Halbfeld­flanke

Von Problemen und Anpassungen: Augsburg – Schalke, 0:0

Die zweite Halbzeit war stärker als die zweite. Doch, warum? Und warum konnte Schalke dieses Spiel nicht gewinnen? Das und ein bisschen zu Roberto Di Matteos In-Game-Coaching in einer Kurzanalye.

Die Grundformationen zu Spielbeginn.

Die Grundformationen zu Spielbeginn.

1. Halbzeit

Augsburg spielte wie immer mit hohem Engagement. Es ergab sich eine hitzige Pressingschlacht. Hüben wie drüben versuchte man den Gegner zu Fehlern zu bringen. Und das gelang beiden ganz gut. Die Passerfolgsquoten sprechen da für sich, Augsburg (68%) und Schalke (72%) beklekerten sich da beide nicht mit Ruhm. Das ist dann das, was gemeinhin ein Fehlpassfestival genannt wird.
Zusätzlich hatte Augsburg noch eine gute Endverteidigung, ein enges Netz an Füßen, duch das es kein durchkommen gab.

Augsburg schaffte es, das Spiel eng zu machen. Das 5-3-2 welches Schalke seit dem Herbst spielt ist darauf ausgelegt Überzahlsituationen zu erzeugen, meist in den Halbräumen. Augsburg jedoch hielt dagegen und überlud die Räume, die Schalke bespielen wollte. Dadurch fand Schalke nicht in die Spur. Es fehlte schlicht und ergreifend an Platz. Der konnte nicht generiert werden, weil die beiden Flügelspieler schlicht verweisten. Selbst der Ballferne 8er bewegte sich nur selten über die Spielfeldmitte weg vom Ball. Darum gab es für Augsburg keinerlei Anlass die Kompaktheit aufzugeben.

Die Grundformationen zu Beginn der zweiten Halbzeit.

Die Grundformationen zu Beginn der zweiten Halbzeit.

2. Halbzeit

Roberto Di Matteo versuchte all dem abhilfe zu schaffen, indem er das System vollständig wechselte. Gelegentlich kommen Diskussionen auf, ob der Schalker Trainer in der Lage ist, innerhalb eines Spiels darauf einwirken kann, das sogenannte In-Game-Coaching. Hier hat er die Problempunkte treffend analysiert, logische Schlüsse gezogen und die Entscheidung getroffen, das Spiel komplett umzukrempeln. Er warf das 4-2-3-1 in den Ring, was etwa das Standardsystem unter Keller war. Damit gibt es zwei Spieler auf den jeweiligen Flügeln. Das war der Schlüssel und nicht etwa, dass Jefferson Farfán plötzlich auf dem Feld stand. Zumindest nicht als Hauptfaktor.

Nun konnte das Feld breit gemacht werden. Augsburgs Kompaktheit wurde so aufgesprengt. Außerdem gab es jetzt auch einen deutlicheren Flügel- und Flankenfokus.

Alles Vergebens

Doch letztlich hat das alles eben auch keinen Torerfolg gebracht. Und zwar wegen eines alten Problems: Dem Aufbauspiel, bzw. dem Ballbesitzspiel. Schalke schaffte es nie wirklich sich dem gegnerischen Druck zu entziehen. Die Pressingresistenz, die ja einige der Spieler prinzipiell durchaus mitbringen, wurde wohl in Gelsenkirchen vergessen. Gemeinsam mit einer ganzen Reihe von Flüchtigkeitsfehlern ergab ein Spiel, das, mit verlaub, eher unansehnlich war.

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der Stadt, die mal die höchste Fördermenge in Europa hatte. Aufgewachsen in einer Familie von Püttologen studierte er an der FH Gelsenkirchen irgendwas mit Computern. Später zog es ihn in die Ferne zu den Wikingern, wo ihm erst bewusst wurde, wie viel Ruhrpott in ihm steckt.

