Halbfeld­flanke

Schalke am Rande des Nervenzusammenbruchs. SV Darmstadt 98 – FC Schalke 04, 2:1

Ein Auswärtsspiel gegen Darmstadt krönt eine enttäuschende Woche. Jetzt weiß niemand so richtig, was da eigentlich passierte und erst recht nicht, wie es weitergehen soll. Doch wenn auch alles anderen zusammenbricht, halbfeldflanke ist mit der Analyse zur Stelle! Weinzierl setzte auf eine Elf mit vielen Ersatzspielern, Darmstadt-Trainer Frings brachte Ex-Schalker Platte im Sturm und dahinter eine recht offensive Truppe. Schalke machte von Anfang an Druck, war aber immer nur für kurze Phasen richtig dominant.

Als ich unsere Aufstellung las hatte ich sofort eine ungefähre Vorstellung, wie unser Spiel aussehen könnte. Geis würde sich zwischen die Innenverteidiger fallen lassen, die würden dann auffächern, die Außenverteidiger würden sehr weit aufrücken, Meyer würde aus dem Zehnerraum sehr viel in den Achterraum gehen, um Goretzka bei der Anbindung nach vorne zu unterstützen. Caliguri würde sich eher auf rechts halten, Avdijaj viel in den Zehnerraum gehen und Burstaller zwischen linkem Flügel und Sturmzentrum hin- und herpendeln. Damit müsste man eigentlich im Stande sein Darmstadt nach hinten zu drängen, Torgefahr müsste man eigentlich auch entwickeln, es war zwar eine Mannschaft mit vielen Ersatzspielern, aber durchaus keine schwache Truppe. So weit so gut. Was mir Sorgen machte war die defensive Absicherung, sowohl in Bezug auf die völlig neu zusammengewürfelte Viererkette, als auch auf Geis, der defensiv nicht immer die sinnvollste Entscheidung trifft, was nicht gerade stabilisierende Wirkung hat. Nun zu dem, was wir tatsächlich zu sehen bekamen.

Schalke mit Ball – Flügelüberladungen und Kombinationen

Prinzipiell machte Schalke am Ball ungefähr das, was ich erwartet und oben umrissen habe. Allerdings häufig etwas inkonsequent und nicht perfekt abgestimmt. Immer wieder standen die Außenverteidiger auch in Situationen recht tief, in denen Darmstadt sich bereits in die eigene Hälfte zurückgezogen hatte. Dadurch spielte sich Schalke recht häufig den Ball vor der gegnerischen Formation hin und her. Geis versuchte dann häufig das Spiel durch Verlagerung schnell zu machen, das ist aber nur bedingt wenn der Gegner nicht zuvor auf eine Seite gezogen wird und woanders dadurch Raum frei wurde. So passte Schalke teilweise immer wieder undynamisch hin und her, Geis bot sich sehr aufdringlich an, blockierte dabei auch manchmal die Passwege seiner Mitspieler und spielte dann die  hohe Verlagerung, die aufgrund der längeren Flugzeit des Balles dem Gegner das Verschieben aus seiner geordneten Formation heraus sogar eher einfacher machte. Über die Flügelüberladungen und das andauernde Rochieren in der Offensive kam man dennoch immer wieder in Tornähe. Durch die Spielerwahl entstand sehr viel Dynamik, Avdijaj drang immer wieder vom Flügel ins Zentrum ein, Goretzka war diesmal wirklich überall zu finden, tauchte sowohl links als auch rechts von Geis auf und drang immer wieder von der Acht mit Läufen in Strafraumnähe vor. Burgstaller war gewohnt agil und Meyer unterstützte immer wieder im verwaisten Achterraum. Allerdings können an dieser Stelle zwei problematische Aspekte nicht unerwähnt bleiben. Zum einen gab es teilweise wirklich extrem viele weiträumige Freilaufbewegungen, gegen einen, in der eigenen Hälfte (zum Angriffspressing der Darmstädter kommen wir noch), recht passiven Gegner. Das wirkte ein bisschen so, als hätte man sich in den Tagen davor eher auf ein Mittelfeldduell mit aktivem und aggressivem Pressing vorbereitet. Vielleicht gegen ein gewisses Amsterdam. Zum anderen war der Flügelfokus in den Bewegungen der Spieler etwas zu stark. Teilweise fanden Caliguri, Coke, Goretzka und Burgstaller auf dem rechten Flügel zu einem Durchbruch, von dem jedoch im Zentrum eigentlich nur Avdijaj profitieren konnte, der Junge ist zwar gut, aber alleine kann er sich auch nicht gegen die Darmstädter Abwehr durchsetzen. Die besten Szenen hatte Schalke eigentlich, wenn sie entweder nach Durchbrüchen am Flügel genug Spieler im gegnerischen Strafraum hatten oder vom Flügel noch in einer früheren Phase den flachen Pass auf Meyer und Avdijaj fanden, die dann über das Zentrum in den Strafraum eindrangen. Auch Standards waren in dieser Partie ein valides Mittel für die Schalker Offensive, sowohl quantitativ als auch qualitativ.

Im letzten Absatz ging ich näher auf das Schalker-Offensivspiel in der Darmstädter Hälfte ein, doch ich habe auch schon auf das Darmstädter Angriffspressing angespielt. Wie das genau aussah, und wie Schalke damit umging, wollen wir uns mal anhand einer Szene aus der fünften Minute näher anschauen.

Wiedermal eine etwas chaotische Grafik mit vielen Linien und Zahlen, aber eigentlich recht einfach, wenn man alles der Reihe nach durchgeht. Die schwarzen Linien stellen immer Schalker Pässe und Laufwege dar, die roten Linien sind die Darmstädter Laufwege, die Szene beginnt bei Fährmann. Der wird von Gondorf angelaufen, der zuvor Kehrer bedrängte, (rote Linie 1) bewahrt die Ruhe und wählt den sinnvollen Pass auf Geis (schwarze 2). Der kann sich nicht drehen, da Altintop ihn sofort bedrängt (rote 2) und spielt darum einen halbhohen Pass auf den vorrückenden Kehrer (schwarze 3). Vrancic stößt schon im Moment von Geis‘ Ballannahme nach vorne und übt durch sein aggressives Anlaufen Druck auf Kehrer aus, versperrt aber auch den Pass auf Coke – Darmstadt drängt die Schalker ins Zentrum. Kehrer muss dann auch den Pass auf Goretzka wählen (schwarze 4), auf den sofort Altintop und Kumavuaka zustürmen (die beiden roten 4en). Altintop versperrt ihm dabei die Kombination mit Geis und Kumavuaka macht den Pass auf Coke schwierig, den Goretzka jedoch dennoch schafft (schwarze 5). Kumavuaka dreht ab und sucht auch Coke unter Druck zu setzen (rote 5), doch der löst sich mit dem Dribbling nach vorne (schwarze 6). Man kann an dieser Szene einige typische Aspekte des Duells zwischen Schalker Spieleröffnung und Darmstädter Angriffspressing erkennen.

