Halbfeld­flanke

Das Derby. FC Schalke 04 – Borussia Dortmund, 1:1

Gegen eine spielerisch überlegene Borussia wählte Weinzierl im Heimspiel zunächst den brachialen Weg. Während Schalke diesmal (anders als im El-Rückspiel gegen Gladbach) mit klarer Viererkette agiert, lässt Tuchel die bei Dortmund inzwischen übliche Hybridformation aus 4-4-2, 5-3-2 und 5-2-3 spielen. Am Ende hätte irgendwie ein Sieg drin können, irgendwie aber auch eine Niederlage.

Schalkes stabiles Pressing

Offensiv spielt Dortmund wie gesagt in einer schwer definierbaren Mischung aus 5-3-2 und 5-2-3. Das entsteht dadurch, dass Schmelzer als Linksverteidiger sehr hoch aufrückt und Passlack konstant breit agiert. In dem dadurch entstehenden U können die fünf anderen Spieler sich einigermaßen frei bewegen und miteinander rochieren. Dembélé ist dabei der Hauptkreativposten, durch seine Technik, Übersicht, seine guten Positionierungen und seine Handlungsschnelligkeit ist er sehr schwer zu kontrollieren. Doch Schalke ließ sich vom Dortmunder Kombinationsspiel nicht aus der Ordnung bringen, vielmehr spielten Weinzierls Mannen überaus konzentriert. Die Aufstellung kündigte das eigentlich schon an, mit Goretzka und Burgstaller hat man vorne zwei drin, die sich absolut nicht zu schade sind für die Mannschaft zu rackern. Max Meyer hätte eine solche Defensivleistung nicht abliefern können, Huntelaar oder di Santo erst recht nicht. Dabei formierten sie sich häufig in einer Art 4-3-3 in dem sich zumeist Choupo-Moting nach vorne orientierte. Druck wurde also besonders auf der linken  Schalker Defensiv-Seite ausgeübt. Durch diese Asymmetrie hatte man eigentlich eine sehr passende Rollenverteilung auf den Flügeln. Der nicht so taktisch disziplinierte Choupo-Moting musste nicht im Achterraum aushelfen, sondern konnte vielmehr mit seiner Wucht vorne anlaufen und war bei Kontern gut positioniert. Der spielintelligentere Caliguri hat auch bei Wolfsburg häufiger auf der Acht gespielt und war seiner Rolle also sehr gewachsen, außerdem konnte er nach Ballgewinn mit klugen Pässen Angriffe einleiten.

In obiger Szene hat Piszczek den Ball, wie man sehen kann ist es bei einer Verlagerung immer möglich den Ballführenden Dortmunder zumindest einigermaßen ohne Druck zu setzen ohne die Ordnung zu verlieren (schwarze Linien), da die Spieler beim Herausrücken den Weg ins Zentrum zu machen können. Etwas unkompakt wurde Schalker wenn Bentaleb oder Stambouli mal auf dem Flügel unterstützen mussten – dann stieß jedoch meistens einer der Innenverteidiger aus der Abwehr heraus und hinter den Dortmunder Ballführenden an der Drehung. Ein Mittel, dass sehr gut eingebunden und abgesichert wurde, vielleicht etwas was man aus der Fünferkettenzeit konservieren konnte. Auch da waren solche Rausrückbewegungen und deren Absicherung eine große Stärke des Schalker Spiels. Dadurch spielte Dortmund viel in dem vorhin U hin und her. Durch die erwähnte Asymmetrie ergab es sich übrigens auch, dass die Flügelläufer von Dortmund unterschiedlich von Schalke verteidigt wurden. Wenn Passlack denn Ball hatte, dann stellte ihn zunächst Kehrer, während Bentaleb ihn von der Seite anlief. Der Pass auf Kagawa war dann zwar immer noch möglich, doch der hatte den Ball dann eher in einer auf den Flügel isolierten Position. Auf der anderen Seite rückten Coke oder Caliguri auf Schmelzer raus, während der andere sich zwischen seinem Flügelpartner und Höwedes postierte. Dadurch konnte er sowohl den Raum hinter seinem Partner absichern, als auch auf Dembélé herausrücken. Um doch noch irgendwie ins Zentrum einzudringen blieben Dortmund eigentlich nur noch lange Flachpässe.

