Halbfeld­flanke

Nabil Bentaleb: Wie Neustädter, nur anders.

Nabil Bentaleb kam erst spät in der Transferperiode zur Mannschaft, dennoch sorgte er sehr schnell für Aufsehen und zwar die komplette Spielzeit über. Dabei ist seine Spielweise der des ehemaligen Schalkers Neustädter nicht unähnlich. Aber eigentlich auch doch sehr.

Rückschau Neustädter

Roman Neustädter war 4 Jahre lang eine feste Größe im Aufgebot von Schalke 04, wurde von den Trainern (Stevens, Keller, Di Matteo und Breitenreiter) nahezu immer eingesetzt. Und obwohl er auch der Halbfeldflanke-Lieblingsspieler war (siehe dedizierte Analyse und Interview an der Taktiktafel), war er beim Publikum zu weiten Teilen eher weniger beliebt. Warum?

Als 6er und später auch in der Innenverteidigung glänzte er durch eine sehr unauffällige Spielweise. Er besetzte Räume, bevor diese zu Gefahrenherden werden konnten. Er hielt den Ball sicher in den eigenen Reihen und balancierte die Bewegungen seiner Mitspieler aus, die er wiederrum durch schlaue Pässe in freie Räume oft steuerte. Voller Spielintelligenz und Pressingresistenz verwaltete er den 6er-Raum und zog das Spiel gelassen aus der Tiefe auf. Kaum ein Schalker spielte dabei mehr Pässe und brachte davon mehr an den Mitspieler.

Seine Spielweise war vor allem sehr kalkuliert. Dass zeigen die Passmuster. Im eigenen Drittel ist er nie Risiko eingegangen. Ein Ballverlust würde hier sehr wahrscheinlich zu einem Gegentor führen. Im Mittelfeld versuchte er Risiko zu vermeiden und nur im gegnerischen Drittel (wo er eher selten hin aufrückte) war er bereit Risikopässe zu spielen, so lange er abgesichert wurde. Dafür wurde er gemeinhin gern kritisiert, weil das Resultat natürlich häufig Sicherheits- und damit Querpässe waren. Mit anderen Worten: Unspektakulär.

Doch genug vom Ex geschwärmt, kommen wir zum neuen Mann!

Jetzt: Nabil Bentaleb

Nabil Bentaleb ist erst 22 Jahre. In Lille, Frankreich geboren, die Eltern aus Algerien (für deren Nationalmannschaft er spielt), zog es ihn schon früh hinaus für den Fußball. Mit 15 ging er nach Belgien um mit 17 in der Jugend von Tottenham Hotspur anzuheuern. Dort schaffte er in der Saison 2013/2014 dann auch den Sprung in die Profi-Mannschaft. Auf Grund einer Verletzung in der Vorsaison (also 2015/2016) kam er allerdings nur zu 5 Einsätzen, wurde daraufhin zu Schalke zunächst ausgeliehen und inzwischen verkauft.

Besonders in der Mitte dieser Saison spielte er vor der 3er Kette als 8er, seit dem Frühjahr aber wieder meist als 6er. So oder so ist er aber wohl das, was man gemeinhin einen Box-to-Box-Player nennt, also einen Spieler, der von Strafraum zu Strafraum läuft und sich sowohl in der Defensive als auch in der Offensive aktiv ins Geschehen einmischt.

Besonders im Zusammenspiel mit den vielen anderen Partnern im Mittelfeld sticht ins Auge wie gut er  deren Bewegungen ausbalanciert. Dabei unterscheiden sich Geis, Goretzka, Meyer und Stambouli in der Spielanlage jeweils deutlich. Bentaleb passt seine eigenen Bewegungen der deren an, und sorgt dafür, dass die Defensive nicht entblößt und er gleichzeitig immer Anspielbar ist. Er steht Neustädter hier in nichts nach. Der große Unterschied zwischen beiden ist das, was das Publikum von dem anderen immer gefordert hat…

2, 1, Risiko!

Risiko definiert sich durch das Wagnis einer Aktion, etwas also Gefahr läuft in die Hose zu gehen, aber ein (zu Weilen großer) Erfolg in Aussicht steht. Jedes Risiko kommt also Hand in Hand mit der Chance des Ertrags. Je höher das Risiko, desto wahrscheinlicher allerdings, dass der Ertrag nicht eingefahren wird. Alles was Fußballer während eines Spiels machen (und eigentlich alles was wir alle ständig machen) kann entweder funktionieren wie geplant oder aber eben nicht. Vom Schnürsenkelzubinden angefangen.

Wenn ein Fußball-Profi einen Pass über 10m zum Mitspieler bringen möchte, dann ist die Wahrscheinlichkeit des Gelingens sehr hoch. Wenn plötzlich zwei Gegenspieler dazwischen stehen, wird aber die Möglichkeit dessen größer, dass der Ball nicht beim Mitspieler ankommt. Die Frage ob dieser Pass dann gespielt wird, oder ob vielleicht lieber eine andere Möglichkeit gesucht wird, das nennen wir Entscheidungsfindung. Das ist die große Kunst beim Fußball: Die richtige Entscheidung in einer speziellen Situation treffen. Vor Bälle treten ist Handwerk.