Darmstadt ging nicht andauernd ins Angriffspressing, aber wenn, dann sehr konsequent. Mit längeren Aufbausituationen konnten sie auseinandergezogen werden, doch im Prinzip waren auch die Folgebewegungen nach Anlaufaktionen konsequent. Im tiefen Spielaufbau ließ sich Geis eigentlich nie zwischen die Innenverteidiger zurückfallen. Dadurch hat man mehr Anspielstationen im Zentrum und da sich weniger Spieler auf einer Linie befinden, können die Schalker schlechter voneinander abgeschnitten werden. Außerdem blieb zumindest einer der Außenverteidiger zurück, um eine weitere tiefe Option auf außen anzubieten, es ergab sich also gerne eine Art schiefes 3-3, bei dem aber auch die beiden Dreierreihen nicht einfach in zwei horizontalen Linien organisiert waren und die beiden Sechser Goretzka und Geis sich viel bewegten. Aogo und Coke sind auf Grund ihrer Spielintelligenz ganz gut für diese Rolle geeignet. Auch Kehrer und Badstuber können einen ruhigen Ball spielen. Die Rollenverteilung passte also, ebenso die Positionierungen und auch ausgespielt wurden diese Situationen meist sehr gut. Die Schalker vertrauten auf ihre Mitspieler und lösten sich ein ums andere zwar manchmal etwas hektisch, aber recht sicher aus diesen Situationen. Ein ganz besonderes Lob möchte ich da an Fährmann aussprechen, der die spielstärkste Leistung seiner Karriere ablieferte. Nur in ganz wenigen Situationen folgte der hohe Abschlag, meist spielte er sinnvolle flache Pässe ins Zentrum. Zwei Aktionen blieben mir besonders im Gedächtnis: in der 52. sind die Schalker Innenverteidiger zugestellt und ein Darmstädter hat den zurückgefallenen Aogo eigentlich in den Deckungsschatten und marschiert auf unseren Torhüter zu. Doch der spielt einfach einen Pass hinter Aogo, den der erläuft und sich dann gut nach vorne drehen kann – die Pressingszene wird über das Zentrum aufgelöst. In der ersten Halbzeit leitete er wiederum durch einen schönen flachen Blitzabwurf in die Tiefe einen sehr guten Angriff ein, der leider nur zu einer sinnlosen Avdijaj-Flanke führte. Ähnlich ging es übrigens auch mit obiger Szene weiter, über schöne Pässe von Caliguri und Meyer fand der Schalker Angriff seine Ende in einem verfrühten Schuss von Avdijaj. Der wirkte überhaupt etwas überdreht. Seine Positionierungen waren sehr gut und viele seiner Aktionen waren zielgerichtet und prinzipiell sinnvoll, doch es wirkte ein bisschen so als wollte er dem Spiel zwanghaft seinen Stempel aufdrücken. Positiv könnte man auch sagen, dass er in einer schwierigen Situation offensive Verantwortung übernehmen wollte. Doch dafür ist er einfach noch zu jung und ungefestigt, was ihn dann eher überhastet werden ließ. Eventuell ein hausgemachtes Schalker Problem, wenn wir immer wieder erwarten, dass unsere Jugendspieler den Karren aus dem Dreck ziehen.

Was kann man also zusammenfassend über unser Offensivspiel in der ersten Halbzeit sagen? Schalke erspielte sich eigentlich genug Chancen für den Ausgleich, war zwar nicht die gesamte Zeit über am Drücker, aber abseits vom Darmstadt-Tor bei den Schüssen wirklich lächerlich überlegen. Zwei Probleme waren in der ersten Hälfte jedoch neben der eventuell psychologisch bedingt schlechten Chancenverwertung erkennbar:

  1. Die merkwürdigen Positionierungen in der Darmstädter Hälfte, sowohl die etwas zu tiefen Außenverteidiger als auch das zu extreme Überladen der Flügel mit fehlender Zentrumsbesetzung.
  2. Das überhastete Ausspielen der Angriffe, besonders durch Avdijaj, und das überdrehte Rochieren.

Besonders das tiefe Aufbauspiel zeigte sich jedoch verbessert. Es bleibt die Frage, wie sehr dazu die etwas spielstärkere Innenverteidigung beitrug und wie sehr der Effekt mit anderer Besetzung reproduzierbar ist. Tendenziell war jedoch auch das Zusammenspiel verbessert und nicht nur die individuelle Leistung. Eine Weiterentwicklung, denn gegen hohes Angriffspressing hatte Schalke immer wieder sehr große Probleme, diese Verbesserung ist besonders im Moment sehr erfreulich, denn alle momentan angesetzten Gegner kommen sehr stark über ihr Angriffspressing. Gegen Hamburg, Ingolstadt, Leipzig, Freiburg und auch Ajax könnte eine verbesserte Spieleröffnung essentiell sein. Es drängt sich jetzt natürlich die Frage auf, inwiefern Darmstadt hier ein geeigneter Gradmesser der Schalker Leistungsfähigkeit ist. Ich würde da allerdings anmerken, dass ihr Angriffspressing eigentlich eine der Stärken der Darmstädter ist. Probleme haben sie eher in ihrer teilweise etwas laschen tiefen Verteidigung und im Angriffsspiel. Darmstadt schießt einfach fast keine Tore. Was uns zum nächsten großen Abschnitt dieses Artikels führt.

Schalke ohne Ball – Probleme mit Darmstadts langen Bällen

Richtigen Spielaufbau gab es bei Darmstadt in dieser Partie nicht. Eroberte man im Mittelfeld den Ball, so wurde ganz manierlich versucht, fußballerische Lösungen zu finden und sogar ein bisschen zirkulieren zu lassen, doch gerade in der Spieleröffnung ging es meistens lang nach vorne. Die Strategie bestand darin, lange Bälle auf Gondorf und Platte zu spielen, die dann auf Heller ablegten. Eigentlich das altbekannte Darmstädter Offensivspiel. Erstaunlicherweise spielte das Schalker Spiel diesem Vorgehen sogar entgegen. Schalke ging immer wieder ein sehr aggressives Angriffspressing, bei dem sehr viele Spieler rausrückten und der Bereich vor der Abwehr eher unbesetzt blieb. Warum? Darmstadt hat sowieso nicht versucht flach hinten raus zu spielen! Das einzige was man so erreichen konnte, war lange Bälle zu erzwingen, die Darmstadt aber sowieso spielen würde! Dafür machte man natürlich durch das aggressive Rausrücken der eigenen Abwehr die Arbeit auch nicht leichter. Die Abwehr hatte zuvor noch dazu in dieser Konstellation noch nie zusammengespielt und Kehrer war bis jetzt nur Innenverteidiger in der Fünferkette gewesen, eine nochmal etwas andere Aufgabe.

Ein langer Ball fand seinen Weg zu Gondorf, den Badstuber von hinten bedrängt. Es ist natürlich sinnvoll Gondorf in dem Moment zu bedrängen, doch die Frage ist wirklich, ob Badstuber in der Situation der richtige dafür ist. Aogo würde sich vermutlich gegen Gondorf nicht im Kopfballduell durchsetzen, aber könnte ihn dennoch bei der Ballannahme behindern und Badstuber und Kehrer würden deutlich kompakter stehen und könnten sich zusammen um den blitzschnellen Heller kümmern. Auch Goretzka könnte auf Gondorf gehen. Geht aber nun Badstuber ins Kopfballduell, dann sollten doch Aogo oder Geis die Nähe zu Kehrer suchen und dadurch die Abwehrkette stabilisieren. Eventuell hing dieses Fehlverhalten beim Aufrücken auch mit Mechanismen zusammen, die noch aus der Fünferketten-Zeit stammen. Besonders die Positionierung von Geis in dieser Szene ist sehr merkwürdig.Eein Sechser sollte meiner Meinung nach nicht zulassen, dass der Außenverteidiger so völlig von der restlichen Abwehr abgeschnitten ist – im Prinzip ist die Kette hier so löchrig, vor allem, da Kehrer gerade mit Heller mitgeht und sich somit noch mehr von Coke weg- und auf Aogo zubewegt, dass es fast nur noch drei einzelne Spieler sind, die einfach irgendwie versuchen müssen, zu verteidigen. In dieses marode Konstrukt sprinten dann nach Gondrofs Ablage Heller, Platte und Vrancic, die beiden letztgenannten in einen Raum, an den eigentlich nur noch Coke rankommt. Folgerichtig kommt es zu einer richtig guten Chance und der 1:0 Führung für Darmstadt.

