Borussia Mönchengladbach spielte sehr ähnlich wie viele Gegner Schalkes zuletzt, mit aggressivem Pressing. Allerdings erweiterte Favre dies noch um Zweikämpfe, und errang so letzlich völlig verdient den Sieg.

Die Grundformationen zu Spielbeginn.

Die Grundformationen zu Spielbeginn.

FC Schalke 04 – Borussia Mönchengladbach, 0:1

Auch wenn das auf der Grafik oben etwas anders aussieht, spielt Borussia Mönchengladbach immer in einem 4-4-2. Hier sind die Rollen allerdings so klar unterschiedlich definiert, dass es auch als 4-2-2-1-1 beschrieben werden kann. Vor der 4er-Kette in der Abwehr baut sich eine doppel-6 auf, die jedoch auch sehr unterschiedlich arbeitet. Nordveit ist der Mann vor der Abwehr, Ausputzer und Ballverteiler im Aufbauspiel, der auch meist zwischen die Innenverteidiger abkippt. Eher davor als daneben findet sich Kramer, der in der letzten Saison noch mit Goretzka beim VfL Bochum gespielt hat. Dieser agierte hier als recht hoher 8er und wich viel auf die beiden Flügel aus. Die Flügelspieler Arango und Herrmann blieben meist sehr breit und stießen nur selten wirklich ins Zentrum hervor. Dazwischen fand sich Raffael der irgendwas zwischen 10er und hängende Spitze spielte, aber ähnlich wie Kramer viele Wege in der Horizontalen machte. Davor, ebenfalls sehr horizontal aber mit klarem Zug in den Strafraum, war Kruse sehr aktiv.

Auch wenn die einzelnen Positionen nicht klassisch interpretiert wurden, waren die grundsätzlichen Aktionen sehr typisch für ein 4-4-2. Gladbach spielte einen deutlichen Flügelfokus. Sämtliche Angriffe gingen über die Flügel. Hier sorgten die 6er, der Außenverteidiger, Flügelspieler und Raffael für Überzahlspiel. Sie machten das Spiel eng und sorgten durch den großen Personalaufwand für ausreichend Anspielstationen. Gleichzeitig stand Gladbach dann bei Ballverlust gut gestaffelt um den Ball herum, so dass sie gleich ins Gegenpressing gehen und den Zweikampf suchen konnten. Insgesamt wurde bei Angriffen aber versucht zu kontern oder so schnell wie möglich vors Schalker Tor zu kommen.

Defensiv spielte die Borussia ebenfalls ein 4-4-2, hier aber klarer mit zwei voreinander gestellten 4er-Ketten und die beiden Stürmer davor. Allerdings verließ sich Lucien Favre nicht wie Stuttgart zuletzt auf eine Mauertaktik, sondern trat ähnlich an wie zuletzt Frankfurt oder Bremen, mit starkem Pressing. Allerdings ging er noch einen Schritt weiter und fügte eine gehörige Portion Zweikämpfe hinzu. Schalke kam mit der aggressiven Verteidigung nicht gut zurecht und wurde von Gladbach häufig zu Fehlern getrieben. Doch der Reihe nach…

Schalke setzt auf Fluidität

Keller schien das starke Pressing erwartet zu haben und fing genauso an, wie Frankfurt geschlagen wurde: Meyer, Draxler und Goretzka spielten sehr eng und sehr fluide. Oft kamen sogar auch noch Szalai oder Boateng dazu und der Gesamtverbund bespielte das Angriffsdrittel quasi ohne feste Ordnung. Allerdings hatten diese beiden einen größeren Negativeinfluss als ihnen bewusst schien, sie nahmen den anderen dreien nicht selten die Räume. Insgesamt standen die drei offensiven Mittelfeldspieler sehr eng und verteilten sich eher zur rechten Seite. Das Personal wechselte zwar durch aber einer (oft Goretzka) stand dann recht breit am rechten Flügel, und zwei andere (etwa Meyer und Draxler) teilten sich den 10er-Raum. Der linke Flügel wurde häufig frei gelassen und in seiner Gesamtheit von Kolasinac beackert. Dadurch stand dieser weit höher als Hoogland auf der anderen Seite, wodurch aus der 4er-Kette meist eine 3er-Kette wurde.