Nach hunderten von Herzklabastern, weil der elende Internetstream immer bei blau-weißen Torchancen abbrach, ist er als Doktor Labertasche wieder zurück in der Heimat (mit Dauerkarte in Block 5) und theoretisiert neben der Maloche den König Fußball. Weil aber seine Kumpels schnell davon genervt waren, verlagerte er das Ganze und gründete Halbfeldflanke zum Beginn der Saison 2013/2014.

Kategorie: Spielbericht

Di Matteos Konzeptprobleme » « Wenn ein Sieg weh tut. Real Madrid – FC Schalke 04, 3:4

4 Comments

  1. In der ersten Halbzeit hat sich vor allen Dingen das Fehlen von Neustädter bemerkbar gemacht. Ohne den Dreh- und Angelpunkt im Spielaufbau fehlte es an den Verbindungen. Goretzka tat sich schwer in seine Rolle zu finden. Aogo und Höger haben auf der 6er-Position einfach nicht die Ruhe und Klasse. dadurch fehlte dem ganzen Spielaufbau die Stabilität, und das starke Augsburger Pressing tat ein Übriges. Da Schalke schon mir Neustädter kaum übers Zentrum kommt, waren die Bälle praktisch sofort auf dem Flügel. Darauf war Augsburg aber gut eingestellt, und Schalke war trotz Meyer nie in der Lage, den Ball flüssig durch die Mannchaftsteile laufen zu lassen. Gefahr am ehesten durch Choupo-Dribblings, aber der hat auch schon mal besser kombiniert. In der zweiten HZ habe ich dann eher ein 4-4-2 gesehen als ein 4-2-3-1, aber kann mich auch verguckt haben. Höwedes großartig auf rechts. Warum nimmt der sich nicht auf Halbrechts in der Fünferkette mal mehr Freiheiten nach vorne? Das Pressing fand ich gar nicht so übel, aber manchmal schlampig, vor allem durch Huntelaar. Gegenpressing haben sie schon mal besser gespielt, auch manchmal schlampig. Positiv finde ich, dass RDM immer versucht die taktische Formation zu finden, die zu den vorhandenen Spielern am Besten passt, hier ein 4-4-2, weil das für Farfan am Besten passt. Grundsätzlich ist ein 0:0 in Augsburg o.k., die Punkte mussten woanders geholt werden.

  2. Das mit Neustädter wollte ich so nicht explizit schreiben, ist aber mEn offensichtlich. Bereits als ich die Aufstellung gesehen hab ging mir durch den Kopf, dass dassehr offensiv ist Höger als 6er fand ich verschenkt. Aogo wurde dann besser, aber wie Du schon richtig schreibst fehlte der Aufbau komplett. Und Davon gibt es in diesem Jahr eh schon nicht viel.

    Eigentlich hatte mir Höwedes in der letzten halben Stunde fast zu viel Zug zum Tor. Hätte mir eher gewünscht, dass der Hunter sich aus dem Zentrum fern halt.

    Als 3er-Ketten-Glied darf er vermutlich nicht nach vorne um die Absicherung nicht zu gefährden. Zumindest ist auffällig, dass weder Höwedes noch Matip starker aufrücken. In einer 4er Kette machen das beide eigentlich regelmäßig.

    • Noch eine Frage: War das jetzt ein 4-2-3-1 oder ein 4-4-2? Ich meine nämlich, dass defensiv Choupo und Huntelaar weiter auf einer Linie gepresst haben (mit Choupo leicht hinter Huntelaar), und dahinter zwei flache Viererreihen. Bin leider immer emotional so beteiligt, dass ich nicht genau genug hinschaue. Nur Interesse halber.

      • Defensiv stehen sie im 4-2-3-1 ja auch im 4-4-2. Allerdings hab ich da meist Meyer vorne neben dem Hunter gesehen. Ansonsten sah es für mich so aus als wäre Choupo eher auf dem Flügel, Meyer auf der 10. So wir schon unter Keller eben.
        Aber ich hab’s mit auch nicht nochmal genauer in Ruhe angesehen…

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