Diese schöne Szene aus der 27. Minute illustriert ganz gut, wieso diese langen Flachpässe eine Option darstellten und wieso sie aber nicht wirklich relevant wurden. Der Situation geht eine einminütige tiefe Ballbesitzszene Dortmunds voraus, der Ball wurde hin und her verlagert und Schalke wurde durch das viele Verschieben ein bisschen Auseinandergezogen. Um die Mittellinie hat sich ein recht großer Raum (Rechteck) geöffnet, den Batra durch einen langen Pass auf Dembélé bespielen möchte. Doch dieser Raum ist keineswegs so komfortabel zu bespielen wie es scheint. Dortmund hatte häufig , sehr viele Spieler vor dem Schalker Defensivblock – dadurch wird Schalke zwar zwangsläufig auseinandergezogen, aber gleichzeitig bleiben nur wenig Spieler übrig, um den geöffneten Raum zu bespielen. Nur Kagawa befindet sich im Zentrum, Bentaleb kann ihn jedoch sofort decken, Passlack ist sehr frei, doch auch sehr isoliert, wird er angespielt kann Kehrer noch bequem auf ihn herausrücken. Würde Passlack sich wiederum von Anfang ins Zentrum orientieren, könnte Kehrer einfach von vornherein auf ihn herausrücken und Dortmund hätte sich den Raum selbst genommen. Auch können Choupo-Moting und Goretzka sich hier schnell nach hinten orientieren, da sie gerade nicht zum Pressen aufrückten, sondern nur das Zentrum blockierten. Dadurch wird der Raum sehr schnell gefüllt und entpuppt sich als Pressingfalle. Doch so weit kommt es gar nicht erst. Coke orientiert sich hier nämlich sehr gut auf Dembélé und luchst ihm einfach den Ball ab. Auch über diese Lasepässe war Schalke also nicht wirklich zu knacken. Dennoch hatte Dortmund ja gar nicht so wenig Torchancen, wie lässt sich das erklären?

Ein Umschaltspiel

Wir wollen zunächst bei der gerade beschriebenen Situation bleiben. Im Anschluss kam es zu einem Schalker Konter, Coke gelang ein schöner Pass auf Choupo-Moting, und dann rückten eigentlich ziemlich viele Schalker Spieler schnell in den Dortmunder Strafraum vor, doch das ganz verlief sich im Sande. Über den recht passstarken Abwehrverbund kam Schalke eigentlich häufig zu guten Umschaltmomenten, bei denen sie über das schnelle Offensivquartett sehr schnell große Räume überbrücken konnten. Doch es fehlte die Zielstrebigkeit in den Aktionen, keine der vier Offensivkräfte ist ein strukturierender Spielertyp, auch ist Goretzka vom Spielertyp her eben kein kreativer Zehner Da auch das eigene Ballbesitzspiel gegen die Dortmunder 4-3-1-2-Defensive wenig Gefahr produzieren konnte, kam Schalke zu vielen Angriffen, aber relativ wenig Durchschlagskraft. Doch Schalke war nicht die einzige Mannschaft, die viele Konter in diesem Spiel einleitete.

In der 21. Minute passt Schmelzer gerade auf Dembélé (schwarze Linie), Caliguri und Stambouli rücken bereits auf ihn heraus. Dembélé gelingt es dennoch ein Zusammenspiel mit Castro einzuleiten, doch Schalke erobert den Ball. Eigentlich könnte jetzt ein Konter folgen, aber Dortmund hat als Linksverteidiger einen der spielintelligentesten Spieler Deutschlands. Wer würde darauf kommen, dass 20 Sekunden nach obiger Szene Schmelzer den Ball !im Zentrum! wiedererobert? Daraus entsteht dann die gefährlichste Dortmunder Chance der ersten Halbzeit – an deren Ende kann Kagawa gegen den am Boden liegenden Fährmann nicht einnetzen, da Coke ihn abdrängt. Das war die Hauptmöglichkeit für Dortmund zu Torchancen zu kommen: Gegenpressing, Balleroberung und dann umschalten. Auch Dortmund kam also über das Umschaltspiel, durch die größere Spielkontrolle eben einfach ein bisschen weiter vorne. Vor allem war Dortmund aber Schalke auch sehr im Gegenpressing überlegen. Das wurde von Schalke teilweise nur halbherzig umgesetzt, teilweise rückte man bei der eigenen Balleroberung viel zu aggressiv nach vorne und öffnete dadurch Räume für das Dortmudner Umschaltspiel. Eigentlich erstaunlich, dass Schalke hier leichte Schwächen offenbarte, denn gerade das Gegenpressing war diese Saison eigentlich häufig recht gut. Möglich, dass es sich dabei aber gar nicht so sehr um ein gruppentaktische Phänomen handelte. Was ich damit meine: eventuell, war im 5-3-2 das Verhalten der einzelnen Spieler im Gegenpressing gar nicht so gut, vielmehr sorgte das 5-3-2 mit der automatisch zentrumslastigen Staffelung einfach für sehr gute Voraussetzungen im Gegenpressing. Was auch immer die Ursache für dieses Schalker Problem war: es sorgte letztendlich dafür, dass Dortmund in den ersten siebzig Minuten zu mehr Chancen kam. Auch das 1:0 erzielten sie ja schließlich nach einem Konter im Anschluss an die erstee strittigen Szene im Dortmunder Strafraum.

