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Erst 5er Kette dann Bus geparkt, FC Schalke 04 – FSV Mainz 05, 4:1

Dieses Spiel wird noch lange in Erinnerung bleiben. Nicht nur, weil es wohl die erste Bundesligapartie in diesem Jahrtausend war, bei der beide Mannschaften nicht (!) mit einer 4er Kette aufliefen. Nein, es war auch das erste Spiel seit Ewigkeiten, dass Schalke wegen einer krassen taktischen Umstellung in der Halbzeit für sich entscheiden konnte.

Die Grundformationen zu Spielbeginn.

Die Grundformationen zu Spielbeginn.

Mainz 05

Unter Tuchel war es eh klar, aber auch jetzt unter dem Dänen Kasper Hjulmand spielt Mainz taktisch sehr variabel. Auf Schalke liefen sie mit einer 3er Kette auf. Davor auf den Flanken 2 Flügelspieler, die sich gelegentlich fallen ließen um bei der Verteidigung zu unterstützen. Zentral gab es zwei 6er, hinter Koo als Dreh und Angelpunkt im gesamten offensiven Mittelfeld, welcher wiederrum die Doppelspitze aus Allagui und Okazaki in Szene setzen sollte. Damit war das 3-4-3 komplett.

Doch bei Mainz war etwas der Wurm drin. Aussichtsreiche Gelegenheiten wurden vergeben. Generell wurde ein bisschen leichtfertig mit dem Ball umgegangen. Leichtfertige Ballverluste, besonders in der ersten Halbzeit, prägten das Spiel. Und Schlüsselspieler Koo wurde nur unzulänglich eingebunden.

Schalke 04, erste Halbzeit

Schalke begann wie schon in der Vorwoche gegen Wolfsburg in einem 5-3-2. Diesmal gab Kirchhof den Zentralen Innenverteidiger, was deutlich mehr Ballsicherheit im Zentrum brachte. Links von ihm unterstützt durch den Zweikampfkönig Höwedes, der auch Fuchs den Rücken frei halten sollte und ihn unterstützte. Rechts dann der Raumkönig Neustädter, der Uchida ausbalancierte.

Dazu presse Schalke hoch und früh. Versuchte Mainz am Aufbau zu stören und direkt den Gegenangriff einzuleiten. Das funktionierte über weite Teile recht gut und Schalke konnte besonders in den ersten 20 Minuten den Ball großteilig für sich beanspruchen.

Aber Mainz hat seine Schlüsse aus der Partie der Vorwoche gezogen und versuchte die Lücken hinter dem aufrückenden Außenverteidiger auszunutzen. Damit kamen sie auch gelegentlich gefährlich vor’s Tor. Die Verteidigung bekam dann aber noch rechtzeitig Zugriff. Denn auch die 5er Kette selbst schien diesmal schon deutlich besser eingespielt.

Die Grundformationen zu Beginn der zweiten Halbzeit.

Die Grundformationen zu Beginn der zweiten Halbzeit.

Schalke 04, zweite Halbzeit

Da war noch etwas wesentliches, das Roberto Di Matteo aus der Partie der Vorwoche gelernt hat. Schon gegen Ende der ersten Halbzeit schienen die Kräfte nachzulassen. Das Pressing wurde weniger konsequent gespielt und auch immer tiefer angesetzt. Gegen Wolfsburg hatte man dann noch etwas Glück, dass das passte. Diesmal sollte das anders sein. Barnetta kam und Schalke plötzlich im 4-4-2.

Das 4-4-2 wurde unter der Woche schon gegen Chelsea probiert. Allerdings mit wenig Erfolg. Der Ansatz war aber richtig. Gegen eine geballte offensiv-power, musst Du versuchen hinten dicht zu machen. Kompakt stehen ist da das Zauberwort. Gegen die Engländer hat das nur so mittel geklappt. Unter anderem, weil Chelsea sich unglaublich gut durch die beiden 4er Ketten kombiniert hat.

Ob Mainz ein derartiges Kombinationsspiel aufziehen kann oder nicht ist relativ egal. Wehren musst Du Dich auf die gleiche Art und Weise. Mainz wurde immer stärker und es war nach der knappen Führung mit noch mehr Druck zu rechnen. Schalke umzubauen war der Matchwinner.

So ließ Schalke relativ wenig zu und versuchte seine eigene Konterstärke weiter zu forcieren. Das meiste ging hier über rechts, wo auch Barnetta eine klasse Partie machte.

