom Tor fern halten und gelegentlich kontern. Das klappte auch meist recht gut, allerdings zeigte die 4er Kette, dass es da noch etwas Probleme gibt. Meist, wenn Wolfsburg es über die erste Linie schaffte, wurde es brenzlig. Wolfsburg kam dadurch besser ins Spiel, es entwickelte sich eine von diesen Partien, in der zu jeder Zeit ein Tor hätte fallen können, aber eigentlich nie eins fällt.

Gegen Ende der ersten Halbzeit schien Schalke etwas die Luft auszugehen. Die Verteidigung wurde mehr und mehr nachlässig, Wolfsburg stärker und stärker. Das setzte sich in der zweiten Hälfte fort, Wolfsburg kam deutlich aggressiver aus der Kabine und zeigte ein starkes Mittelfeldpressing. Oft teilten sich De Bruyne und Arnold das offensive Mittelfeld jetzt und brachten die Schalker Hintermannschaft ein ums andere Mal in Bedrängnis.

Und dann sagte Caligiuri etwas, das Schiedsrichter Starke anscheinend nicht witzig fand. Rot.

Nach der roten Karte

Gegen nur noch 10 Wolfsburger schaltete Schalke einen weiteren Gang zurück. In der Defensive ließ man sich immer weiter fallen und verteidigte sehr passiv. Das ließ Räume für Wolfsburg.

Hecking organisierte seine Spieler spätestens mit der Einwechslung von Bas Dost sehr klar und doch recht komplex. Zum einen gab es da die Außenverteidiger, die jeweils ihren gesamten Flügel beackerten. Hinten bildete sich eine gestaffelte Einheit aus den Innenverteidigern und Gustavo, während sich Dost vorne herum trieb. In der Mitte trieben Arnold, De Bruyne und Perisic ihr unwesen. Und das sehr fluide.

Es gab keine definierten Abgrenzungen, alle drei wirbelten munter durcheinander, allerdings sehr gut organisiert. Sie schufen einander Räume und verwirrten die Verteidigung. Alle drei, hatten hier einen sehr großen Aktionsradius und bespielten den Platz den sie von den Schalkern bekamen fast nach Belieben. Das Tor war nur eine logische Folge.

Dieses Tor war der Weckruf für Schalke. Plötzlich machten die Königsblauen wieder viel Druck und spielten Fußball. Besonders Neustädter, der beim Gegentor die Situation stark unterschätzte, wie er noch nie eine Situation im Fußball unterschätzte, bespielte Wolfsburg jetzt und fand Lücken und Räume. Daraus resultierten einige gute Gelegenheiten, wie die von Meyer oder den „eigentlich“ Strafstoß von Farfán. Und schließlich auch das wunderbare Tor.

Zum Schluß versuchte Wolfsburg noch zu kontern. Doch Schalke hielt den Druck aufrecht und Fährmann konnte nochmal beweisen ein guter Rückhalt zu sein.

Generell & Fazit

Höwedes und Farfán im Duett funktionieren nur eingeschränkt. Die beiden spielten eher nebeneinander her als miteinander. Obasi zeigte, dass er seit der legendären Hinrunde in Hoffenheim damals einiges an Geschwindigkeit eingebüßt hat. Trotzdem hat er das Umschalten und das Nachsetzen nicht verlernt. Er war ständig schnell dabei einen Angriff miteinzuleiten und stand schnell parat Gegenangriffe zu verteidigen. Goretzka kam später, wieder auf den Flügel, und orientierte sich diesmal stärker zum Zentrum, mit erfolg.

Schalke zeigte, wie bereits letzte Woche in Hamburg, dass es Kontern und Pressen machen kann. Allerdings zog man sich auch nach der Führung viel zu weit zurück. Es muss noch an der Abstimmung gearbeitet werden, wieviel Druck tatsächlich aufrecht zu halten nötig ist.

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der Stadt, die mal die höchste Fördermenge in Europa hatte. Aufgewachsen in einer Familie von Püttologen studierte er an der FH Gelsenkirchen irgendwas mit Computern. Später zog es ihn in die Ferne zu den Wikingern, wo ihm erst bewusst wurde, wie viel Ruhrpott in ihm steckt.

Nach hunderten von Herzklabastern, weil der elende Internetstream immer bei blau-weißen Torchancen abbrach, ist er als Doktor Labertasche wieder zurück in der Heimat (mit Dauerkarte in Block 5) und theoretisiert neben der Maloche den König Fußball. Weil aber seine Kumpels schnell davon genervt waren, verlagerte er das Ganze und gründete Halbfeldflanke zum Beginn der Saison 2013/2014.