Diese merkwürdige Abstimmung in der Abwehr gab es auch in anderen Situationen zu sehen, gegen Ende der ersten Halbzeit rückt Kehrer einmal sehr aggressiv auf Gondorf hinaus – hätte er sich da nicht durchgesetzt wäre eine fast noch krassere Szene zustande gekommen. Wobei an der Szene auch wieder nicht nur Kehrer alleine schuld war. Abgesehen von solchen Situationen blieb Darmstadt aber insgesamt eher ungefährlich. Es gab einige Situationen in denen Darmstadt sich tatsächlich in der Schalker Hälfte festsetzen konnte, aber ohne wirklich gefährlich zu werden. Schaut man sich das ganze Spiel an, so waren Darmstadts einzigen wirklich gefährlichen Chancen die beiden Tore, von denen das spätere aus einem Standard und Schalker Unterzahl resultierte und das andere nur dank der Schalker Defensivprobleme möglich wurde. Alles selbstverschuldet muss man da ganz klar sagen, auch Kehrers Foul wäre nicht nötig gewesen. Ob man jetzt einen jungen Spieler, ohne wirkliche Not, für achtzig Minuten, mit so unpassender Ausrichtung, auf ungewohnter Position, und in einer völlig neu formierten Abwehr spielen lassen muss, oder ob man damit solche Aussetzer nicht selbst vorprogrammiert, ist dann nochmal eine ganz andere Frage. Ob man sich dann wundern muss wenn Spieler wie Draxler aufgrund von zu großem Leistungsdruck den Verein verlassen, wäre dann noch eine weitere Frage.

Die zweite Halbzeit – noch mehr Schüss neben das Tor

Auch wenn Weinzierl wie so häufig zur Halbzeitpause keine Spielerwechsel vornahm, so wurde anscheinend doch an einigen taktischen Drehschrauben gedreht. Wenn Geis abkippte standen die Innenverteidiger nun breiter und die Außenverteidiger höher. Außerdem wurde das Flügelspiel noch mehr fokussiert. Nicht unbedingt im Spielaufbau oder in der eigenen Hälfte, sondern wenn es aufs gegnerische Tor zuging. Vorhin hatte ich ja sogar geschrieben man hätte die Flügel in der ersten Halbzeit zu stark überladen. Ich meinte damit, dass man in manchen Situationen zu viele Spieler auf einem Flügel versammelt hatte und dadurch nicht mehr genug Abnehmer im Zentrum. Das Zentrum wurde allerdings in der ersten Halbzeit auch sehr häufig bespielt. In der zweiten Halbzeit war es nun so, dass die Flügel noch konsequenter im letzten Angriffsdrittel bespielt wurden, aber man gleichzeitig bemüht war, das Zentrum zu besetzen.  Avdijaj wurde in dieser neuen Konstellation etwas unpräsent. Er ist nicht so der passende Abnehmer für Flanken und sonderlich viel Zentrumsspiel in Strafraumnähe gab es nicht. Darum viel er eigentlich nur ein bisschen beim Auflösen von Darmstädter Angriffspressingsituationen auf und in einer Situation in der er bei ziemlich offenem Weg ins Zentrum trotzdem den Flügel bespielen wollte. Folgerichtig wurde er ausgewechselt. Insgesamt war er ein Aktivposten und ließ in vielen Situationen seine Gefährlichkeit aufblitzen. Ich bin ziemlich sicher, dass er mit regelmäßigen Einsatzzeiten schon einige sehr starke Spiele abgeliefert hätte. In der neuen Spielausrichtung war er jedoch einfach nicht mehr passend.

Danach folgte nun die Umstellung auf ein 4-4-2 mit di Santo und Burgstaller als Sturmduo und Meyer und Caliguri als Flügelzange. Meyer agierte hier sehr flexibel, brachte Laufwege diagonal hinter den Außenverteidiger, ging in den offensiven oder defensiven Halbraum, und stieß ins Zentrum vor. Burgstaller und di Santo sind für solche Flügeldurchbrüche ein sehr passendes Duo. Darmstadt hatte schon zur Halbzeit defensiv gewechselt und brachte nun mit Rosenthal für Platte nochmal einen sehr defensivstarken Zehner, der sehr gut geeignet ist, um Führung über die Zeit zu bringen, da er durch seine Fähigkeiten auch ganz gut Bälle halten und einen Konter am Leben erhalten kann. Wirklich entscheidend konnte Darmstadt sich dadurch allerdings nicht stabilisieren. Folgerichtig entwickelte Schalke dann auch konstant Torgefahr und erarbeitete sich dadurch die Möglichkeit einen Elfmeter zu erschießen und ein Tor.

Bentaleb ist hier bereits für Geis eingewechselt worden. Vermutlich hätte Geis hier den gleichen Pass gespielt, aber eventuell noch mehr in den Raum links von Aogo, während Bentaleb eher den Raum vor Aogo anspielte. Geis spielt mit den Verlagerungen eher um die Formation herum, Bentaleb versucht gleich so zu passen, dass der Angriff eingeleitet wird. Hier war das sehr passend, Heller ist nicht so ganz konzentriert und die Darmstädter Mannschaft als Ganzes noch mehr zur linken eigenen Defensivseite verschoben. Aogo kann darum bequem den Ball annehmen und dann auf den in den freien Raum stürmenden Meyer passen. Er vorderläuft dann Meyer und der bedient ihn. Eine kurze Flanke gegen eine überlastete Darmstädter letzte Defensivreihe folgt und Coke netzt ein. So schön kann Flügelspiel sein, wenn man aggressiv passt, die Halbräume nutzt und nicht nur immer hinterläuft. Was danach passierte war insgesamt sehr viel Chaos und sehr wenig Plan.

Fazit zum Darmstadt-Spiel

Die rote Karte hätte sich Kehrer nicht abholen müssen, in der Mitte war eigentlich niemand von Darmstadt mitgelaufen und Fährmann wäre an den Ball eventuell sowieso einfach rangekommen. Die taktischen Probleme der ersten Halbzeit konnte Schalke allerdings in der zweiten größtenteils beheben, wenn auch vielleicht manchmal auf eine etwas plumpe Weise. Das Angriffspressing und überhaupt die Verteidigung gegen lange Bälle war der größte Fehler den ich von Weinzierl bis jetzt gesehen habe, doch auch das wurde in der zweiten Halbzeit eingestellt. Man war – wie so häufig diese Saison – das bessere Team. Deswegen denke ich auch weiterhin, dass in dieser Saison wichtige Grundsteine gelegt wurden. Verpasst man das internationale Geschäft, was im Moment zugegebenermaßen sehr wahrscheinlich ist, dann ist das aber vielleicht einfach egal, weil wir uns in so einer Situation vermutlich vom Trainer und von essentiellen Teilen der Mannschaft verabschieden müssen.

