Das letzte Gruppenspiel der Europa League wird zum Testspiel. Auf Grund der Rahmenbedingungen ist eine detaillierte Analyse kaum möglich und auch wenig sinnvoll. Daher nur ein kurzer Blick auf das was so passierte.

Die Grundformationen zu Spielbeginn.

Ein Spiel für die Galerie

Schalke war nach 5 Siegen in der Gruppenphase fest als Gruppenerster qualifiziert. Dazu war es kein Heimspiel und aber eine Partie kurz vor einem wichtigen Ligaspiel gegen einen direkten Konkurrenten. Vieles das dafür Spricht, den Wert des Spiels nicht zu hoch zu hängen. Und genau das tat Markus Weinzierl auch. Er ließ nahezu die komplette Stamm-11 zuhause und lief mit einem bunten Strauß dessen auf, was sich auf Schalke sonst so auf der Bank befindet. Das ist gar nicht despektierlich gemeint. Spieler aus der zweiten Reihe, Jugendspieler und Aufbaukandidaten. Es war ein Testspiel mit mehr Prestige, denn auch für Salzburg ging es um nichts mehr, sie standen als Gruppenletzter fest.

Das Spiel selbst erinnerte ins letzte Wochenende gegen Leipzig. Die RedBull Philosophie war sehr präsent. Salzburg attackierte über weite Strecken des Spiels ziemlich hoch und ziemlich früh. Das machte Schalke ein wenig zu schaffen. Nicht zuletzt weil das Personal so nicht eingespielt ist. So kam es zu nicht wenigen Abstimmungsproblemen, einigen extrem engen Situationen und letztlich auch zum 1:0.

Stambouli trainiert 20 Minuten lang Halbverteidiger

Weinzierl sagte kurz vor der Partie, dass Benjamin Stambouli sehr breit Einsatzfähig sei und das Ganze jetzt mal in der 3er Kette versucht werden soll. Dafür ging Riether mit Aogo auf die Doppel-6 und gab den Quarterback, den Ersatz-Geis sozusagen. Immer wieder stand er allein vor dem Strafraum und verteilte den Ball.

Im Aufbauspiel waren diesbezüglich aber mehrfach Kommunikationsprobleme mit Giefer zu erkennen. Der Torhüter wollte das Spiel schnell machen und die Bälle direkt verteilen. In Düsseldorf war er eigentlich dafür bekannt, dass das Gros seiner Abschläge direkt im Seitenaus landen. Hier passierte das nicht. Allerdings machte er das Spiel oft unnötig hektisch indem er zu lange mit Abspielen wartete, so dass die Salzburger schon ihr Netz spannen konnten.

Nach etwa 20-25 Minuten tauschten Riether und Stambouli die Positionen. Beide also zurück auf ihre nominellen Stammpositionen. Das galt auch für Riether, denn die 3er Kette stand sehr breit und Riether rückte immer mal wieder ein bisschen mit auf. Im Prinzip also genau so, wie der als Außenverteidiger spielt. Dafür hörte er auch wieder auf damit Bälle zu verteilen.

Doch Weinzierl tauschte nicht nur die beiden, sondern stellte auch insgesamt zurück auf das System mit einem 6er und zwei 8ern, wie sonst mit Bentaleb und Goretzka. Dafür zog Avdijaj etwas weiter zurück auf die linke Seite und Stambouli spielte das Gegenstück auf rechts. Wobei Naturgemäß ersterer meist etwas höher zog als letzterer.

Schöpf leitet den Umbau ein

Es war noch keine Stunde gespielt, da betritt Alessandro Schöpf das Feld, für Reese der Wechsel. Eigentlich Stürmer gegen Stürmer, doch Weinzierl baute wieder etwas um. Avdijaj ging nach vorne rechts und bildete mit Konoplyanka und Schöpf einen 3er Sturm, letzterer gab dabei meist den 10er.

Später kam dann noch frisches Blut im Sturm mit Sam für Konoplyanka und Uchida gab sein Comeback nach einer gefühlten Ewigkeit und ersetzte Riether. Großartig etwas geändert hat sich aber nichts.

Insgesamt war Schalke viel zu langsam. Während die Knappen sich noch sortierten und orientierten und dafür gelegentlich kurz inne hielten, nahmen die Salzburger ordentlich Fahrt auf und setzen die Gäste unter Druck. Natürlich spielten beide Seiten großteilig frei von Stammpersonal, aber es wurde in diesen Situationen deutlich, dass die Österreicher komplett auf diesen Fußball geeicht sind. Wer da tatsächlich von der Bank kommt ist dann eigentlich irrelevant, jeder weiß genau um seine Rolle und kennt das Gruppentaktische Verhalten aus dem Effeff. So weit ist Schalke nicht. Das wurde hier deutlich.

Und jetzt?!

Das war ein Testspiel. Es ist sinnvoll den Spielern Pausen zu geben und anderen eine Chance zu geben sich zu präsentieren. Kehrer etwa zeigte wieder einen souveränen Auftritt, wie schon gegen Nizza. Avdijaj zeigte sich als offensiver Aktivposten und sorgte für die einzigen wirklichen Highlights der Blauen. Reese blieb relativ blass, wobei er sich zwei bemerkenswerte Halbchancen erspielte. Und sie dann liegen ließ.

Insgesamt hat das Spiel nichts mit der Partie gegen Leverkusen am kommenden Sonntag zu tun. Klar wurde lediglich, dass das eigene gruppentaktische Verhalten noch nicht so verinnerlicht ist, als dass es ein gut funktionierendes Kollektiv geschlagen werden kann. Aber so schlau waren wir vergangenen Samstag auch schon…

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der Stadt, die mal die höchste Fördermenge in Europa hatte. Aufgewachsen in einer Familie von Püttologen studierte er an der FH Gelsenkirchen irgendwas mit Computern. Später zog es ihn in die Ferne zu den Wikingern, wo ihm erst bewusst wurde, wie viel Ruhrpott in ihm steckt.

Nach hunderten von Herzklabastern, weil der elende Internetstream immer bei blau-weißen Torchancen abbrach, ist er als Doktor Labertasche wieder zurück in der Heimat (mit Dauerkarte in Block 5) und theoretisiert neben der Maloche den König Fußball. Weil aber seine Kumpels schnell davon genervt waren, verlagerte er das Ganze und gründete Halbfeldflanke zum Beginn der Saison 2013/2014.