Die Entscheidungsfindung ist natürlich oft gefärbt von persönlichen Eigenschaften. Eric Maxim Choupo-Moting etwa entscheidet sich oft für Dribblings, weil ihm aber auch ein bisschen die Übersicht fehlt. Sprich: Er erkennt Alternativen zum Teil gar nicht. Risikofreude ist aber auch durch Persönlichkeitseigenschaften geprägt. Während Neustädter Risikoavers agierte, sucht Bentaleb das Risiko geradezu. Markus Weinzierl hat das in einem Interview mal mit dessen algerisch-französischen Mentalität erklärt.

Bentaleb ist verspielt und denkt gleichzeitig vertikal; für Raumgewinn ist er gern gewillt Risiko einzugehen. Immer wieder findet sich Nabil Bentaleb in Situationen, in denen eine Sichere Lösung möglich wäre, ein Pass zur Seite oder nach hinten um den Ball zunächst zu sichern und dann den Angriff neu aufzubauen. Gleichzeitig ist aber natürlich noch eine andere Möglichkeit da, den Ball direkt oder im Anschluss an einen einzugehenden Zweikampf nach vorne zu leiten, mitten in einen Angriff und so das Pressing, dessen Ziel er gerade selbst ist, auszuhebeln. Letzteres verspricht natürlich riesigen Ertrag, allerdings mit einem gewissen Risiko. Der Zweikampf kann verloren, der Ball abgefangen werden.

Im Prinzip ist es wie beim Glücksspiel. Manchmal schätze ich die Gewinnchancen anders ein als die Bank, das sind die Momente in denen es sich für mich lohnen könnte (Lasst die Finger vom Glücksspiel, Kinners, die Bank gewinnt immer!). Bentaleb kalkuliert das Risiko genauso wie Neustädter, die Bewertung ist nur eine völlig andere, die Schwelle ist etwas höher. Auch, weil die technischen Fähigkeiten andere sind. Trotzdem sind die Passerfolgsquoten gar nicht so weit auseinander, Neustädter ging gegen 90%, Bentaleb hat Werte im mittleren 80% Bereich, jeweils als 6er. Denn auch Bentaleb unterlaufen in der eigenen Spielhälfte nur wenige Fehlpässe. Die sind dann abernatürlich gern mal verherend.

Bentaleb ist allerdings schneller und Zweikampfstärker und mindestens genauso Pressingresistent. Manchmal wirkt es, als berechne er ein, dass falls der Ball verloren geht, er hinterher rennen und den Ball zurückerobern könne. Manchmal klappt das, manchmal eben nicht.

Der Einfluss auf das Spiel

In seinen ersten Spielen ging es schon hoch her mit ihm. Direkt nach der ersten Einwechslung (in Frankfurt) spielte er unglaubliche Laserpässe und nahm die gegnerische Defensive quasi alleine auseinander. Kurz gefolgt von einem Tor (gegen Hertha), dass er durch einen Ballverlust selbst verschuldete. In beiden Situationen ist er auf Risiko gegangen und wollte den Ball schnell (wieder) nach vorne bringen. Statistisch gesehen muss sowas halt auch mal in die Hose gehen.

Das ist aber seine stärkste Waffe. Den Ball direkt nach vorne bringen, gern auch über 2 oder 3 Linien hinweg direkt in den Sturm, so dass eigentlich nur noch verwertet wird. Das ist die Geschichte mit dem Risiko, manchmal endet sowas in einer sehr schäbigen Situation. Oft verendet der Ball irgendwo im Mittelfeld, aber immer wenn mal einer davon durch kommt, dann geht’s hoch her im gegnerischen Strafraum.

Ein schönes Beispiel ist auch der Kantersieg in Leverkusen kürzlich. Kurz nach Anpfiff vertändelt Bentaleb den Ball im eigenen Halbfeld, weil er gern über den Zweikampf gegen 2 Leverkusener den Angriff direkt einleiten möchte. Klappt aber nicht, der Ball war weg und Brandt scheitert nur knapp an Fährmann. Das hätte auch anders enden können. Nicht viel später spielt er aus ganz ähnlicher Position einen Ball durch 3 Leverkusener punktgenau Goretzka in den Lauf, der toll auf Burgstaller ablegt und es steht 1:0. Das hätte auch anders enden können.

Weinzierl sagte ebenfalls mal, dass Bentaleb noch lernen müsse wann er Risiko gehen kann und wann lieber nicht. Das wird einer der Gründe gewesen sein, warum Bentaleb über weite Teile der Saison als 8er spielte. Also ein ganzes Stück weiter vorne, wo sein Risiko vermeintlich weniger Gefahrenherd ist, weil ja noch mehr Spieler dahinter sind, zur Absicherung. Zum Ende der Saison spielte Bentaleb dann wieder häufiger als Teil der Doppel-6, von hier kann er das Spiel am besten antreiben. Und hat da auch ein paar starke Phasen gezeigt.

