Gegen einen unterklassigen Gegner schafft es Schalke zu brillieren. Wirklich interessant ist die Partie aber, weil Breitenreiter wie angekündigt heftigst rotiert. So wurden interessante Dinge über die Mannschaft und einzelne Spieler zu Tage gefördert.

Kurz zum Spiel

Die Griechen machten deutlich, dass sie hier auftraten um nicht unter die Räder zu kommen. Zwei 4er Ketten mit einem Abfangjäger dazwischen. Nur vorne verwaiste mit Giannou eine einzige Offensivkraft. Es sollte gekontert werden. Tripolis schaffte das sogar gelegentlich, spielte diese Ausnahmen aber nie wirklich zuende und wenn doch, dann machte die starke Schalker Abwehr dem ein Ende. Insgesamt gab Tripolis nur 5 Schüsse ab, allesamt von Außerhalb des Strafraums. Einen fing Fährmann ganz lässig, einer ging deutlich vorbei und drei weitere schafften es nicht mal bis zum 5er.

In der Verteidigung machten sie das Zentrum dicht. Das sogar recht gut und konsequent. Allerdings ebenso unpassend, da Schalke ja auf die Flügel spezialisiert ist, doch dazu später mehr. Letztlich schaffte es Schalke unglaublich viele Flanken zu schlagen. Zwar wurde auch hier wieder sichtbar, dass sich die Blauen in Strafraumnähe schwer tun, doch irgendwann kam es zum Doppelpack von Di Santo aus Flanke und Ecke. Damit war das Spiel eigentlich gelaufen. Da kamen zwar noch zwei Tore, aber letztlich mutierten die Griechen ab da zum Sparringspartner.

Insgesamt spielte Schalke wie immer in dieser sehr vertikal. Immer mit Zug in Richtung Tor. Nicht nur ständig auf dem Flügel, sondern immer häufiger auch über die Halbräume. Besonders an Meyer war das zum Schuss gut zu sehen, der fast nie am Flügel zu finden war, sondern sich immer zum Zentrum orientierte.
Dazu gab es häufige Verlagerungen, um die Gegner auseinander zu ziehen. Wirklich interessant waren aber die beiden Doppel 6 Kombinationen…

Die Grundformationen zu Spielbeginn.

Die Grundformationen zu Spielbeginn.

Die Doppel 6: Geis – Højbjerg

Geis wird gelegentlich als Schalkes Quaterback tituliert. Er lässt sich meist tief fallen und verteilt die Bälle, häufig weit und diagonal auf einen Flügel. Zuletzt nicht mehr ganz so tief, wie noch zu Beginn der Saison und auch in diesem Spiel positionierte er sich meist vor der Abwehr, als dazwischen. Die spielstarken Innenverteidiger wurden eh meist nur von einem Gegenspieler angelaufen. Diesen Druck konnten sie sich auch zu zweit schnell entledigen. Besonders, da die beiden 6er sich gut gestaffelt vor der Abwehr anspielbar gaben. Meistens zumindest.

Ansonsten zeigte sich Geis allerdings nicht sonderlich Agil. Er schien in der neuen Rolle noch etwas unsicher und bewegte sich nicht allzu weit aus dem 6er Raum weg. Højbjerg war da ganz anders. Der Däne bewegte sich viel und gab sich immer anspielbar. Er besetzte den linken Halbraum und half so den Flügel zu überladen. Davon profitierten vor allem Kolasinac und Sané (später Meyer).

In Kombination wirkten sie allerdings etwas merkwürdig. Der eine rannte überall rum, der andere stand still auf seinem Fleck. Immer wieder standen die beiden situativ entweder zu weit auseinander, oder zu eng zusammen. Abgestimmte Bewegungen oder fluides Zusammenspiel kam eher zufällig zustande. Die beiden müssen sich noch einspielen, vielleicht ist Geis auch ein bisschen überspielt gerade. Zur Pause wurde er dann durch Kaan Ayhan ersetzt.

Die Aufstellungen nach allen Auswechslungen.

Die Aufstellungen nach allen Auswechslungen.

Die Doppel 6: Ayhan – Højbjerg

Seit gefühlten Ewigkeiten hoffe ich hier, dass Ayhan mal wieder zum Zug kommt. In der Rotation war es dann endlich soweit und er spielte eine großartige Halbzeit. Freistoß und Pfostenschuss lasse ich mal außen vor. Das lag in erster Linie, dass er sich wunderbar mit Højbjerg ergänzte.

Wie Højbjerg auch zeigte sich Ayhan sehr beweglich. Die beiden pendelten durch die Räume als hätten sie nie etwas anders gemacht. Sie steigerten die Intensität oder nahmen Tempo aus dem Spiel. Mal ging einer der beiden einzeln mit nach vorne, mal gemeinsam. Immer aber schien es abgestimmt. Die beiden kamen sich nicht in die Quere, sondern es wirkte als bänden sie sich gegenseitig in Ihr Spiel ein.

Zugegeben, zu diesem Zeitpunkt war der Gegner bereits geschlagen und spielte nur noch auf Schadensbegrenzung. Selbstverständlich müssen sich die beiden unter Druck auch erst beweisen und finden, aber diese Halbzeit machte definitiv Appetit auf mehr.

Und sonst so

Kapitän Höwedes konnte sich nach seiner Verletzung in Ruhe einspielen. Kolasinac kam mal wieder auf den Platz und Sané durfte mal wieder von Anfang an ran. Vielen anderen wurde eine Pause gegönnt. Und sei es nur für eine Halbzeit.

Insgesamt waren dabei alle recht Passsicher, 87% aller Pässe erreichten den Mitspieler. Die Rotation zeigte, dass Schalke starke Leute hat, die bisher wenig Gelegenheit bekamen zu scheinen. Sie zeigte, dass der Trainer es ernst meint, wenn er sagt, dass jeder einzelne wichtig ist. Und sie zeigte, dass Schalke sein System weiterentwickelt und mit unterschiedlichen Spielertypen anders färben kann.

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der Stadt, die mal die höchste Fördermenge in Europa hatte. Aufgewachsen in einer Familie von Püttologen studierte er an der FH Gelsenkirchen irgendwas mit Computern. Später zog es ihn in die Ferne zu den Wikingern, wo ihm erst bewusst wurde, wie viel Ruhrpott in ihm steckt.

Nach hunderten von Herzklabastern, weil der elende Internetstream immer bei blau-weißen Torchancen abbrach, ist er als Doktor Labertasche wieder zurück in der Heimat (mit Dauerkarte in Block 5) und theoretisiert neben der Maloche den König Fußball. Weil aber seine Kumpels schnell davon genervt waren, verlagerte er das Ganze und gründete Halbfeldflanke zum Beginn der Saison 2013/2014.