Armin Veh hat sich die letzten Spiele Schalkes genau angesehen und die offensichtliche Schwachstelle gefunden und sie bespielt, wie es in jüngster Vergangenheit viele machten. Schalke hat starke Probleme sich gegen ein konsequentes Pressing zu behaupten. In der zweiten Halbzeit ging das mit einer Umstellung dann deutlich besser.

Grundformationen zu Spielbeginn.

Grundformationen zu Spielbeginn.

FC Schalke 04 – SG Eintracht Frankfurt, 2:0

Die Frankfurter Eintracht baute sich in einer Raute auf, mit zwei Spitzen und einem beweglichen 10er dahinter, Tranquillo Barnetta. So ähnlich waren Werder Bremen und Mainz 05 schon aufgebaut und erfolgreich gegen Schalke. Aber der wahre Erfolg dieser Mannschaften kam nicht durch die Formation, sondern was daraus gemacht wurde. Und da zeigt sich in mehr als nur diesen beiden Partien in der gesamten Rückrunde, dass Schalke enorme Probleme gegen Mannschaften hat, die ein konsequentes Pressing spielen. Und auch das machte Frankfurt.

Zwar war es nominell ein 4-4-2 mit Raute, das die Eintracht spielte, doch es wurde eher wie ein 4-3-3 interpretiert. Der 6er Russ spielte recht eng hinter Meier und Lanig auf den Halbpositionen. Barnetta orientierte sich dagegen weiter vorne in der Nähe von Joselu und Aigner, nicht zwingend dazwischen sondern auch oft neben den beiden.

Die Außenverteidiger rückten meist nicht weit mit auf. Besonders Djakpa war hier sehr zurückhaltend. Im eigenen Aufbauspiel war besonders in der ersten Halbzeit gelegentlich zu beobachten, wie sich die Eintracht in einem Situativen 3-1-3-1-2 staffelte. Insgesamt stand Frankfurt meist sehr gut gestaffelt und kam dadurch exzellent ins Gegenpressing. Sofort bei Ballverlust wurde dem Ball hinterher gejagt. Das ging dann fließend in ein aggressives Mittelfeldpressing über.

Schalke mit Problemen gegen Pressing. Mal wieder.

Schalke hatte einige Probleme mit den Hessen. Das fing schon in der Spieleröffnung an. Die beiden Spitzen deckten Matip und Ayhan, wenn Neustädter zur Unterstützung abkippen wollte, gesellte sich Barnetta dazu. Die Eintracht spiegelte also das Schalker Aufbauspiel und zwang Fährmann so zu weiten Abschlägen. Frankfurt ist sehr gefährlich in der Luft, Veh erhoffte sich also viele Ballgewinne im Mittelfeld. Und falls das dann nicht gelang, sollte der Ball eben durch konsequentes Pressing wiedergewonnen werden. Dazu verschob Frankfurt diszipliniert und stand sehr kompakt.

Defensiv hatte Schalke keine großen Probleme. Zwar kamen die Gäste immer Mal wieder in die Nähe des Schalker Strafraums, doch selten wirklich rein. Die beste Defensive des Jahres (die wenigsten Gegentore der Rückrunde) hielt das gesamte Spiel über dicht.

Für das eigene Spiel braucht Schalkeallerdings gewisse Freiräume, doch die Eintracht war nicht gewillt diese bereitzustellen. Das Konter- oder Kombinationsspiel auf engstem Raum funktioniert so gut in letzter Zeit nicht. Und wenn für eine gewisse Zeit keine Lücke gefunden werden kann, scheint es als fiele Schalke in eine gewisse Lethargie. Es sieht dann so aus, als würde Schalke die Lücken gar nicht mehr finden wollen. Das ganze spiegelt die Probleme mit Geschwindigkeitswechseln, die Schalke schon die gesamte Saison plagen. Keller schaffte es bisher nie so recht ein Mittel dagegen zu finden. Erst recht nicht während eines Spiels. Doch dann kam die Halbzeitpause…

Keller baut um

In der ersten Hälfte presste Frankfurt also mit aller Gewalt und Schalke konnte sich kaum wirklich befreien. Gleichzeitig stand die eigene Defensive recht sicher, so dass man sich im Mittelfeld neutralisierte. Doch in der Halbzeitpause baute Keller ein Detail um: Die Flügel des offensiven Mittelfelds sollten sich nun stärker ins Zentrum orientieren. De facto bildete sich ein enges 3er Mittelfeld hinter Huntelaar, in denen sich die Positionen bunt durchmischten. Draxler, Goretzka und Meyer tauchten abwechselnd zentral auf und im Halbfeld auf. Fluide und wenig positionsgetreu wirbelten die drei mit viel Unterstützung von den 6ern das Frankfurter Mittelfeld durcheinander. Die Schalker kreiselten sich jetzt knapp eine Halbestunde munter durch das Frankfurter Pressing.

Zusätzlich hielt Schalke jetzt häufiger drauf als zuvor. Zwar ist Trapp ein exzellenter Torhüter, doch wurde darauf spekuliert, dass Abpraller abgestaubt werden können. Und so kam es dann ja auch zum 1:0.

In der 72. Minute fing Keller dann an umzubauen. Boateng, Draxler und Meyer kamen zum Durchschnaufen und es wurden stabilisierend eingewechselt. Letztlich resultierte aus der Kreiselphase zwar nur ein Tor, aber solange hinten keins fällt reicht das ja. Außerdem belegen ja spätestens der vergebene Strafstoß und das Abseitstor, dass Schalke nah dran war die Führung auszubauen.

Fazit & Ausblick

Schalke scheint sein Mittel gegen Pressing gefunden zu haben. In der ersten Halbzeit fand man kein Mittel, dann wurden Goretzka und Draxler näher zu Meyer ins Zentrum geholt und bespielte Frankfurt sehr eindrucksvoll.

Dass Keller taktische Anpassungen wie diese während eines Spiels macht, kann durchaus als Seltenheit bezeichnet werden. Da in der Vergangenheit viele Gegner Schalke mit starkem Pressing den Schneid abkaufen wollen, wird sich zeigen, wie das Trainer-Team dieses Spiel analysiert.

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der Stadt, die mal die höchste Fördermenge in Europa hatte. Aufgewachsen in einer Familie von Püttologen studierte er an der FH Gelsenkirchen irgendwas mit Computern. Später zog es ihn in die Ferne zu den Wikingern, wo ihm erst bewusst wurde, wie viel Ruhrpott in ihm steckt.

Nach hunderten von Herzklabastern, weil der elende Internetstream immer bei blau-weißen Torchancen abbrach, ist er als Doktor Labertasche wieder zurück in der Heimat (mit Dauerkarte in Block 5) und theoretisiert neben der Maloche den König Fußball. Weil aber seine Kumpels schnell davon genervt waren, verlagerte er das Ganze und gründete Halbfeldflanke zum Beginn der Saison 2013/2014.