Schalker Ballbesitzspiel

Von der grundlegenden Spielweise hat sich bei Schalke was die Offensive betrifft in den letzten Monaten eigentlich wenig verändert. Der Flügel wird überladen und im Zentrum gibt es Nachrückbewegungen. Daran änderte eigentlich auch der Formationswechsel nicht viel. Hauptunterschied ist, dass es jetzt eben mehr Spieler in vorderster Reihe gibt, aber die Außenverteidiger nicht mehr so extrem offensiv agieren können, an der grundlegenden Idee der Flügelüberladungen ändert das jedoch wenig. Ein Problem in diesem Spiel war allerdings vielleicht, dass durch die Doppelsechs Stambouli und Bentaleb jemand fehlte, der dann auch in den Rückraum nachsetzte. Insgesamt war aber auch, dass Dortmunder Defensivspiel zu gut, um aus den Flügelüberladungen wieder ins Zentrum zu gelangen. Das veranlasste dann Schalke, insbesondere Fährmann, zu vielen hohen Bällen. Meist rückte Schalke dabei gut auf, doch aufgrund der erwähnten Dortmunder Überlegenheit im Gegenpressing führten die langen Bälle im Anschluss meist zu Dortmunder Ballbesitz. Nach dem Treffer änderte sich logischerweise das Schalker Spiel ein bisschen, Weinzierl versuchte durch zwei Wechsel mehr Dominanz herzustellen. Meyer und Schöpf kamen für Stambouli und Coke.

Es gab dann durchaus ganz gute Ansätze, mehrmals kam Schalke in Strafraumnähe, mit Bentaleb und Meyer gleichzeitig auf dem Platz hat man gegen die meisten Gegner eine gewisse Grundkontrolle über das Spiel. Auch die Guerreiro Einwechslung konnte daran nichts ändern. Übrigens ein eindeutiges Zeichen, dass Tuchel Schalke hier nicht unbedingt den Ball überlassen wollte. So wirklich durchschlagskräftig wurde Königsblau jedoch auch nicht mehr, das Tor war ganz gut und gegen Ende gab es natürlich noch die strittige Elfmeterszene, doch es gab keine wirklich stark herausgespielte Topchance. Auch konnte Dortmund nicht wirklich konstant hinten rein gedrängt werden, sondern kam vielmehr zu einigen Kontern. Zum 1:1 hat es aber dennoch gereicht. Wie bewertet man das also?

Fazit – das glücklich unglückliche Unentschieden

Für mich war dieses Spiel weder Fisch noch Fleisch. Das Pressing war stark und sehr gut an Dortmund angepasst. Das Konterspiel litt auch unter den personalen Optionen und Entscheidungen, man kann hier Weinzierl auch keinen klaren Fehler unterstellen.Man war zwar leicht unterlegen, doch wären die beiden strittigen Situationen für Schalke entschieden worden, hätte man ein ganz anderes Spiel gesehen. Obwohl es einige interessante Aspekte gab war es kein Spiel, das mir Lust machte zu analysieren. Vielleicht löste es mir in ein bisschen das Schalker-Gefühl der letzten Jahre aus: Irgendwie ganz gut, ja gute Ansätze, das könnte was werden, diesmal könnte es echt was werden, oder doch nicht? Nee. Doch nicht. Für viele hat das Bremen-Spiel dieses finale „doch nicht“ vermutlich zwischenzeitlich noch einmal eingekreist und unterstrichen.