Mit dem Rest der Mannschaft, unterlag auch seine Leistung in dieser Saison starken Schwankungen.  Insgesamt offenbarte er aber wenige wirklich schwache Momente. Kritisiert wird er ebenfalls, wie Neustädter, nur ist sein Spiel jetzt bis Weilen zu Spektakulär.

Nachklapp

Beim FC Augsburg hatte Markus Weinzierl einen großen Schlüsselspieler, der aus dem defensiven die Fäden zieht und das ganze Spiel ausbalanciert. Bentaleb ist Weinzierls neuer Baier. Besonders beim Hinrundenspiel in Augsburg fiel dies klar auf, weil eigentlich zwei komplett gleiche Mannschaften spielen, in denen die beiden 6er mit der Nummer 10, also Baier und Bentaleb, quasi identisch agierten und witziger Weise sogar noch identische Tore schossen.

Es wird balanciert und es gibt Laserpässe mit Risiko. Das ist Nabil Bentaleb. Geil!

In der letzten Zeit spinnen Elias und ich gern hin und her, wie wohl die Doppel-6 Bentaleb-Neustädter ausgesehen hätte. Wir hatten schon das ganze Spektrum. Was meint ihr? Lasst uns Eure Vision wissen, hier in den Kommentaren, bei Facebook oder auf Twitter:

Die Doppel6 Bentaleb-Neustädter würde… 
#hffGedankenspiel

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der Stadt, die mal die höchste Fördermenge in Europa hatte. Aufgewachsen in einer Familie von Püttologen studierte er an der FH Gelsenkirchen irgendwas mit Computern. Später zog es ihn in die Ferne zu den Wikingern, wo ihm erst bewusst wurde, wie viel Ruhrpott in ihm steckt.

Nach hunderten von Herzklabastern, weil der elende Internetstream immer bei blau-weißen Torchancen abbrach, ist er als Doktor Labertasche wieder zurück in der Heimat (mit Dauerkarte in Block 5) und theoretisiert neben der Maloche den König Fußball. Weil aber seine Kumpels schnell davon genervt waren, verlagerte er das Ganze und gründete Halbfeldflanke zum Beginn der Saison 2013/2014.

Kategorie: Spiel & Spieler

Das Wunder von Mailand. Inter Mailand – FC Schalke 04, 1:0, 1:4 i.E. » « Schalke im Tal der merkwürdigen Entscheidungen. SC Freiburg – FC Schalke 04, 2:0

43 Comments

  1. Hallo Karsten, schön, dass Du mit dem Vergleich Bentaleb und Neustädter nochmals an Neustädter erinnerst. Für mich einer der ersten Fehler von Heidel, nicht mit Neustädter zu verlängern. Man hätte sich die Ablöse für Stambouli sparen können und hätte einen Spieler gehabt, der auch in der Innenverteidigung gut aushelfen kann.
    Leider konnte Neustädter bei der EM auch überhaupt nicht glänzen. Bei seinen Einsätzen für Rußland wurde er meiner Meinung nach, auch von den beiden russischen Innenverteidigern ständig übersehen. Es gab fast kein Zusammenspiel.
    Meiner Meinung nach gibt es eine ähnliche Situation bei Aogo. Während Kolasinac als unverzichtbar gehandelt wurde, wurde bei Aogo jeder Fehler hochgespielt.

    • Bei der EM war er eigentlich auch stark, es ist aber mal wieder niemandem aufgefallen. Ohne ihn klaffte ein riesiges Loch im 6er Raum. Ich meine auf Spielverlagerung wurde das auch beschrieben.

      Wie glaubst Du denn, hätte die Doppel-6 Bentaleb-Neustädter ausgesehen? 🙂

    • Hi ihr,
      zunächst: ich sehe Stambouli überhaupt nicht als Ersatz für Neustädter. Wenn überhaupt dann viel mehr für Höger, als jemanden der auch mal einen Zweikampf gewinnt.

      Bentaleb als Ersatz für Neustädter macht schon mehr Sinn. Gewisse Parallelen kann man gewiss ziehen, aber als Spielertypen finde ich die schon sehr unterschiedlich. Da hat Bentaleb meines Erachtens mehr mit Jermaine Jones gemein, außer, dass er nicht nur ein Heißsporn ist sondern obendrein ein feiner Fußballer.
      Vielleicht kann man die Analogie weiter treiben und Bentaleb als Quintessenz der Schalker 6er der vergangen Jahre betrachten: Stellungsspiel wie Neustädter, hohe Bälle wie Geis (nur schnittiger), Aggressivität von Jones. Als Bonus bringt er Offensivfähigkeiten mit, kann weiter vorne spielen und von dort sogar Tore schießen.

