Halbfeld­flanke

Bayern München – Schalke 04, 5:1

Innerhalb von 72 Stunden auf die beiden stärksten Mannschaften in Europa zu treffen war ernüchternd. Während unter der Woche gegen Real Madrid allerdings die Mannschaft das Spielen einstellte, vergaß Keller diesmal komplett die Mannschaft einzustellen.

Die Grundformationen zu Spielbeginn.

Die Grundformationen zu Spielbeginn.

Ich beziehe mich in diesem Text lediglich auf die ersten 28 Minuten. Mit dem vierten Tor Bayern Münchens stellte nicht nur Keller auf ein 4-4-2 um, sondern die Bayern auch das spielen ein. Die Zeit danach ist dementsprechend meines Erachtens nach nicht Aussagekräftig und auch nicht relevant.

Passive 5er Kette

Mit dem Ziel sich nicht wieder abschießen zu lassen wie von Real Madrid baute Keller Schalke extrem defensiv auf. Zum ersten Mal unter Keller spielte Schalke mit einer flachen 5er Kette im Mittelfeld. Das Ziel war im Mittelfeld die Räume Eng zu machen und den Bayern keinen Platz zu gewähren. Die Umsetzung jedoch möchte ich dilettantisch titulieren, und ankreiden möchte ich das dem Trainer Team, nicht den Spielern.

Die Bayern spielen einen extrem beweglichen und fluiden Fußball. Die Spieler halten nicht an irgendwelchen Positionen fest, sondern navigieren frei im Raum. Das macht es natürlich schwer eben diesen eng zu machen. Eine statische Positionierung kann gegen eine so spielende Mannschaft nicht erfolgreich sein. Doch genau das probierte Schalke.

Die 5er Kette verhielt sich nicht wirklich anders als die übliche 4er Kette im Mittelfeld während der Defensive. Halt lediglich mit einem Mann mehr. Wie gegen Mainz und Madrid zuvor, und auch in der Hinrunde viel zu häufig, spielte Schalke kein aktives Pressing sondern blieb passiv. Man beschränkte sich darauf sehr, sehr tief zu stehen, geduldig zu verschieben und Passwege zuzustellen, ohne die Gegenspieler jedoch aktiv unter Druck zu setzen.

Die Gegenspieler wurden nicht gepresst. Die 8er Boateng und Goretzka rückten nie wirklich auf. Die Außenstürmer hingen merkwürdig in der Luft zwischen verschieben und „fertig machen zum Kontern“. Die Außenverteidiger dahinter versuchten ihr Möglichstes hier und da die Lücken zu schließen. Allesamt schienen sie sehr Verunsichert zu sein. Es gab kein Pressing-Konzept oder keine weitere erkennbare Verteidigungsstrategie. Dafür wurde lediglich drauf geachtet relativ eng und kompakt zu stehen und geduldig zu verschieben.

Die Bayern dagegen nahmen das Angebot dankend an und spielten alles schön durch. Sehr beweglich fanden sie Räume, hielten sich in Halbräumen auf, spielten Schnittstellenpässe und fanden Lücken…

Fertig zum Kontern

Wenn man von einer Offensivstrategie reden möchte, dann war das wohl der Versuch schnell zu kontern. Wenn man aber so tief steht, muss man weite Wege gehen und das kostet Zeit. Zeit, die von den Bayern sinnvoll genutzt wird, sich gestaffelt auf dem Spielfeld zu verteilen und den Ballführenden zu attackieren. Letztlich blieben die Konterversuche meist um den Mittelkreis herum hängen und Schalke musste wieder zurück.

Der Effekt war, dass Schalke innerhalb der ersten halben Stunde nicht einen erfolgreichen Pass im Angriffsdrittel gespielt hat. Gleichzeitig konnten die Bayern so schnell und einfach nach vorne aufrücken, dass sie lediglich 14 Pässe im Abwehrdrittel gespielt haben.

Fazit

Schalke fehlte jegliche gruppentaktischen Vorgaben um die Bayern ernsthaft in Schach zu halten. Einzelnen Spielern kann dabei eigentlich kein großer Vorwurf gemacht werden. Boateng etwa versuchte immer wieder über einen vergrößerten Aktionsradius ins Spielgeschehen einzugreifen, Neustädter machte einen guten Job als Einzel-6er und Kolasinac war der Aktivposten schlechthin. Doch ohne Pressingmechanismen oder Verteidigungsstrategien bekommt man vier Tore in 28 Minuten. Und zwar völlig zurecht.

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der Stadt, die mal die höchste Fördermenge in Europa hatte. Aufgewachsen in einer Familie von Püttologen studierte er an der FH Gelsenkirchen irgendwas mit Computern. Später zog es ihn in die Ferne zu den Wikingern, wo ihm erst bewusst wurde, wie viel Ruhrpott in ihm steckt.

Nach hunderten von Herzklabastern, weil der elende Internetstream immer bei blau-weißen Torchancen abbrach, ist er als Doktor Labertasche wieder zurück in der Heimat (mit Dauerkarte in Block 5) und theoretisiert neben der Maloche den König Fußball. Weil aber seine Kumpels schnell davon genervt waren, verlagerte er das Ganze und gründete Halbfeldflanke zum Beginn der Saison 2013/2014.

Kategorie: Spielbericht

FC Schalke 04 – TSG 1899 Hoffenheim, 4:0 » « FC Schalke 04 – FSV Mainz 05, 0:0

1 Comment

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

*

Copyright © 2017 Halbfeld­flanke

Theme by Anders NorenUp ↑