Elias

Elias

Anders als der durchschnittliche Taktikblogger, denn die Jungs von spielverlagerung sind größtenteils gute Fußballer, entspricht Elias tatsächlich dem Klischee. Ein eher unsportlicher Mensch, der selbst gar nicht sonderlich gut Fußball spielt. Während viele ja eher über die Liebe zum Fußball die Liebe zur Fußballtaktik finden, kam er von der Liebe zur Taktik zur Liebe zum Fußball. Bewusst, aktiv und begeistert verfolgt Elias „die schönste Nebensache der Welt“ erst seit sieben Jahren.

Wieso genau Elias als Taktik-Begeisterter ausgerechnet Fan des FC Schalke 04 wurde, das kann er auch nicht erklären. Vermutlich waren es die Leidenschaft der Schalker-Fankurve und das 5:2 gegen Inter Mailand.
Elias

Kategorie: Spielbericht

Überfallartige Kombinations-Konter. FC Schalke 04 – VfL Wolfsburg, 4:1 » « Gewonnen ohne zu siegen. Borussia Mönchengladbach – FC Schalke 04, 2:2

11 Comments

  1. Hi Elias, danke für die Analyse! Beziehst du das Schalker-Gefühl (‚doch nicht‘) auf die letzten beiden Spiele oder auf die gesamte Saison?

  2. Hi Elias, vielen Dank für deine Analyse. Auch ich habe mich gefragt, ob du das „Schalker Gefühl“ auf die Saison beziehst?

    • Elias

      6. April 2017 — 12:08

      Dann will ich die Frage mal beantworten: zunächst beziehe ich dieses Gefühl vor allem auf die letzten beiden Spiele (das Bremen-Spiel also eingeschlossen). Über die Saison will ich noch nicht urteilen. Ich traue Weinzierl und der Mannschaft weiterhin zu, die Saison sehr zufriedenstellend zu beenden.

  3. Vielen Dank! Macht immer Spaß Eure Analysen auf der Halbfeldflanke zu lesen!

  4. Hallo, Elias.

    Erstmal danke für deine Analyse, aber ein paar dinge sehe ich anders, zB das „starke Pressing“. Ich finde gerade dies ausbaufähig, genauso wie das „gute Aufrücken“.
    Beim Pressing finde ich die Abstände immer wieder merkwüdig. Teils resultiert dies sicherlich aus Stellungsfehlern der Spieler, aber oft genug erkenne ich keinen Sinn darin, warum ein luftleerer Raum gedeckt wird, um dann über 20Meter den Gegenspieler (erfolglos) anzulaufen. Das konnte zB gut bei den AV im 5-3-2 beobachtet werden.
    Das gute Aufrückverhalten habe ich auch nur zwischendurch aufblitzen sehen. Meist empfinde ich es als reine Standartvarianten (Mehrfachbesetzung der Flügel, DM/ZM rück zwischen IV/unterstützt die Aussen…) und oft als zu statisch, auch wenn bspw. Burgstaller immer wieder gute Ansätze zeigt, dies ist aber generell seinem Spielstil geschuldet. Hierzu gesellen sich noch teils groben Abstimmungsproblemen, wie bspw. einige Kontersitutionen in der letzten Zeit gezeigt haben.
    Auch wenn dies hier „nur“ ein Taktik-Blog ist, sollte auch erwähnt werden, dass MW in regelmäßigen Abständen beanstandet, dass die Spieler seine Ideen nur unzureichend umsetzen.
    Wobei es natürlich ein grundlegendes Problem der Analyse ist, inwieweit gewisse Sachverhalte der Vorgabe oder einzelner Spieler/ Mannschaft geschuldet ist.
    Insgesamt fehlt mir in dieser Saison ein sichtbarer roter Faden. Es scheint alles immer irgendwie Stückwerk zu sein, ob Spielsystem und Ausrichtung (bspw. aggressives Pressing, Kurzpassaufbau bei 3 IV+ Fährmann+starkes Gegenpressing und recht statisches Positionsspiel -> Bluthochdruck 😉 ), die Rolle der einzelnen Spieler (Kono, Geis, Stambouli etc) oder Standards (für mich absolut unverständlich, warum darauf anscheinend so wenig Wert gelegt wird, gerade bei der potentiellen Kopfballstärke und dem fehlenden MS für 7 Spiele).
    Was ich auch wirklich gar nicht verstehen kann, sind manche Wechsel und Umstellungen. Gegen Bremen wurde wieder die Old-School-Brechstange rausgeholt (Huntelaar+Burgstaller rein, Choupo+Meyer raus ), obwohl das Team Probleme hatte (sehr) gute Chancen herauszuspielen. Danach ging dann auch weniger und das nicht zum ersten Mal. Diese vermeintlichen Lösungsansätze sind ziemlich einfallslos und nicht sehr erfolgsversprechend, aber das weißt du sicherlich als Taktik- und Statistik-Nerd. 😉
    Nach 27 Spieltagen schaut es schon ziemlich mager aus- auch im Vergleich zu den letzten 10 Jahren. Schalke spielt ziemlich erfolglos und zeigt nicht viel mehr als biedere Standardkost, daran können auch die letzten Spiele nur noch wenig ändern oder ist es wirklich realistisch, dass jetzt der vermeintliche Knoten platzt? Bin schon ziemlich enttäuscht von dieser Runde und hab mir auch mehr von MW versprochen.