Will ich nun etwa argumentieren, dass die Leistung gegen Darmstadt ausreichend war? Nein. Die Konzentration war nicht auf einem Level, das einem Bundesliga-Spiel angemessen wäre. Es gab keinen Grund den Darmstädter überhaupt irgendwelche offensiven Möglichkeiten zu gewähren. Das ist umso schmerzhafter, weil der Hauptgrund für die Schalker Problem die strategisch merkwürdige Defensivausrichtung war, die mir ein bisschen den Eindruck gab, dass im Training in den Vortagen vor allem Aspekte trainiert wurden, die für das Spiel gegen Ajax relevant sein würden und die Spieler diese Abläufe ein bisschen zu sehr in diesem Spiel fokussierten. Das bringt uns zum letzten Teil dieser Analyse.

Ausblick auf die Eurofighter

Am Donnerstag geht es wieder Ajax. Eine Analyse zum Hinspiel hat es bei uns nicht gegeben, dafür gibt es hier eine kleine Vorschau. Dafür gibt es erst nochmal kurz was zu den Kernproblemen im Hinspiel und dann zur Frage, was Schalke im Rückspiel noch leisten könnte.

Zunächst möchte ich hier mit einer kleinen Abbitte beginnen: ich habe Ajax sträflich unterschätzt. Das letzte Mal, dass ich die mal hab spielen sehen war recht lange her und ich hätte vom Hörensagen mitbekommen, dass sie gar nicht so gut sein. Was für ein Irrtum. Letztendlich war uns Ajax eigentlich in allen Spielphasen überlegen. Eine ziemlich ernüchternde Angelegenheit. Wie soll man bei dieser Ausgangsposition das Spiel doch noch drehen? Schalke tat sich in der Spieleröffnung gegen das Angriffspressing von Ajax sehr schwer, Schalke wurde im Mittelfeld dominiert, Schalke schaffte es zu keinem Zeitpunkt Ajax in ihrem Aufbau zu stören. Das ist nahe an einem Totalausfall. Allerdings war Schalke in Anbetracht der Überlegenheit von Ajax noch relativ gut in der Endverteidigung (bis auf Kehrer) und Ajax wirkte selbst nicht hundertprozentig sicher in den Szenen in der Nähe des eigenen Strafraums. Dennoch stellt sich die Frage, wie man mit den drei angeführten Problemfeldern umgeht. Man muss entweder versuchen Amsterdam in diesen Aspekten doch noch zu dominieren, oder dafür zu sorgen, dass sie für das Spiel nicht so relevant werden.

Im Fazit zum Darmstadt-Spiel habe ich ja schon geschrieben, dass ich das Gefühl hatte, Weinzierl hätte in den Tagen zwischen dem Ajax- und dem Darmstadt-Spiel vieles im Training fokussieren lassen, was eher fürs Ajax-Spiel hilfreich sein würde. Beginnen wir mit dem Pressing. Im Hinspiel versuchten die Schalker ja eher ein Mittelfeldpressing, mit dem sie aber nicht so wirklich Zugriff bekamen. Gegen Darmstadt zeigte Schalke dafür wieder mehr Angriffspressing, dass etwas anders und gerade in der zweiten Halbzeit deutlich strukturierter wirkte.

In Schwarz sehen wir zunächst die potentiellen Pässe, die sich Darmstadts Sulu bieten, der den Ball hat (schwarzer Punkt), und dann auch die Zugriffsmöglichkeiten der Schalker Spieler (rote Linien).  Meyer lief im Moment des Passpiels auf Sulu bogenförmig an (rote Linie) und zwar so, dass er sich aus dem Zentrum erstmal so orientiert, dass er den Passweg auf den Außenverteidiger zumacht. Wenn Sulu den Ball bekommt, hat Meyer dann mindestens den Pass auf die Außen unmöglich gemacht, und relativ schnell auch den ballnahen Sechser Kumavuaka in seinen Deckungsschatten genommen. Von der Staffelung her steht Schalke hier in einer Art 4-1-3-2 das auch sehr gut passen würde, wenn Bentaleb statt Geis den Sechser gibt, dann sogar noch flexibler ausgelegt werden könnte. Beim Pass auf den Innenverteidiger kann Burgstaller sofort Druck ausüben (rote Linie), wobei er dann auch so anlaufen könnte, dass er wieder nach innen lenkt, oder er könnte auf die andere Seite lenken. Spielt Sulu ins Zentrum können Caliguri und Burgstaller Druck auf ihn ausüben, Goretzka kann sich dazu gesellen, oder sich bereit machen, Kumavuaka zu bedrängen, Meyer kann sich auch noch ins Zentrum bewegen und Darmstadt droht der Ballverlust. Der Sechser, der sich nach hinten orientiert, kann beliebig hinter der vorderen Pressinggruppe hin und her verschieben und so die Lücken stopfen.

Gegen Darmstadt funktionierte das ja insgesamt nicht so gut, da die einfach stattdessen lange Bälle spielten, allerdings ist Ajax nun wirklich nicht auf den Kampf um lange Bälle eingestellt. Mit diesem Pressing könnte man Ajax entweder ein bisschen auf eine Seite festnageln und dann dorthin verstärkt verschieben, oder man könnte Solosechser Donny van de Beek unter einen enormen Druck setzen. Der ist zwar ziemlich gut, aber nicht Sergio Busquets. Interessanterweise kam das nach innen lenkende Anlaufen vor allem bei Meyer vor, was auch Sinn ergeben würde, wenn man den in tiefen Zonen sehr spielstarken Veltman aus dem Spiel nehmen möchte. Die linke Offensivseite ist jetzt auch nicht ohne, aber nicht so gut darin, das Spiel ins letzte Drittel zu tragen. Hier sehe ich Potential. Auch auf der Leistung gegen das Darmstädter Angriffspressing kann man aufbauen. Das von Amsterdam ist noch ein bisschen besser, aber die Konsequenz mit der Schalke gegen Darmstadt auf den langen Ball verzichtete und spielerische Lösungen suchte, spricht dafür, dass sie das im Training sehr fokussiert haben und dann eventuell auch gegen Amsterdam zeigen wollen. Ich bin zumindest der Meinung, dass man sich in diesen beiden Bereichen besser präsentieren wird als im Hinspiel.

Schwieriger gestaltet sich der Umgang mit dem Kampf ums Mittelfeld. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Schalke es schafft hier Ajax im mannschaftlichen Verhalten überlegen zu sein. Und gleichzeitig können sich die Königsblauen eigentlich nicht leisten, auf die Spielkontrolle zu verzichten: sie müssen mindestens zwei Tore schießen und können sich eigentlich kein Gegentor leisten. Das ist eine denkbar unangenehme Kombination. Irgendwie muss man es schaffen dennoch eine Überlegenheit herzustellen. Würde man ein stark leitendes Pressing wäre das schon mal hilfreich. Wenn man das Offensivspiel von Ajax auf deren linke Seite festnagelt und diese dann numerisch gut zuschiebt und die Rückbindung ins Zentrum kappt, dann könnte die Überlegenheit der Niederländer im mannschaftlichen Zusammenspiel etwas weniger relevant werden. Allerdings stellt sich dann natürlich die Frage, ob der Rechtsverteidiger dieser Herausforderung gewachsen wäre. Wenn man aber wirklich erfolgreich leitet und dann die entsprechende auch zustellt, dann könnten sich sogar gute Kontermöglichkeiten ergeben, falls man entweder individuell oder über Power gegen das Gegenpressing von Ajax ankommt.