      Neustädter und Bentaleb zusammen? Hmm. Kann man machen. Ich fand Neustädter auch immer nen super Typen und hätte mir gewünscht, dass er bleibt.

      Ich finde aber auch, dass Neustädter diese Saison nicht wirklich weitergeholfen hätte. Schalke mangelte es ganz offensichtlich weniger an Balancegebern im tiefen Mittelfeld, sondern viel mehr an (gesunden) kreativen Offensivspielern. Defensiv war man über weite Strecken der Saison doch sehr stabil unterwegs, hat 10 Tore weniger als letzte Saison kassiert und befindet sich damit auf dem Level von Dortmund, Leipzig und Hoffenheim.
      Wenn man dazu offensiv noch einen Modeste oder ein Tandem wie Stindl-Raffel gehabt hätte, oder zumindest das vorhandene Personal gesund geblieben wäre, dann würden wir heute, … Fahradkette.

      halb OT:
      Ich habe spasseshalber mal ‚tödlicher Pass Roman Neustädter‘ gegooglet. Habe nix gefunden, außer alte Artikel zu seiner Russischen Staatsbürgerschaft^^. Und diese Analyse von sv zum Rausschmiss von Huub Stevens vor fünf Jahren:
      http://spielverlagerung.de/2012/12/21/der-jahrhunderttrainer-und-die-phantomkrise/
      In der Rückschau war der Beginn der Saison 2012 bis zu der beschriebenen Ergebniskrise die stärkste Schalker Phase an die ich mich in den letzten Jahren erinnern kann. Dann kam Clemens Tönnies und dann kam Jens Keller..

      Ich finde, einige der im Artikel beschriebenen Problematiken kann man sehr gut auf die jetzige Saison anwenden. Und ich bin wirklich positiv gestimmt, dass Christian Heidel da einfach smarter ist und sein wird als Clemens Tönnies es damals war.

      Ich freue mich btw auf euer Halbfeldflanke-Saisonabschluss-Fazit!

  2. @ Karsten
    Die Doppelsechs Bentaleb – Neustädter wäre meiner Meinung nach im Spielaufbau sehr kreativ gewesen, zumal man Goretzka dann auch weiter vorne spielen lassen kann und man Bentaleb deutlich offensiver spielen lassen kann.
    Was ganz anderes. Ich bin von Christian Heidel nicht mehr 100% überzeugt. Man sieht ja oft nur die Frontmänner, nicht die Leute dahinter. Kann es nicht sein, dass es in Mainz einfach hinter Heidel gute Leute gab, die die Vorarbeit geleistet haben, die Heidel dann verkauft hat?
    Siehe zum Beispiel Jörg Schmadtke und Jörg Jacobs.
    Gehört natürlich nicht unbedingt in einen Taktikblog.
    @ FloKno
    Das Tandem Stindl und Raffael würde bei uns nicht funktionieren. Wir haben selbst Spieler, die genau so spielen könnten. Die bekommen in Gladbach einfach sehr viele Freiheiten, die sie von unseren letzten drei Trainern, allesamt mit Stärken in der Defensivordnung, nie bekommen hätten.
    Ich hänge immer noch Slomka nach, habe dann sehr viele Spiele von Hannover 96 gesehen, wo Stindl nach und nach immer mehr in den Fokus rückte. Den wirklichen Durchbruch von Stindl habe ich dann im Spiel von 96 gegen den von Slomka trainierten HSV gesehen, Tayfun Korkut als Trainer von 96 hat in diesem Spiel, Stindl zum ersten Mal offensiv alle Freiheiten gegeben.

    • Mal blöd gefragt: Warum will man denn Goretzka weiter vorne spielen lassen? Tore schießen und letzte Pässe sind jetzt nicht unbedingt seine Paradedisziplin.

      Was Stindl angeht: ich meinte gar nicht Stindl als Person, aber interessante Geschichte.
      Nur: wer im Schalker Kader könnte denn genauso spielen?

    • Warum bist Du denn von Heidel nicht mehr überzeugt?
      Ich bin schwer begeistert, weil er eine andere Kultur etabliert.