    • Elias

      6. April 2017 — 15:29

      Hallo Ulf!

      Danke erstmal für deinen ausführlichen Kommentar!

      Bei den Abständen beim Pressing müsste ich genauer schauen, was du zum Beispiel in dieser Partie meinst, um darauf richtig eingehen zu können. In Bezug auf die Außenverteidiger stimme ich dir glaube ich zu, in anderen Analysen hatte ich ähnliches auch schon angemerkt. Meinst du denn generell die Abstände der Spieler zueinander, oder zu den Gegenspielern?
      In Bezug auf den fehlenden roten Faden kann ich dir nur absolut zustimmen. Das ist sicherlich auch eine Hauptursache für das im Fazit beschriebene Gefühl. Bei den Wechseln kann ich zumindest teilweise zustimmen. Gegen Bremen war das ziemlich erbärmlich, Meyer einwechseln ist meist eine gute Idee, aber die andere Frage ist dann wiederum, wieso der nicht eh mehr spielt. Dass er dann ausgerechnet gegen Bayern ran soll ist auch ein bisschen bizarr. Konoplyanka war wenn er als Joker reinkam meistens (immer?) auch absolut grauenhaft eingebunden. Es gab aber auch recht interessante und sinnvolle Anpassungen, zum Beispiel das asymmetrische Pressing in dieser Partie. Ich fand auch nicht dass Geis generell schlecht eingebunden war. Bei Stambouli ist es so, dass er eigentlich eine passende Rolle hat, aber viel zu wenig gesucht wird.
      Ich würde dennoch die Saison nicht abschreiben, gegen Ajax sehe ich uns als Favorit und es wird sich zeigen, wie motiviert United die Europe League durchzieht. Auch der Abstand in der Bundesliga ist ja nach oben nicht gerade gigantisch. Nach unten aber eben auch nicht…

      • Hab bei meinem Kommentar etwas weit ausgeholt, wohl eher eine kleine Rückschau, als Konkretes zum vorletzten Spiel 😉