Im eigenen Offensivspiel könnte es für Schalke ebenfalls sinnvoll sein die linke Seite zu fokussieren, allerdings die eigene. Aogo, Meyer und Bentaleb könnten es bei konsequenter Halbraumüberladung schaffen ziemlich konstant nach vorne zu kommen. Besetzten dann Goretzka und Burgstaller, und wer da sonst noch so spielen wird, die Offensivräume gut, kann man sich vielleicht schnell durchspielen. Könnte man aber auch sein, dass man dann wieder in Situationen kommt, wie in der ersten Hälfte gegen Darmstadt und zu viel auf dem Flügel unterstützt wird. Auch Überladungen anderer Zonen wären denkbar oder ein sehr rustikaler Angriffsplan über zweite Bälle. Eine Rückkehr zur 5-er Kette könnte ebenfalls interessant sein. Besetzt man das Zentrum in der Formation mit Bentaleb, Goretzka und Meyer, so sähe das mit der Mittelfeldkontrolle noch etwas besser aus und man hat in einem 5-3-2 immer potentiell sehr gute Staffelungen für das Gegenpressing, was ebenfalls für die Spielkontrolle hilfreich wäre. Auch sehr konsequentes Flügelspiel, mit der gleichen Offensivbesetzung wie in der zweiten Halbzeit gegen Darmstadt, halte ich für praktikabel.

Hier noch zwei etwas verrücktere Formationen, mit denen man vermutlich das Spiel dominieren könnte, aber einige andere Einbußen hinnehmen müsste. Variante A ist eine sehr offensive Fünferkette mit Aogo als offensivem Halbverteidiger, der sich zusammen mit einem tiefen Achter Max Meyer durch den linken Halbraum kombiniert, vor dem Avdijaj, Goretzka, Burgstaller und Caliguri warten, um Ajax‘ Defensive aufzumischen. Variante B setzt auf rustikalen Offensivfußball mit vielen hohen Bällen, erzwungenen Durchbrüchen, viel Gegenpressing im Zentrum und sehr aggressiv rausrückenden Achtern. EDIT: Aufgrund eines Fehlers meinerseits, solltet ihr euch bei Variante B besser Höwedes als Rechtsverteidiger denken und Badstuber dann als Innenverteidiger. Coke kann ja leider gar nicht spielen. Vorausgesetzt eben, dass Höwedes gegen Ajax wieder fit ist. Lasst uns mal darauf hoffen. Sollte Kolasinac bereitstehen, so wäre er in diesen beiden Varianten wohl auch eine passende Wahl, bei Variante A für Caliguri und bei Variante B für Aogo. Wobei ich je nach Fitnessstand und Spieplan in der Viererkette auch Aogo vor Kolasinac sehen würde. Dann ist ja auch noch Kehrer Gelb gesperrt, insofern müsste dann bei der zweiten Variante Stambouli rein. Wobei ich nicht so sicher inwiefern das dann in der Konstellation überhaupt noch so praktikabel ist. Es ist schon krass wie wenig Spieler eigentlich gerade hundertprozentig zur Verfügung stehen – macht die Aufgabe gegen Ajax für Weinzierl nicht gerade einfacher.

Zusammenfassend möchte ich sagen: Es gibt weiterhin Grund zur Hoffnung, aber nicht zu viel.

 

 

Elias

Elias

Anders als der durchschnittliche Taktikblogger, denn die Jungs von spielverlagerung sind größtenteils gute Fußballer, entspricht Elias tatsächlich dem Klischee. Ein eher unsportlicher Mensch, der selbst gar nicht sonderlich gut Fußball spielt. Während viele ja eher über die Liebe zum Fußball die Liebe zur Fußballtaktik finden, kam er von der Liebe zur Taktik zur Liebe zum Fußball. Bewusst, aktiv und begeistert verfolgt Elias „die schönste Nebensache der Welt“ erst seit sieben Jahren.

Wieso genau Elias als Taktik-Begeisterter ausgerechnet Fan des FC Schalke 04 wurde, das kann er auch nicht erklären. Vermutlich waren es die Leidenschaft der Schalker-Fankurve und das 5:2 gegen Inter Mailand.
Als EliasMalmaison twittert er über Fußball und Politik.
Elias

Kategorie: Spielbericht

The Battle of the Umschaltmoment. FC Schalke 04 – Ajax Amsterdam, 3:2 nV » « Überfallartige Kombinations-Konter. FC Schalke 04 – VfL Wolfsburg, 4:1

11 Comments

  1. Coke ist doch aus irgendwelchen Gründen garnicht nominiert, also Methode B klappt eher weniger.

  2. Hallo Elias,
    danke für deine Analyse.

    Coke kann nicht spielen, wurde überhaupt nicht gemeldet.
    Der Solosechser ist Lasse Schöne, nicht Donny van de Beek. Ersterer musste nur seine Gelbsperre absitzen und wird höchstwahrscheinlich wie Dolberg spielen.
    Wie kommst du zur Einschätzung, dass Ajax bei den zweiten Bällen nicht gut sei?

    „Burgstaller und di Santo sind für solche Flügeldurchbrüche ein sehr passendes Duo“ – aber mehr old-school geht dann auch nicht mehr, va wenn beide gleichzeitig auf einem Flügel rumturnen oder man Probleme hat überhaupt in gefährliche Räume zu kommen. Kann mich im Laufe der Saison an kaum gute Szenen der beiden zusammen erinnern. Ging meist schief, selbst gegen Darmstadt war es doch eher solala.
    Folgendes kann ich gar nicht nachvollziehen:“ Man war – wie so häufig diese Saison – das bessere Team. “ Ich glaube, wie verfolgen verschiedene Teams 😉 Finde diese Saison schon ziemlich schwach. Sehe jetzt auch nicht die besonderen Ansätze, vieles ist relativ simpel und 08/15. Bogenhafter Anlauf; ein Spieler wie Geis baut zwischen den IV das Spiel auf; wenn nichts geht, kommt der zweite MS; abkippende 6er/8er sind doch alles ziemliche Basics und diese nichtmals besonders gut umgesetzt. Ich meine, die Saison ist bald vorüber und es scheint mehr Unstimmigkeiten und Schwankungen denn je zu geben, geschweige denn die selbsternannten Ansprüche nur irgendwie zu entsprechen. Dazu kommt ja auch noch, dass es gar nicht immer ersichtlich ist, was nun Plan oder Eigeninitiative der Spieler ist („nicht umgesetzt“, „anders abgesprochen“ etc.) oder willst du einen wütend schnaubenden und nach vorne stürmenden Höwedes als Taktikplan ansehen? 😉

    • Elias

      19. April 2017 — 14:35

      Hallo Uwe,

      Vielen Dank für den Kommentar, trotz oder auch wegen der vielen Uneinigkeiten!
      Leider bin ich nicht dazu gekommen mir abseits des Schalke-Spiels viel von Ajax anzuschauen. Und ich hätte mir wohl, genau wie bei Coke, auch nochmal anschauen solle, wer da eigentlich spielen kann/konnte und normalerweise spielt. Dafür erstmal eine bitte um Entschuldigung, auch allgemein an die anderen Leser!