      • Hallo Karsten, ich hatte ja nur geschrieben, dass ich nicht mehr 100% von Heidel überzeugt bin, eben weil sich Fehler und Halbwahrheiten häufen.
        Der erste Fehler, war meiner Meinung nach die Vorgabe für den Trainer, wie Fußball zu spielen sei.
        Dann habe ich ja schon aufgeführt, dass man die 6 Millionen für Stambouli hätte sparen können, wenn man den Vertrag von Neustädter verlängert hätte. Letztlich geht es doch für einen Manager darum, die zur Verfügung stehenden Gelder besser einzusetzen, als die anderen Manager. Langfristig wird doch der Meister, der am Besten mit Geld umgehen kann.
        Unter Halbwahrheiten fallen die ganzen angeblichen Ausleihen, es kommt doch nach und nach heraus, dass die geliehenen Spieler letztlich doch gekauft werden müssen. In der letzten PK vor HSV wurde es doch deutlich, dass man Konopylanka nehmen musste, ebenso Baba. Ebenso als Fehler würde ich die Nicht Weiterverpflichtung von Aogo nennen, dem man meiner Meinung nach ein Angebot mit niedrigerem Gehalt hätte machen sollen. Die Verpflichtung von dem Wolfsburger halte ich ebenso für falsch.
        Generell denke ich, dass man eine Firma auf dem aufbauen soll, was funktioniert und das was nicht funktioniert, nach und nach verbessern muß.
        Wirklich funktioniern tut nur alles was mit der Jugendabteilung zusammenhängt. Deshalb sollte man den Spielstil möglichst so weiterführen, wie es in der Jugend gespielt wurde, wenn jetzt die Jugendabteilung das Problem wäre, könnte man den gewünschten Spielstil der Bundesliga Mannschaft der Jugend überstülpen.

      • Hmmm, ich weiß nicht…
        Das mit dem Ausleihgeschäft habe ich eigentlich immer als Finanzierungstechnik verstanden. Ob Stambouli langfristig besser investiert ist als Neustädter wage ich auch zu bezweifeln, aber wir wissen ja auch nicht, was da so passiert ist bis Neustädter nach Instanbul wechselte.
        Bei Aogo finde ich eigentlich nur bitter, dass der ohne Profit geht. Aber seit der von seinem Bänderriss letzte Saison zurückkehrte war der mMn eigentlich keine Bereicherung mehr. Und wer weiß, vielleicht wurde der Trick mit dem niedrigeren Gehalt ja probiert.
        Außerdem finde ich es toll, dass der Manager eine Strategie vorgibt, danach Trainer aussucht und dieser die dann mit Leben füllen kann.

        Insgesamt glaube ich, dass das meiste von außen nicht bewertbar ist, was die Arbeit eines Managers angeht. Was mir gut gefällt ist, dass Heidel eine andere Kultur eingeführt hat. Es werden nicht ständig alle nervös und irgendwelche Leute werden rausgeworfen, wenn mal 2 Spiele verloren werden. Das ist zielführend, glaube ich.

    • Hi Zeitspieler,
      was meinst du eigentlich mit ‚Kann es nicht sein, dass es in Mainz einfach hinter Heidel gute Leute gab, die die Vorarbeit geleistet haben, die Heidel dann verkauft hat?‘?

      Umgekehrt gefragt: Wenn es die gab, wurden die dann nicht irgendwann von Heidel geholt?

      • Hallo FloKno, ist ja nur reine Spekulation. Wenn es die oder den gab, hoffe ich, dass Heidel den mitgebracht hat, nicht dass da noch einer oder mehrere in Mainz geblieben sind.
        Als Beispiel hatte ich ja Jörg Schmadtke und Jörg Jacobs in Hannover genannt, da war ja Jacobs weg und von Schmadtke kam nichts mehr, aus meiner Sicht.

  3. (Hi, ich kann aus Zeitgründen noch nicht alles lesen, und will das später nachholen. Das („Bentaleb“) scheint mir jedoch ein sehr zentrales Thema für die Mannschaftsentwicklung zu sein. Nur zwei spontane Anmerkungen:
    1. B. scheint mir Jermaine Jones doch näher zu sein, als Neustädter. Gut, er ist besser am Ball, als JJ, aber Box-2-Box, Risikoaffinität und vor allem EHRGEIZ sind sehr vergleichbar.
    2. Neustädter ist m. E. vor allem wegen seines persönlichen Auftretens auf Schalke nicht gut angekommen. Kein Malocher, a la Bennie, eher feinsinniger (fast „zarter“), intelligenter Typ.
    3. Entscheidungsschnelligkeit und Risikobereitschaft sind die für mich zentralen (Defizit-)Begriffe im Schalke Mittelfeld – trotz (!) Goretzka und Benataleb.

    • die Anfangsklammer muss natürlich noch geschlossen werden, sorry. „)“

    • Diese Ähnlichkeit zu jones, die so viele sehen, kann ich persönlich null nachvollziehen. Wann hat denn Jones jemals Schnittstellenpässen und diese super schnittigen Diagonalpässe gespielt? Da gab es doch höchstens hohe Verlagerungen in die strategisch falschen Räume. Auch verteidgt Bentaleb sehr mit Stellungsspiel und orientiert sich auch immer wieder in die Viererkette, während Jones entweder im Zwischenlinienraum agierte oder sehr aggressiv im Mittelfeld anlief. Bentaleb hat zwar vielleicht eine aggressivere Zweikampfführung als Neustädter, aber keineswegs ein so aggressiveres Laufverhalten wie Jones, beziehungsweise eines das viel mehr über die Spielintelligenz kommt. Wann hat Jones denn bitte Mal regelmäßig tiefe Aufbausituation durch intelligentes Kombinationsspiel oder Drehungen aufgelöst? Wo gibt es denn bitte Ähnlichkeiten in der Positionierung im Offensivspiel?
      Und hat Bentaleb etwa d die Dynamik eines Jones, bringt er dessen unglaublich druckvollen Läufe mit Ball? Abgesehen, dass ich Bentaleb besser finde, sehe ich auch nur sehr wenig ähnlichkeiten zwischen den beiden. Okay, beide operieren auf dem ganzen Feld, aber auch das auf völlig andere Art und Weise. Was individuelle Fähigkeiten betrifft sind doch eigentlich nur Robustheit und eventuell Zweikampf ähnlich, oder? Passtechnick, Übersicht Dynamik, Spielintelligenz offensiv wie defensiv, technische Fähigkeiten, strategisches Verständnis sind doch alle ziemlich unterschiedlich.