        Die Abstände zum Gegenspieler, aber auch zwischen den Mannschaftsteilen gefallen mir öfter nicht.
        Die Wechsel beim Spiel gegen die Nachbarn fand ich iO, wobei ich Coke nicht hätte beginnen lassen- zu großes Risiko meiner Meinung nach, eher Badstuber und Höwe auf aussen, so dass das MF risikoreicher agieren könnte (oder Riether? Keine Ahnung was mit dem ist).
        Die Wechsel gegen Bremen empfinde ich hingegen als katastrophal. Meyer und Choupo haben noch mit am meisten geholfen Chancen zu kreieren oder? Va wenn dann ein Sturm mit Huntelaar und Burgstaller, dazu noch ein kaum eingesetzter Kono spielt. Diese Form der Brechstange benutzt MW immer wieder, ohne Erfolg. Das Resultat ist doch meist, dass noch weniger und ungefährlichere Chancen erspielt werden. Auch hier fehlt mir der rote Faden: Auf der einen Seite werden die Spieler angehalten unter extremen Druck per Kurzpass sich von hinten rauszukombinieren (bei allem Respekt, aber das bei Höwedes, Nastasic,Fährmann(, ein grad wiedergenesener Badstuber)?), auf der anderen Seite forciert er selbst dieses Mittel immer wieder.
        Mit „eingebunden“ meine ich, dass manche Spieler ziemlich lange weg vom Fenster sind, kaum noch Spielzeiten erhalten (bspw. auch ein Huntelaar führ 2M bringen).
        Ajax kann ich gar nicht so recht einschätzen. Die haben eine tolle junge und talentierte Mannschaft, aber die niederländische Liga ist in den letzten Jahren nicht stärker geworden…
        Was das Saisonfazit angeht: Sicherlich können noch Ziele erreicht oder gar übetroffen werden (EL-Sieg), aber ein großteil der Saison ist vorbei, wir brauchen die Hilfe der anderen Vereine. Insgesamt hat sich nicht allzuviel zum Positiven verbessert. Beim Vergleich zwischen den ersten 10 Spielen der Hin- und Rückrunde wurden jetzt 2 Punkte mehr geholt. Was soll ich davon halten, es wurde doch immer darauf verwiesen, dass es nur an den ersten 5 Spielen lag oder an den MS (für 7 Spieltage), wobei diese Phase auch noch zu den besten gehörte. Es gibt jede Menge weiteres, wie Kader ist sehr jung (was sollen dazu Keller, Tuchel ua sagen?), so viele Verletzte (was nur bedingt zutrifft) oder Spieler XY baut mist. Insgesamt fehlt mir etwas Selbstkritik. Wenn nach einem 3/4 Jahr niemand so recht weiß, wo die Reise hingeht, wofür Schalke denn nun stehen soll (Heidels & MW Ankündigung zu Saisonbeginn) und auch rein punktetechnisch die schlechteste Saison seit 10, ggf. noch mehr Jahren gespielt wird, dann läuft doch einiges verkehrt.

      • …auch das Ausspielen von Kontersituation ist tlw. unterirdisch. Seit Saisonbeginn werden so oft Angriffe schlampig und langsam ausgespielt, dass nur in viel zu wenigen Fällen ein Erfolg resultiert. Manchmal glaube ich, dass die Spieler zum ersten Mal Fussball zusammenspielen.
        Btw: Über Standards hast du bisher noch nichts geschrieben oder?
        …So, jetzt reichts auch, bin noch etwas angefressen von gestern 😉

        beste Grüße

      • Elias

        6. April 2017 — 18:20

        Zu Standards habe ich tatsächlich noch nie was längeres geschrieben. Man muss dazu sagen, dass das hier ja erst mein vierter Artikel auf halbfeldflanke ist, wobei ich auch sonst kein Experte bin, was Standards betrifft. Ich weiß nicht, ob Karsten dazu mal was veröffentlicht hat.
        Ich würde sagen, dass Höwedes, Nastasic und Badstuber nicht unbedingt die falschen Spieler zum kombinieren sind, unter di Matteo hat dieser Aspekt auch mit den ersten beiden sehr gut funktioniert und Badstubers spielerische Qualitäten fand ich jetzt noch am Besten. Bei ihm war eher die Fitness das Problem.
        Bei den Wechseln sind wir ja was Bremen und Dortmund betrifft einer Meinung. Gegen Gladbach in der Europe League fand ich die Wechsel aber zum Beispiel gut gewählt. Wo genau die Probleme im Spielaufbau liegen ist ja schwer zu sagen. Wenn Weinzierl dann aber den Eindruck hat flacher Spielaufbau lässt sich momentan nicht implementieren, dann ergibt es ja durchaus Sinn, dass er auf hohe Bälle setzen lässt.
        Was das Pressing betrifft kann ich einer allgemeinen Kritik an den Abständen zu den Gegenspielern oder untereinander nicht zustimmen. Es gibt im Weinzierl-Pressing häufig auch einfach offen Räume die aber effektiv kaum bespielt werden können. Wir hatten trotz dem wechselhaften Gegenpressing, Personalproblemen, Ballverlusten im Aufbau und permanent fehlender Spielkontrolle bis zum letzten Spieltag drittbeste Abwehr der Liga. Das ist jetzt nicht einfach nur Zufall. Die Probleme liegen schon woanders. Damit möchte ich nicht sagen, dass es nicht auch Defensivprobleme gab. Gerade in Bezug auf die Außenverteidiger in der Fünferkette stimme ich dir zu.
        Ein Problem, das ich gerade mit Weinzierl habe ist, dass ich fürchte, dass der Wechsel zurück zur Viererkette Probleme eher kaschiert als behoben hat. Ingesamt ist meine Bewertung der bisherigen Saison vermutlich auch besser als deine. Es gab eben durchaus gute Spiele und auch durchgehende starke Aspekte. Deswegen könnte mit einem gelungenen Abschluss die Saison für mich immer noch durchaus eine ordentliche Saison werden.
        Ich glaube übrigens, dass es punktetechnisch gar nicht mehr die schlechteste Saison der letzten Jahre werden kann?