Schalke hat immer wieder Probleme Pressing zu umspielen, das wurde hier schon häufiger angemerkt. In diesem Spiel zeigte sich das wieder recht deutlich, es gab trotz einer guten Passerfolgsquote von 81% (endlich mal wieder über 80%) viele Ballverluste im Mittelfeld. Gladbach doppelte viel und verstrickte die Schalker in Zweikämpfe, bei denen die Gäste meist erfolgreich waren. Schalke wirkte hier oft müde. Es fehlten die Anspielstationen, die Geschwindigkeit und die Entscheidungsfindung war oft auch nicht optimal. Dies an Einzelpersonen fest zu machen wäre jedoch müßig, das war ein Gesamtproblem. Lediglich Goretzka und Meyer schienen wirklich frisch zu sein.

Immer wieder schaffte es Schalke jedoch bis kurz vor den Strafraum und suchte die Lücke. Neu war hier, dass Neustädter ziemlich hoch aufrückte und die Bälle in direkter Strafraumnähe verteilte und das Spiel auf engstem Raum verlagerte. Das Schalke letztlich nicht wirklich in den Strafraum kam lag an der fehlenden Idee wie die letzte Abwehrreihe zu knacken ist, welches ich zum Stuttgart-Spiel bereits ausführlich beschrieben habe.

Vorteil Gladbach

Defensiv stand Schalke wie immer sehr kompakt und gut sortiert. Die Umschaltmomente machten, wie bereits die komplette Hinrunde, Probleme. Borussia Mönchengladbach war deutlich schneller im Umschaltspiel nach vorne wie auch nach hinten und schaffte es so Schalke den Schneid abzukaufen. Dabei hatte Gladbach eine gehörige Portion Respekt gegenüber Schalke. Das war besonders an den Ecken gut zu erkennen, die Gladbach mit beiden Pfosten besetzt und 5 Spielern an der 5m-Raum-Linie verteidigte.

Keller versuchte dann noch recht viel, wenn auch erst recht spät. Er stellte komplett auf 3er-Kette um (in der Verteidigung gab Goretzka gelegentlich den Rechtsverteidiger) und spielte irgendwann mit 3 Stürmern (Szalai, Huntelaar, Boateng). Genutzt hat das alles nichts, Gladbach spielte weiterhin aggressiv in der Defensive und schnell im Angriff.

Fazit & Ausblick

Wer die Spiele aufmerksam nacheinander verfolgt (oder immer fleißig hier mitliest) bekommt recht deutlich zu sehen, wie sich Gegner aufeinander einstellen. Während zu Beginn der Rückrunde Schalke besonders gut Vorbereitet in die Partien ging, scheint dies in letzter Zeit deren Gegnern besser zu gelingen. Denn auch wenn die Spielweise natürlich sehr anders ist, ließ Lucien Favre sein Borussia Mönchengladbach ähnlich antreten wie Frankfurt oder Bremen zuletzt, nämlich im aggressiven Pressing. Allerdings noch ein bisschen aggressiver, durch mehr Zweikämpfe. Das konnte Schalke nicht umspielen, es schien fast als würde Schalke sich einschüchtern lassen.

In der nächsten Woche trifft Schalke auf Freiburg. Um sicher in die Champions League einzuziehen sollte hier ein Sieg her. Entscheidend dafür ist, dass Keller es schafft sein Team wieder frisch zu bekommen. Mehr Bewegungsfreude ist Grundbedingung. Wenn dann noch eine Spielidee erarbeitet werden kann, wie man gegen Streichs Truppe ein Tor schießen kann, sollte ein Sieg möglich sein.

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der Stadt, die mal die höchste Fördermenge in Europa hatte. Aufgewachsen in einer Familie von Püttologen studierte er an der FH Gelsenkirchen irgendwas mit Computern. Später zog es ihn in die Ferne zu den Wikingern, wo ihm erst bewusst wurde, wie viel Ruhrpott in ihm steckt.

Nach hunderten von Herzklabastern, weil der elende Internetstream immer bei blau-weißen Torchancen abbrach, ist er als Doktor Labertasche wieder zurück in der Heimat (mit Dauerkarte in Block 5) und theoretisiert neben der Maloche den König Fußball. Weil aber seine Kumpels schnell davon genervt waren, verlagerte er das Ganze und gründete Halbfeldflanke zum Beginn der Saison 2013/2014.