    • @ Karsten
      Das das mit den Ausleihen nur eine Art der Finanzierung war, hat Heidel im Vorfeld doch nie erklärt.
      Ausserdem passt Weinzierl doch nicht zu der vorgegebenen Strategie von Heidel, er hat quasi zuerst einen Trainer eingestellt und danach erst eine Strategie entworfen, die dann zum Trainer gar nicht richtig passt und die noch dazu nicht zu unseren jungen Spielern passt.
      Eine leichte Kritik und eine leichte Unzufriedenheit, bwz. Misstrauen aus der Ferne, ohne wirkliche Einsicht, bedeutet ja nicht einen Wunsch nach Entlassung oder so.
      Trotzdem, nach dieser Saison, würde ich gerne noch einen Manager, quasi als Junior Manager, dazu haben wollen. Und zwar Metzelder, der sollte dann die Nähe zu den Spielern und den Trainern haben, und zudem einen Blick auf die Konkurrenz werfen und nach Fehlern bei uns suchen und ansprechen.
      Generell bin ich aber im Gegensatz zu vielen anderen sehr optimistisch für die nächste Saison, weil wir ein sehr starkes Mittelfeld haben werden, mit unglaublich jungen Spielern, die sich allesamt weiter entwickeln könnten. An einen Weggang von Meyer und Goretzka glaube ich nicht. Dieses Problem wird sicher erst ein Jahr später kommen.

      • Dass Heidel keine Details erklärt, liegt doch wohl auf der Hand. Aber er hat mehrfach erklärt, dass Schalke nicht in der Lage gewesen wäre, die ganzen Spieler direkt zu kaufen und daher zunächst ausgeliehen wurden.

        Wie kommst Du darauf, dass die Strategie nicht zu Weinzierl passt? Was ist denn in Deinen Augen die Strategie? Und worin genau unterscheidet sich das Spiel von Schalke zu dem von Augsburg der letzten Jahre?

        Noch kurz meine Meinung zur Idee eines Junior Managers. Die Kontroll-Instanz des Managers ist der Aufsichtsrat. Rollen müssen einen Kompetenzbereich haben und darin voll bemächtigt sein. Jeweils noch verschiedene Leute auf den Schoß zu setzen um sicher zu gehen, dass da auch kein Unsinn passiert heißt den Leuten nicht zu vertrauen, dadurch passiert Unsinn erst. Kompetenzkämpfe, nicht-verantwortlich-fühlen und alles kommt, wenn Leute in Positionen sitzen, zu deren Ausübung sie aber eigentlich gar nicht ermächtigt sind. Der GAU! Jedes Unternehmen der Welt versucht gerade Hierarchien abzubauen. Mehr Hierarchien sind immer eine schlechte Idee. Wähle die Leute sorgfältig aus und vertraue ihnen. Natürlich nicht blind, aber strukturiert und im Rahmen festgelegter Spielregeln.

      • Ist die Position, die du beschreibst und für die du dir Metzelder wünscht, nicht schon existent und mit Axel Schuster besetzt? So habe ich das wenigstes verstanden mit Nähe zu den Spielern usf.

      • die kono-ausleihe war wirklich ein gewurschtel, zudem sevilla es ja schon zu anfang bekannt gab. verstehe auch nicht ganz das rumgeeier bei kolasinac.
        die idee der vorgegebenen spielausrichtung ist auch schon ein paar jahre älter. wurde nur aus den verschiedensten gründen nie richtig mit leben gefüllt.
        so viele unglaublich junge spiele sind zum vergleich zu anderen mannschaften und früheren spielzeiten auch nicht mehr da. glaube, dass sich das noch weiter verschieben wird. augsburg hat ja auch eine eher erfahrene truppe.
        ich finde bentaleb vereint neustädter und jones recht gut + sehr guter technik.
        @karsten ist es wirklich nötig den rassistischen mist von weinzierl nochmal zu zitieren? ansosnsten schön geschrieben!
        btw heidel hält doch den rekord für die schnellste trainerentlassung auf schalke überhaupt oder irr ich mich? auch so mancher schalker trainerwechsel ging nicht auf das konto des managers, sollte auch mal berücksichtigt werden.