      Nun zu deinen verschiedenen Nachfragen.
      Die Einschätzung zu Ajax und den zweiten Bällen bezog sich auf Ajax‘ Offensivspiel, das seine Stärke nicht wirklich bei langen Bällen hat, darum auch der Bezug zu unserer eigenen Defensivreihe. Indizien die dafür sprechen, dass wir eigentlich als Team in vielen Spielen besser waren, als das Ergebnis sind unser häufiges Unterperformen der expectedGoal Werte, die Tatsache, dass die wahretabelle.de uns ohne Fehlentscheidungen auf Platz 6 sieht und wir allein schon mit weniger verschossenen Elfmetern besser dastünden – was ja alles additive Faktoren sind.
      Ich finde, dass unser Pressing nicht einfach 0815 ist. Bogenläufe haben wir natürlich auch, aber darauf zu verzichten, macht ein Pressing ja auch nicht einfach besser^^ Aber die Koordination im Pressing und die Staffelungen dahinter sind eigentlich teilweise schon ziemlich gut. Auch im 5-3-2 gab es da interessante Aspekte, wenn auch genauso verschiedene Probleme.
      Im Offensivspiel gab es einige gute und weniger gute Ansätze, es mag sein, dass man da tatsächlich insgesamt taktisch eher durchschnittlich bzw. nur leicht überdurchschnittlich war (finde uns defensiv auch besser als offensiv), aber das reicht bei überlegener individueller Klasse ja auch, um besser zu sein als die meisten Gegner
      Was Burgstaller und di Santo betrifft, so erinnerst du dich vermutlich auch deswegen an gar nicht so viele guten Spiele mit beiden zusammen, weil du dich einfach generell gar nicht an so viele Spiele mit beiden zusammen erinnern kannst. Tatsächlich standen die beiden bis jetzt überhaupt nur gegen Darmstadt zusammen auf dem Platz, oder? Sonst wurde ja eigentlich immer Burgstaller für di Santo ausgewechselt. In dem einen Spiel wo es das gab fand ich, dass es auch recht gut funktionierte, kombiniert man das mit spielstarken Außenverteidigern und einem so ungewöhnlichen Spieler wie Meyer auf Außen, so ist das auch gar nicht so konventionell. Insofern stimmt es auch nicht so richtig, dass Weinzierl bei Rückstand immer auf zwei Stürmer umstellt. Wobei ich dir prinzipiell zustimme, dass die Umstellungen bei Rückstand in der letzten Viertelstunde teilweise grauenhaft sind – Beispiele Bremen und Frankfurt. In der Frankfurt-Analyse hatte ich das auch noch mit einer netten Grafik angesprochen, von wegen „wütend schnaubenden und nach vorne stürmenden Höwedes.“

      • Entschuldigung ist doch nicht nötig 🙂

        Mit dem „besseren Team“ und expectedGoal etc. kommen wir nicht auf ein Nenner. Von spekulativ über Taktik des Gegners hin zu „welches Team verfolgst du nochmal?“ etc., ist aber auch breites Feld. Nur denke ich nicht, dass die Saisonleistung allein dem „Pech“ geschuldet ist.
        Bei den zweiten Bällen haben wir wohl aneinander vorbeigeschrieben. Meinte damit eher das Nachsetzen und/oder Wiedererobern von Bällen, keinesfalls den Spielstil ala Kick&Rush.
        Beim Pressing sehe ich immernoch viele Fehler und gerade schlechte Absicherungen und falsche Abstände, gemessen an einem Verein wie Schalke (oder erinnere dich mal an die Absicherungen bei eigenen Standards, das war ja ztw. grauenvoll). Dass es meist relativ spät eingesetzt wird, finde ich persönlich schade und habe Weinzierl anfangs auch anders verstanden/eingeschätzt, das scheint evtl. der defensiven Stabilität geschuldet zu sein.
        Das Offensivspiel finde ich tlw. wirklich arg, va in anbetracht des Potentials. Die Umstellung auf Doppelspitze Burgstaller+DiSanto/Huntelaar wird von Weinzierl schon recht häufig eingesetzt (zuletzt bspw. Darmstadt, Ajax, Werder, Gladbach). Das Prinzip dahinter ist klar und simpel. Wer kennt das nicht aus seinen Kindheitstagen? 😉 Aber es wurde ja auch oft genug gespielt, wenn Schalke große Probleme hatte sich überhaupt chancen zu erarbeiten. Dadurch wurde es komplett kontraproduktiv. Was wiederum keine neue Erkenntnis ist. Von daher finde ich schon, dass es ein relativ typischer Zug von Weinzierl ist.

  3. Danke für die Analyse. Keine Frage, dass auch ich mich über das Spiel und dann das indiskutable Ergebnis sehr geärgert habe. Mit ein bisschen Abstand ein paar relativierende Überlegungen in Hinblick auf den extrem großen Umbruch, der aktuell auf Schalke vorgenommen wird. Wir haben gegen Darmstadt im Grunde nur vier Spieler in der Anfangsformation auf dem Platz gehabt, die zu Beginn der Saison als Stammspieler vorgesehen waren: Fährmann, Goretzka, Meyer und Coke. Die Entwicklung von Fährmann sehe ich genauso positiv. Da hat das Trainerteam im Verlauf der Saison hervorragende Arbeit geleistet. Über Goretzka müssen wir nicht reden. Meyers Entwicklung sehe ich bei allem Talent nach wie vor skeptisch. Auch gegen Darmstadt hat er wieder gezeigt, dass er im Grunde körperlich nicht bundesligatauglich ist. Er ist noch jung, das mag sich noch richten, vielleicht ist er besser in einer Mannschaft aufgehoben, die es sich leisten kann, ihm einen robusten Bodyguard zur Seite zu stellen, aber in dieser Saison wird das nichts mehr. Coke hat in der Hinrunde komplett gefehlt, arbeitet sich langsam ran und zeigt dafür bereits seine große Qualität. Wir haben zwei Spieler, die definitiv für die zweite Garnitur vorgesehen waren: Geis, dessen prinzipielle strategische Schwächen hier exemplarisch ausgeleuchtet wurden und Aogo, der für den Weinzierl-Fussball zu wenig durchschlagskraftig auf der Außenbahn ist. Dazu gesellen sich zwei Youngster, Kehrer und Avdijaj sowie drei Spieler, Badstuber, Caligiuri und Burgstaller, die gewissermaßen als (teilweise vorgezogene) Notkäufe erst im Winter zur Mannschaft dazu gestoßen sind. Wann hat man so einen Umbruch schon mal gesehen und wann ist sowas mal erfolgreich in nur einer Saison verlaufen?

    Dennoch sehe ich auf der Habenseite ganz klar wie Elias die Verbesserungen: Ein im Grunde gut ausbalanciertes mittleres bis hohes Pressing und einen vom Torwart beginnendes geplantes Aufbauspiels trotz Gegnerpressings bis ins vordere Drittel (einschließlich Kontrolle der gegnerischen Konteroptionen durch Gegenpressing etc.). Auch wenn das Bundesliga-Standard ist, so ist es immerhin für Schalke neu gegenüber den Keller- und Breitenreiter-Jahren.

    Das am Ende Unrunde des Schalker Spiels mit diesem beinahe schon zusammengewürfelten Haufen dürfte dann aber doch nicht verwundern und ist hier ganz wunderbar ausanalysiert worden.

