Schalke besiegelt die Teilnahme an der Champions League indem endlich ein Mittel gefunden wurde gegnerisches Mittelfeldpressing zu umspielen. Die Freunde aus Nürnberg steigen dagegen trotz einer engagierten Leistung ab.

Die Grundformationen zu Spielbeginn.

Die Grundformationen zu Spielbeginn.

FC Schalke 04 – 1. FC Nürnberg, 4:1

Vor dem Spiel habe ich mich beim 19uhr4 Hangcast mit Nürnberger unterhalten. Ich war davon ausgegangen, dass die Clubberer sich mit zwei 4er-Ketten hinten reinstellen würden. „So wird’s (leider) nicht kommen“, versichert man mir. Ich blieb skeptisch. Es stimmte aber. Der FCN presste hoch, versuchte mit hohem Laufpensum und viel Engagement den Ball zu erobern und dann vors Tor zu ziehen. Aber der Reihe nach…

Nürnberg begann in einem 4-2-3-1, welches dann mit der Auswechslung von Feulner durch den offensiveren Colak eher aussah wie ein 4-4-2. Über das komplette Spiel wurde eher eine Mischform gespielt. Colak wie auch Feulner zuvor pendelte zwischen dem 10er Raum und einer hängenden Spitze. Immer wieder stießen sie im Angriff dann weit mit nach vorne.

Im Angriff gab es einen deutlichen Flügel-Fokus. Nürnberg wich ob der Spielstärke Schalkes im Zentrum auf die Flügel. Die Außenverteidiger im Zusammenspiel mit den Flügelspielern und dem offensiven 6er Hasebe, konnten den Ball gelegentlich in aussichtsreiche Positionen Hereingabe oder flanken. Viel ging hier über rechts, Angha rückte deutlich weiter auf als sein Kollege auf links. Die restlichen drei Akteure der 4er-Kette verschoben dafür nach rechts, so dass Stark zum zentralen Spieler einer 3er-Kette wurde. Diese Asymmetrie bewirkte, dass 45% aller Hereingabe von rechts kamen und nur 9% von links.

Defensiv baute sich der FCN in einem klareren 4-4-2 auf. Dabei spielten sie ein hohes Mittelfeldpressing. Nicht selten wurden die Schalker Innenverteidiger kurz vor dem eigenen Strafraum angelaufen. Nürnberg wollte so Ballverluste oder Abschläge provozieren um dann im direkten Konter schnell den Abschluss zu suchen.

Die erste 4er-Kette stand dann oft noch auf Höhe des Mittelkreises. Allerdings war diese Kette nicht sehr Positionsorientiert, sondern eher wir ein loser Verbund an Mittelfeldspielern. So konnten sie das Pressing besser vorantreiben. Immer wieder wurde der Ballführende attackiert, meist gedoppelt. Nürnberg investierte viel und lief alles und jeden an, was Blau und in Ballnähe war. Aus Angst vor der individuellen Stärke des Gegners und davor zu leicht ausgespielt zu werden, gingen die Nürnberger jedoch nur selten in Zweikämpfe. Doch genau das brachte das Schalker Spiel erst richtig in Fahrt.

Schalke umspielt Pressing

Kellers Rasselbande ist gespickt mit jungen Spielern die sehr Pressingresistent sind. Besonders bei Meyer und Goretzka scheint es auf die Entscheidungsfindung keinen Einfluss zu haben ob oder wie viele Gegner sie anlaufen. Ähnliches gilt quasi für das komplette Mittelfeld. Und doch hatte Schalke zuletzt starke Probleme mit gegnerischem Pressing. Ganz besonders dann, wenn der Gegner (wie Borussia Mönchengladbach zuletzt) dazu noch aggressiv in Zweikämpfe geht. Gegen Nürnberg zeigte Schalke zum ersten Mal seit langem, dass es eben doch in der Lage ist so ein Pressing zu umspielen, und dass Nürnberg nicht in Zweikämpfe wollte brachte auch den nötigen Raum und die Sicherheit das zu tun.

Schalke agierte insgesamt variabler. Im Spielaufbau kippte nicht nur Neustädter zwischen die Innenverteidiger oder baute sich kurz vor denen auf, deutlich häufiger als zuletzt machte auch Boateng das gleiche. Außerdem kippte die 6er in diesem Spiel auf regelmäßig neben die Innenverteidiger auf die linke Seite. So konnte der rechts-Fokus von Nürnberg schon im Aufbau abgefangen werden.

Aber auch der Rest der Mannschaft zeigte sich sehr variabel. Praktisch jeder band sich immer wieder ins Aufbauspiel ein. Zuletzt ließen lediglich Draxler und manchmal Goretzka sich fallen um den Ball nach vorne zu bringen, wo der Rest in der Nähe der Abseitslinie rumstand. Diesmal gab es so etwas nicht. Schalkes starke Positionsspiel wurde aufgelöst. stattdessen nur ein breites variables Mittelfeld, in dem jeder Spieler jede Position ausfüllt, wenn es die Situation erforderte. Das ist neu auf Schalke. Und Nürnberg lieferte den Platz dazu, indem zwar gepresst, der Ballführende aber nur selten in einen direkten Zweikampf verwickelt wurde.

Fazit

Nürnberg ist keineswegs mangelndes Engagement vorzuwerfen. 25 Fouls und 121,1 gelaufene Kilometer sprechen da eine deutliche Sprache. In diesem Spiel mangelte es schlicht an der Qualität. Mangelnde Zweikämpfe sehe ich als strategische Anweisung, nicht als individuelle Fehlleistungen oder gar fehlendem Willen.

Gleichzeitig fand Schalke endlich ein Mittel sich aus einem intensiven Mittelfeldpressing zu befreien. Viele Spieler ließen sich gleichzeitig fallen und die Staffelung im Mittelfeld war deutlich besser als zuletzt. Dass die Saison jetzt vorbei ist, ist daher fast zu bedauern. Es wäre interessant zu beobachten wie das ganze weiterentwickelt würde.

P.S.: Die auch in der Sommerpause werde ich mich hier weiterhin mit Schalke und Schalkern beschäftigen. Wieder reinschauen lohnt sich also. Oder am besten direkt auf Twitter, Facebook oder GooglePlus folgen. 🙂

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der Stadt, die mal die höchste Fördermenge in Europa hatte. Aufgewachsen in einer Familie von Püttologen studierte er an der FH Gelsenkirchen irgendwas mit Computern. Später zog es ihn in die Ferne zu den Wikingern, wo ihm erst bewusst wurde, wie viel Ruhrpott in ihm steckt.

Nach hunderten von Herzklabastern, weil der elende Internetstream immer bei blau-weißen Torchancen abbrach, ist er als Doktor Labertasche wieder zurück in der Heimat (mit Dauerkarte in Block 5) und theoretisiert neben der Maloche den König Fußball. Weil aber seine Kumpels schnell davon genervt waren, verlagerte er das Ganze und gründete Halbfeldflanke zum Beginn der Saison 2013/2014.