      • Hallo TBR,
        Was meinst Du denn mit „rassistischen Mist von Weinzierl“? Wenn Du Dich auf die den Hinweis auf die „algerisch-französische Mentalität“ beziehst, dann möchte ich doch stark bitten. Kulturelle Unterschiede anzuerkennen sind so ziemlich das Gegenteil von Rassismus. Wir als Gesellschaft hätten viel weniger Probleme mit Rassisten, wenn wir die Unterschiede aneinander anerkennen und uns dafür Wertschätzen, statt alles glatt zu bügeln. Genau das hat Weinzierl gemacht. Er, also Bentaleb, macht das anders als viele hier und das ist auch gut so.

  4. Als ich das alles geschrieben habe ging mir irgendwann durch den Kopf, ob der Vergleich zu Neustädter wirklich ein guter ist. Letztlich bin ich dabei geblieben, weil ich die beiden auf einem ähnlichen Level sehe was Pressingresistenz und Balance-Verhalten angeht. Beide sind geballte Spielintelligenz, der eine eben nur vertikal, wo der andere eher horizontal ist.
    Irgendwo im Kontext Spielverlagerung habe ich mal die Analogie Jäger und Sammler aufgeschnappt. Das trifft’s vielleicht recht gut hier. Bentaleb eher der Jäger, Neustädter eher der Sammler.

    Zu Jermaine Jones fehlen mir da aber ehrlich gesagt die parallelen, außer, dass beide auf der gleichen Position ihren Einsatz finden. Jones schnappte sich meist den Ball und prügelte ihn nach vorne. Mal per Weitschuss, mal per Spurt über’s halbe Feld. Und auch, wenn dessen Spielstil sicherlich seine Berechtigung hat und auch gut eingesetzt werden kann, wirklich von Spielintelligenz zu reden halte ich bei Jones für übertrieben. Zumindest weit weg von dem was Bentaleb und/oder Neustädter auszeichnet.

    Finde aber super, dass das alles hier so diskutiert wird. Die Schalke-Taktik-Community lebt! 😀

    • ..ähmm … nein!

      • Ich find’s schade, dass Du statt mit Argumenten mit einem Garfield-Zitat kommst. Ein andermal vielleicht.

      • Um vielleicht etwas zu vermitteln: Ich finde den Erklärungsansatz, Nabil Bentalebs Temperament mit seiner geografischen/ethnologischen Herkunft zu erklären auch nicht besonders passend, das hat immer einen Hauch von NAFRI-Diskussion.

        Ob man das im Umkehrschluss Rassismus nennen muss, ist dann wieder eine andere Frage. Rassismus im strengen Sinne würde ja bedeuten, dass Bentaleb ein Hitzkopf ist weil er halt algerische Eltern hat, sein Verhalten also angeboren ist.
        Wenn man aber sagt, dass Bentaleb vermutlich in einem temperamentvollen Umfeld sozialisiert wurde, und so verstehe ich Karstens und letztlich auch Weinzierls Kommentar, dann finde ich das deutlich weniger problematisch.

        Da wir das aber letztlich alle nicht wissen (Bentaleb wurde in Lille, Nordfrankreich geboren und wir wissen nicht welche Schule er besucht hat, am ehesten wohl noch Weinzierl), bin ich persönlich vorsichtig mit solchen Kausalitätsvermutungen.

      • Das Problem in Diskussionen wie diesen ist mMn immer eine starke schwarz-weiß-Denke. Rassismus ist ein riesen Problem in unserer Geselschaft, der Menschheit als solches. Weil Menschen auf Grund von Unterschiedlichkeit diskriminiert werden. Das ist gräßlich. Da sind wir uns alle einig.

        Kulturelle Unterschiede anzuerkennen ist aber wichtig um diese nicht zu verteufeln. Jeder hat so seine Kultur, die sich in Persönlichkeitseigentschaften wiederspiegeln. Das wissen wir aus der Psychologie. Wir müssen dabei eben nur verstehen, dass nicht das eine besser ist als das andere, sondern eben nur anders. Genau das hat Weinzierl mit seiner Aussage gemacht. Bentaleb habe eine etwas andere herangehensweise, als der typisch deutsche Sicherheitsfußball (Vorsicht, Stereotyp!). In dem Interview und insgesamt hat Weinzierl sich ja extrem lobend über Bentaleb geäußert, eben aber auch Verbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt. Für mich ist das das Gegenteil von Rassismus, weil er eben nicht, wie Du, Flo, ja auch schon geschrieben hast, irgendwen in ein negatives Licht gestellt hat, sondern viel mehr herausstellte, was die Besonderheit ist.

        Sicher, man kann jetzt streiten, ob die kulturellen Unterschiede durch die Nationalität begründet werden müssen. Das ist in meinen Augen aber eine Scheindiskussion und schwarz-weiß-Denke. Denn natürlich bietet die ethnische Herkunft eines Menschen nur grobe Rückschlüsse auf dessen Kultur zu. Verallgemeinerungen helfen uns allerdings manchmal bei der Orientierung. Stereotype als solche sind auch kein Problem, solange eben keine Vorurteile daraus werden. Das ist selbstverständlich ein schmaler Grat und erfordert viel Fingerspitzengefühl.