    Auch wenn es ein komplett nicht-taktischer Aspekt ist (oder doch nicht) und in Taktikblocks nicht gerne gehört wird: Man hat der Mannschaft angemerkt, dass die unbezweifelbaren Führungsfiguren und Autoritäten gefehlt haben. Das Trainerteam gibt Strategie und Taktik vor, Dafür, dass es auch konkret und kollektiv richtig umgesetzt wird, braucht es eine gewisse hierarchische Struktur in der Mannschaft. Elias hat es sehr gut beschrieben, wie verschiedene Spieler durchaus bemüht, aber dann manchmal überbemüht versuchen die Initiative an sich zu reißen, Geis (der sichtbar nicht harmoniert mit Badstuber), Avdijaj, manchmal sogar Burgstaller. Spieler wie Naldo, Höwedes, Stambouli, Bentaleb (auf Grund seiner Jugend auch manchmal zu übermütig) haben diese Art, präsent, initiativ und gleichzeitig verlässlich beruhigend zu agieren und zu wirken, was den anderen Spielern Verantwortung von den Schultern nimmt und sie auf ihre taktisch vorgegebene Rolle fokussieren lässt, manchmal dann nach Ansprache durch die entsprechende Führungsperson auf dem Platz. Die haben zumindest in Halbzeit eins komplett gefehlt.

    Durchweg über die Saison waren dann auch gegen Darmstadt zwei entscheidende Wettbewerbsnachteile gegenüber der Konkurrenz ausschlaggebend: Erstens das Fehlen eines konstant verwertenden Goalgetters (viel hat nicht gefehlt und bei einer einigermaßen fairen Chancenverwertung geht das Spiel 4:1 für Schalke aus und wir würden von einem sachlich herausgespielten Pflichtspielsieg reden). Zweitens: die komplette Unfähigkeit, aus Standardsituation irgendein Kapital zu schlagen. Wann geht das Trainerteam endlich dieses Kapitel an?

    • Elias

      20. April 2017 — 10:35

      Hallo ES

      Viele interessante Aspekte, ich stimme dir was Schalke betrifft auch mit den Führungsfiguren tatsächlich zu. Gerade, dass Avdijaj versucht anzuführen – das sollte bei einem so jungen Spieler eigentlich nicht sein und das kann er auch nicht leisten.

      Bei den Standards fand ich aber, dass wir in dem Spiel sogar recht viele Schüsse nach Standardsituationen zustande bekommen haben. Könnte sein, dass es da aufwärts geht. Auf irgendwas müssen wir ja gegen Ajax hoffen :/

    • Hallo,Es.
      Es stimmt, dass Fährmann fußballerische Fortschritte macht, aber die Entwicklung dauert schon länger an. Der Torwarttrainer ist übrigens Simon Henzler, den Breitenreiter damals mitgebracht hat. Auf Wunsch von Fährmann wurde dieser auch unter Weinzierl weiterbeschäftigt.
      Bei Meyer bin ich auch ziemlich zwiegespalten, glaube aber nicht, dass es (nur) an der körperlichen Robustheit liegt. Da kommen mehrere Dinge zusammen. Wenn er will, kann er durchaus seinen Körper gut einsetzen, doch verfällt er, meiner Meinung nach, viel zu oft in einen lethargischen und „wehleidigen“ Modus, versucht Fouls zu ziehen etc.
      Die vielen Veränderungen haben sicherlich zu einer aufwändigeren und inkonstanteren Phase beigetragen um Spielstil, Mannschaftsgefüge ua zu finden, doch erklärt es zum einen nicht die bis heute andauernden Probleme und zum anderen waren sich Heidel und Weinzierl dessen bewusst, genauso wie die (eigene) Zielsetzung EL-Platz. Hinzu kommen Transfers in einer wertemäßigen Größenordnung, die nur wenige Trainer vorher hatten, ebenso wurde auch vielmehr auf Routine und Erfahrung gesetzt (vom Umfeld mal ganz zu schweigen). Wie man es auch dreht und wendet, die Verantwortlich im Bereich Sport sollten doch einen „Umbruch“ so gestalten, dass dieser möglichst erfolgreich vonstatten geht. Dies ist aber bisher nicht der Fall und das sieht auch im ganzen Verein niemand anders. Es wurden halt auch von Heidel und Weinzierl Fehler gemacht.
      Das Thema Verletzungen kann ich auch nur teilweise nachvollziehen, andere Trainer/Teams haben und hatten vergleichbares oder auch größeres „Pech“ (in Anbetracht ihres Kaders). Wobei eine Abwehrreihe mit Höger-Ayhan-Neustädter- Fuchs-Aogo(DM) schon so ihren eigenen Charme versprüht hat…
      Weiter weiß ich nicht genau, wohin du mit den Vergleich zu Breitenreiter und Keller möchtest. Meinst du, dass weder Keller, noch Breitenreiter im Stande waren so ein System zu etablieren oder haben die beiden einfach anders spielen lassen? In beiden Fällen find ich es nicht ganz fair.
      Beim Thema Vorgaben und Umsetzung von Taktik und Strategie finde ich deine Erklärung zu eindimensional. Gerade hier gibt es einiges, was verwundert, nicht nur manche Aussagen von Trainer und deinen oben genannten Führungsspielern. Ebenso empfinde ich es beim (vermeintlichen) Fehlen eines Goalgetters. Es ist doch keine Frage, dass sich jedes Team ein Weltklasse-Torjäger wünscht, aber einen Embolo als (sofortigen) Heilsbringer zu sehen finde ich unfair und anmaßend. Ich hoffe und glaube, dass Heidels und Weinzierls Worte zu Beginn der Saison ernst gemeint waren. Niemand würden den Jungen einen Gefallen tun, ihm so eine Verantwortung aufzubürden. Hinzu kommt auch, dass seine Leistungen schwankend waren und es keinerlei Garantie gab, dass er in seiner ersten Saison konstant sehr gute Leistungen abrufen würde (hier sei ua auch an die EM 16 erinnert). Insgesamt hat Schalke 7 Spiele ein reiner MS gefehlt und dies tlw. in der erfolgreichen Phase.
      Weiter sehe ich auch nicht den kompletten spielerischen Umbruch oder die riesigen Fortschritte. Das kommt mir schon etwas konstruiert vor, genauso wie die vermeintliche Alternativlosigkeit auf den Trainerposten (Tina war schon immer murks!).
      Beim Thema „Stärke der Bundesliga“ gibt es auch sehr kontroverse und sich widersprechende Ansichten.

      Insgesamt empfinde ich die derzeitige Diskussionskultur rund um Schalke sehr durchwachsen. Es scheint viele zu geben, die sich komplett der Pro- oder Kontra-Seite verschreiben zu müssen, inklusive der jeweiligen „Ausreden“, Schuldzuweisungen und „Heiligsprechungen“.

      @Elias :
      Naja, bei „expectedGoal Werte“, wahretabelle usw. handelt es sich nicht nur um „Indizien“, sondern auch um höchst spekulative, sofern diese ein Gesamturteil darstellen sollen. Ich denke, hier sollte nicht mehr daraus gemacht werden, als bei solchen Statistiken (nicht nur beim Fussball) üblich ist. Es können Indizien und Annäherungen sein, mehr aber auch nicht.