  5. Bei spielverlagerung gab es mal einen guten Artikel über die Standards von Atletico, fand ich interressant…
    Ich sehe in Höwedes und Nastasic keine schlechten Passspieler, doch auch nicht als ausserordentlich stark. Im Verbund mit Fährmann und gutem Pressing des Gegners fand ich es trotzdem schon mehrmals sehr „mutig“. Bei Badstuber sehe ich es wie du. Insgesamt hat Schalke im Buli-Vergleich schon sehr starke IV.
    Nicht das wir uns falsch verstehen, ich finde nicht alles schlecht oder kritikwürdig, nur manchmal (wie zuletzt gg Bremen) total unverständlich. Wenn ich mir nur mäßige Chancen herausspiele und dazu auch in den Kopfballduellen unterlegen bin, dann forciere ich dies doch nicht noch.
    Beim Thema Pressing bin ich tief zwiegespalten. Manchmal sehe ich richtig gute Ansätze (wie bspw. clevere Deckungsschatten), dann aber wiederum auch weite Abstände, offene Räume, Passivität etc . Ich weiß bis heute nicht, wie und was MW eigentlich spielen lassen will, es schaut irgendwie halbgar und wechselhaft aus, zudem setzt die Mannschaft offenbar nicht oft genug die Vorgaben um. Hierzu gab es im Laufe der Saison mehrere Aussagen von Trainer, Spielern und Manager, die mich verwundert haben (Vllt. sich manche auch überfordert oder sehen andere Wege als die besseren an?).
    Ich denke auch, dass die 4er-Kette nicht die Probleme löst, sondern kaschiert. Auch im Spiel mit 3 IV gibt es genug Optionen, bspw. ein ~3-4-3, ähnlich wie die Nachbarn oder Chelsea. Hier Frage ich mich aber, warum bspw. gegen Gladbach (1/3) das Flügelspiel so schwach besetzt war bzw. es bei nötiger Verschiebung viel zu wenig Gefahr in Torraumnähe entstehen konnte, obwohl MW den Fokus genau dadrauf gelegt hat. Gegen Gladbach 2/3 + 3/3 wurde umgestellt- mit Erfolg.
    Die Defensive an sich war jetzt auch in den letzten Jahren nicht das größte Sorgenkind und wenn man dabei die 5-3-2 Ordnung, das oftmals wenig aggressive Pressing und unsere mittelprächtigen Torerfolge hinzuzieht, relativert sich das auch oder?
    Das Thema Personalprobleme wird mir persönlich viel zu hoch gehangen. Die langen Ausfallzeiten von Embolo und Coke waren sehr schade, aber auch andere Vereine haben mit tlw. noch gravierenderen Ausfällen zu kämpfen. Was soll denn ein Breitenreiter, Keller oder auch Tuchel dazu sagen?
    Abgesehen von der Magath-II-Saison (1 Punkt mehr) ist das klar die schwächste Saison seit 10 Jahren. Wenn man dazu noch bedenkt was für ein Theater und Unruher hier tlw. herschte, was für eine Vielzahl an Ausfällen zu verkraften war und mit was für einer jungen Mannschaft gespielt worden ist, schaut diese Saison, auch unter Berücksichtigung der Verpflichtung von neuen Spielern (Wert/Ausgaben und Alter/Erfahrung) sehr schmeichelhaft aus- das verneinen auch MW und Heidel nicht. Heidel hat auch mehrmals selbst geäußert, dass diese (BuLi-)Saison ziemlicher murks ist.
    Meinetwegen gibt es auch einige Gründe die dazu beigetragen haben, dass es nicht so läuft, aber die Menge und Art von Schludzuweisungen und die geringe Selbstkritik nervt mich. Erst waren es die 5 Spiele zu beginn (zur RR haben wir 2(!) Pkt. mehr), dann ein nie dagewesenes Verletzungspech (7 Spiele kein klassischer MS; Choupo,Meyer,Kono,Schöpf,Gore,Avdijaj,Bentaleb, ua,Jugendspieler fit; was sagen dazu wohl andere Teams und Ex-Trainer?). Dazu kommen individuelle Fehler, die es ja tatsächlich gibt, aber normalerweise sollte ein Team nicht auseinanderfallen, wenn ein Spieler Mist baut. Da gefallen mir Aussagen von Nagelsmann und Schmidt besser, sinngemäß: „Wer mutig spielt, wird belohnt“ oder „Spieler dürfen und sollen Fehler machen, es kommt auf die Absicherungen an“. Abgesehen vom teils sehr statischen Spiel hat Schalke nicht allzuviele kreative Spieler, diese sollten, meiner Meinung nach, viel mehr Freiheiten bekommen, d.h. auch risikoreicher spielen dürfen. Man kann viel mit Verschieben, Taktik, Ordnung und Ausrichtung argumentieren, aber ein Bestandteil des erfolgreichen Fussballs ist auch Spontanität, Kreativität und eine gewisse Risikobereitschaft, dies fehlt mir bei Schalke sehr. Mal ganz abgesehen davon, dass es auch nach über 40 Spielen nicht möglich scheint, einen einfachen Konter auszuspielen. Hier möchte ich einmal anmerken, dass bis auf Kehrer und mit ganz großen Abstrichen Avdijaj, Embolo (kaum Einsätze, schwächere Liga) und tlw. Bentaleb (lange Verletzung), kaum Spieler zum Einsatz kommen, für die BuLi-/Profi-Niveau etwas neues ist. Kaum ein anderes Schalke-Team der letzten Jahre hatte so viel Erfahrung (und ein höheres Alter) wie diese.