Fazit

Eine derart krasse Umstellung zur Halbzeit habe ich bei Schalke noch nie gesehen. Von einer 5er Kette auf zwei 4er Ketten. Und damit den Sieg klar gemacht. Auch wenn noch nicht alles Wasserfest ist, scheint Di Matteo angekommen. Die Entwicklung ist deutlich, auch trotz der Chelsea Klatsche.

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der Stadt, die mal die höchste Fördermenge in Europa hatte. Aufgewachsen in einer Familie von Püttologen studierte er an der FH Gelsenkirchen irgendwas mit Computern. Später zog es ihn in die Ferne zu den Wikingern, wo ihm erst bewusst wurde, wie viel Ruhrpott in ihm steckt.

Nach hunderten von Herzklabastern, weil der elende Internetstream immer bei blau-weißen Torchancen abbrach, ist er als Doktor Labertasche wieder zurück in der Heimat (mit Dauerkarte in Block 5) und theoretisiert neben der Maloche den König Fußball. Weil aber seine Kumpels schnell davon genervt waren, verlagerte er das Ganze und gründete Halbfeldflanke zum Beginn der Saison 2013/2014.

Kategorie: Spielbericht

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6 Comments

  1. Ja, er scheint zumindest immer eine Idee zu haben. Diese umzusetzen klappt zwar noch nicht immer. Was gegen Chelsea halt auch schon mal vorkommen kann. Aber es ist schön, diese Entwicklung zu sehen.

  2. Diesbinr Kette ist doch der Verletzung von Draxler (und Sam und Obasi) verschuldet. Da kein Flügelstürmer vorhanden sind ist das 5-3-2 gewählt worden.

    Was mir an diesem System richtig gefällt ist der Doppelspitze mit Hunter und EMCM, die beiden ergänzen dich gut.

    Ich bin gespannt mir wie RdM weiter macht wenn er ein gesundes Kader hat wo auch Farfan fit ist.

  3. Ich sehe es nicht so, dass die Fünferkette gewählt wurde wegen dem Ausfall der Flügelspieler, sondern um dem Team defensive Stabilität und Absicherung zu geben, insbesondere für ein abgesichertes Offensivspiel mit Unterstützung der offensiv starken AV. Umschaltspiel in die Defensive ist kein Problem mehr (Riesenproblem unter Keller). Und wenn Schalke kontern will, schaltet RDM auf ein konterfähiges 4-4-2.

    RDM hat bisher alle Spieler durch Systemeinstellung besser gemacht. Ein einfaches Beispiel ist Fuchs, dem er die defensive Last von den Schultern genommen hat. Interessanterweise nachdem er ihn 1-2 Spiele im 4-2-3-1 hat verrecken lassen. Er ist also sehr lernfähig und kann die richtigen Schlüsse ziehen. Einzig Neustädter ist als halber AV nicht gut positioniert. aber Kirchhoff ist noch weniger AV. Da Matip lange ausfällt, würde ich mir Neustädter auf der zentralen Kirchhoff Position wünschen mit Ayan halbrechts.

    Bin gespannt, wie RDM umstellt, wenn sich die Gegner aufs 5-3-2 eingerichtet haben, oder wie sein Rezept ist gegen sehr passive, tiefe, aber geordnete Gegner ( die gibt es kaum noch in der BL).

    Es macht wieder Spaß, Schalke beim Fussballspielen zuzuschauen.

  4. Übrigens: Farfan fänd ich jetzt nicht so spannend. Aber wie geil wird das, wenn Leon Goretzka in diesem variablen Offensivspiel mit Choupo , Meyer etc. auftaucht?

  5. Noch eins: Was noch nicht klappt, ist ein guter Spielaufbau übers Zentrum. Santana war in der Kategorie ein Witz gegen Wolfsburg, und auch gegen Stuttgart ging es vornehmlich über die Flügel. Kirchhoffs lange Aufbaupässe a la Alonso zeigen nur, dass er kein Alonso ist und Aogo auf der 6 ist nicht so eine pressingresistente Verteilmaschine wie Neustädter. Da gibt es noch viel Arbeit, wenn RDM weiter in Richtung Ballbesitzspiel gehen will.

    • Ja, Spielaufbau sehe ich auch noch als großes Thema. Zur Zeit wird viel mit langen Bällen operiert. Auch Fährmann schlägt meist ab. Ich vermute aber, dass sich daran bis zur Winterpause nichts mehr ändert. Auf die Rückrunde bin ich allerdings extrem gespannt. 🙂

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