    • Keine Frage, dass Heidel und Weinzierl trotz Umbruch gerne schon im ersten Jahr Erfolg gehabt hätten. Das ist nicht gelungen. Solange die Ansätze und die Richtung stimmen (was der Fall ist, siehe viele Details bei Elias, Karsten und mir), würde ich gerne die Bilanz nach drei Jahren ziehen. Das ist fair im Vergleich zu ähnlichen grundlegenden Veränderungsprojekten.

      Zum Thema Vorgaben und Umsetzung behauptest du, meine Darstellung sei zu eindimensional ohne die anderen Dimensionen, die angeblich fehlen, sauber aufzuzeigen. Da wärst du in der Argumentation noch etwas schuldig.

      Zu Keller und Breitenreiter (ein letztes Mal zur Historie, ansonsten würde ich gerne auf die vielen tollen Beiträge hierzu von Karsten verweisen: Zunächst Keller: keine taktische Variabilität, schlechtes defensives und offensives Umschaltspiel, nicht vorhandenes hohes bzw. kaum erwähnenswertes mittleres Pressing, keine oder schlechte gruppentaktische Abläufe; zu Breitenreiter: unsauberes Pressing, keine oder schlechte Gruppentaktik im vorderen Drittel.

      Zu Embolo: Es geht nicht um das Aufbürden von überfordernder Verantwortung auf einen 19-jährigen. Ich wollte nur darauf hinweisen, dass die letzten Spiele von Embolo vor seiner Verletzung gezeigt hatten, wie zentral er für das Spiel der Schalker sein kann. Zum Beispiel kommt kein Schalker Stürmer auch nur annähernd an sein intensives und gleichzeitig schlaues hohes Pressing heran. Diese Kombination aus technischer Stärke, Robustheit und Spielintelligenz in der vordersten Linie hat Schalke nach der Verletzung, die einfach unheimliches Pech war, über die ganze Saison gefehlt.

      Aha, Du siehst nicht die spielerischen Fortschritte. Tja, dann kann man auch nicht weiter reden, wenn du nicht sagst, was Du von dem was ich anführe, konkret nicht siehst.

      In diesem weichen Argumentationsstil geht es bei dir weiter: Was sind denn dann die konkrete Alternativen für den Trainerposten Deiner Meinung nach? Welche konkreten sehr kontroverse Ansichten zur Stärke der Bundesliga gibt es? Wo sind die von Dir behaupteten Widersprüche?

      Beim Thema Diskussionskultur auf Schalke wirst Du endgültig mystisch. Lass uns doch in diesem Forum bleiben, sachlich argumentieren und uns von einer wolkigen „Diskussionskultur“ frei machen. Beim Thema Fährmann und Meyer hast du es selber vorgemacht, wie so etwas an Hand einer Sachfrage gehen kann.

  4. Danke für die Analyse. Die Paint-Bilder sind der Hammer! ;D

    Ich habe gerade nochmal Karstens Analyse zur Saison 13/14 unter Keller (oder besser: Prince Boateng?^^) gelesen, das war ja im Grunde die letzte Schalker Saison der jüngeren Vergangenheit, in der es wirklich signifikant besser lief. Als Hauptmanko wurden damals das gruppentaktische Verhalten beim Umspielen des gegnerischen Pressings genannt, sowie das ideenlose und schlecht abgesicherte Ballbesitzspiel kritisiert.

    Sehen wir da unter Weinzierl denn nun wirkliche Fortschritte und fehlt es vor allem an Finetuning (Chancenverwertung etc.) und zZt. an gesunden Spielern, oder haben sich auch grundlegende neue Probleme ergeben, die gewisse Fortschritte wieder egalisieren?

    Gegen Ende der Hinrunde hätte ich definitiv zur ersten Variante geneigt, derzeit bin ich mir nicht mehr ganz so sicher. Ich denke einige Probleme, auch der Personalnotstand, sind wenigstens zu Teilen hausgemacht. Trotzdem wäre ich generell ok damit, wenn Weinzierl nächste Saison eine neue Chance erhält. Wenn heute gegen Ajax ein halbwegs akzeptables Ergebnis errungen wird und in der Liga noch ein paar Siege folgen kann man das denke ich auch der Fangemeinde verkaufen.

    Seht ihr das auch so oder denkt ihr Weinzierls Uhr tickt bereits sehr laut?

    • Auch wenn du eher die Autoren gefragt hast, gebe ich meinen Senf dazu ab.

      Ich sehe aktuell nur drei Trainer in der Bundesliga, die ich stärker einschätzen würde als Weinzierl: Tuchel, Nagelsmann und Hasenhüttl. Alle drei sind für die nächste Saison klar gebunden, und deren nächste Station ist sicher nicht Schalke. Die Bundesliga hat schon ziemlich hohes taktisches Niveau, weshalb Trainer aus dem Ausland nicht unbedingt eine Alternative wären, insbesondere da hier doch sprachliche und kulturelle Hürden zu überwinden wären, die eine solche Verpflichtung riskant machen würde.

      Also gibt es im Moment keine sinnvolle Alternative zu Weinzierl.

      Und dann zum ganzen Umbruchprojekt. Schalke spielt einen völlig anderen Fußball als in den letzten 5 Jahren. Schalke will dominant, auch physisch und körperlich dominant spielen. Dieser Umbruch ist zum Teil gelungen, da haben wir jede Menge entsprechender Spiele gesehen, und das hängt auch mit dem Umbau des Kaders zusammen. Mit Geis, Aogo, Meyer und einem verunsicherten Kehrer kann man so nur begrenzt spielen.

      Die rechtzeitige Investition in die Schlüsselposition Mittelstürmer (Kategorie internationale Klasse) hat Heldt über Jahre versäumt, di Santo war schlicht ein Fehleinkauf. Wir haben in den Spielen vor seiner Verletzung gesehen, was Embolo schon diese Saison geleistet hätte. Eine so unglaublich schwere Verletzung war ein schweres Handicap für Weinzierl (denken wir mal Bayern ohne Lewandowski, schwarz-gelb ohne Aubameyang und Köln ohne Modeste). Allgemein waren die Verletzungen in dieser Saison schon extrem, Brüche, Kreuzbandrisse etc., alles eher Kategorie sehr viel Pech als hausgemacht.

      Über die Bereiche, bei denen Weinzierl die Mannschaft definitiv nach vorne gebracht hat, haben wir schon geredet.

      Ein Blick noch auf die Konkurrenz (das ist im Moment nicht Bayern oder Dortmund, die haben in den letzten 5-10 Jahren mehr richtig gemacht als Schalke, das holt man in einem Jahr nicht auf): Gladbach, Leverkusen und Wolfsburg, alles Vereine mit Doppelbelastung, tun sich mindestens genauso schwer wie Schalke. Und unser Verein hat definitiv den besseren Trainer als die drei anderen. Hertha, Köln, Freiburg und Frankfurt haben nicht die Substanz der Königsblauen, das wird sich bitter offenbaren, sollte einer von denen im nächsten Jahr international spielen. Leipzig hat ganz andere Voraussetzungen und Hoffenheim, tja, die haben eben Nagelsmann. Aber auch da muss man mal eine zweite Saison abwarten.

      Als Fazit: Es geht nicht um eine zweite Chance für Weinzierl, sondern er ist der richtige Trainer für uns, perspektivisch für den gesamten Umbruch, der mindestens drei Jahre dauert. Mit Weinzierl werden wir die nächsten Jahre erfolgreich sein, da bin ich mir sicher.

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