    • Elias

      7. April 2017 — 17:21

      Zu dem Aspekt mit der Umsetzung taktischer Vorgaben und warum gerade das momentan so ein großes Problem ist hätte ich eine These, aber die werde ich wenn dann nochmal in einem Extra-Artikel darlegen.
      Ich verstehe deinen Punkt mit der Selbstkritik nicht so richtig. Du schreibst doch „das verneinen auch MW und Heidel nicht. Heidel hat auch mehrmals selbst geäußert, dass diese (BuLi-)Saison ziemlicher murks ist.“ also gibt es da doch eigentlich recht viel Selbstkritik, oder?
      Die schwächste Saison finde ich halt albern, bevor die Saison um ist. Dass Magath II noch schlechter war hast du ja schon eingeräumt. Sollten wir tatsächlich ins Europe league Finale kommen und noch irgendwie 6./7. werden, und dabei guten Fußball geboten bekommen, dann würde ich das absolut als eine bessere Siasion bezeichnen als die Letzte. Ich glaube die Leute haben auch so ein bisschen den Murks der letzten zwei Jahre vergessen. Ich mag wahretabelle.de zwar nicht wirklich, doch es ist auch nicht völlig substanzlos, dass die uns dieses Jahr im Moment auf Platz 6 haben, während wir dort in den letzten Jahren immer schlechter wegkamen.
      3. Diese generelle Dichotomie von Kreativität vs Ordnung finde ich persönlich sowieso unzutreffend. Es gibt ganz wenig Fälle wo da wirklich ein Widerspruch besteht. Was passiert wenn wir ohne Ordung spielen sieht man regelmäßig in unseren großartigen Schlussphasen. Da hat auch jeder seine Freiheit und macht konsequent unkreativen Schwachsinn.
      Unterm Strich würde ich aber vor allem einfach den Rücklick auf das Ende der Saison zu verschieben. Als Momentaufnahme könnte man auch sagen, dass wir, wenn die Leistung gegen Bremen der Standard der nächsten Wochen wird, auch noch absteigen könnten.

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