        Diversity, also Vielfalt, ist eins der großen Themen unserer Zeit. Wir sind alle unterschiedlich, das müssen wir nicht nur akzeptieren, sondern sogar feiern. Positiv herausstellen. Denn nur durch Diversity werden wir Equality erreichen, gleiche Chancen für alle.

  5. @ FloKno
    „Warum will man denn Goretzka weiter vorne spielen lassen? Tore schießen und letzte Pässe sind jetzt nicht unbedingt seine Paradedisziplin.“
    Im Grunde hast Du Recht, ich würde Deinen zweiten Satz aber so formulieren:
    Tore schießen und letzte Pässe sind noch nicht seine Paradedisziplin.
    Ganz generell, darf man weder bei Goretzka, noch bei Bentaleb und Meyer, das Alter vergessen. Sie sind alle sehr jung und ich denke Spielgestalter müssen ein Stück weit heranreifen. Ich sehe jedenfalls Goretzka auf Dauer nicht als 6er. Allerdings hätte ich den jungen Schweinsteiger auch nicht als 6er in einem WM-Finale gesehen.

  6. @ FloKno

    „Was Stindl angeht: ich meinte gar nicht Stindl als Person, aber interessante Geschichte.
    Nur: wer im Schalker Kader könnte denn genauso spielen?“

    Die Frage ist für mich ganz einfach: Goretzka
    Wenn man die Entwicklung von Stindl betrachtet, hat der bei Hannover unter Slomka die verschiedensten Positionen bespielt. Slomka hat ihn als 6er eingesetzt, dann oft rechts offensiv, dann als 10er. Er hat immer das Talent von Stindl gefördert, die richtige Position für Ihn hat dann Korkut gefunden. Stindl hat übrigens lange gebraucht, bis er torgefährlich wurde, ich denke da gehört auch noch ein bischen Ruhe und Übersicht dazu, die Goretzka noch bekommen wird. Generell halte ich Goretzka für ungleich talentierter als Stindl, weil er sehr viel schneller ist. Aber in jedem Fall ist der Lars Stindl ein sehr netter Sportler. Übrigens hatte Favre in Mönchengladbach ebenfalls große Probleme, eine gute Position für Stindl zu finden, die Niederlagenserie der Gladbacher Anfang letzter Saison, fällt mit der Eingliederung vom damaligen Neuzugang Stindl in den selben Zeitraum. Allerrdings hatten die ja auch gerade Ihren 6er verloren.
    Genaus so spielen wie Raffael kann Max Meyer, wenn er sich weiter entwickeln kann, wird er stärker, als Raffael. Das Problem bei Meyer sehe ich, dass er mittlerweile den dritten Trainer hat, der wenig mit ihm anfangen kann und der ihn nicht fördert, sondern bremst. Zusätzlich kommt der schwache Abschluß, der unbedingt trainiert und verbessert werden muss. Zweimal in dieser Saison hat Weinzierl Max Meyer öffentlich und viel zu hart kritisiert. Das erste Mal nach dem Pokalspiel in München, das zweite Mal bei einer Pressekonferenz vor kurzem, er hat dort gesagt, dass er sich einen zweiten Goretzka wünscht, den würde er dann als 10er einsetzen, was ja nichts anderes als eine sehr deutliche Kritik an Meyer ist, zumal der eine sehr gute Spielübersicht hat und auch oft keine wirklich guten, mitdenkenden Mitspieler hat. Trotzdem glaube ich an eine Annäherung von Weinzierl und Meyer in der nächsten Saison.

    • Ich glaube nicht, dass MM noch ein Saison bei uns spielt. Ich tue mich wahnsinnig schwer, ihn wirklich einzuordnen, weil ich nicht so ein Taktikfuchs bin. Gestern dachte ich, er könne vielleicht gut zur Hertha passen: die spielen wahrscheinlich Europe-League und taktisch eher kompakt und ballsicher, dass kommt ihm entgegen, weil er m. E. mit dem geforderten schnellen und laufintensiven Umschaltspiel bei Schalke überfordert ist. Oder direkt der Sprung ins Ausland? Ob man ihm (und er sich) nach den schwachen Leistungen das zutraut? Er wirkt sehr unzufrieden – wie Draxler in den letzten Schalke-Tagen.

      • ich finde der Unterschied zwischen Meyer und Draxler ist, dass Draxler hier schon mit 19 Jahren Weltklasse-Spiele abgeliefert hat und mit 20 im Grunde schon der Mannschaft entwachsen war.

        Bei Max Meyer bin ich mir überhaupt nicht sicher, ob ein Weggang gut für ihn wäre oder ob er dann als neuer Marko Marin endet.

      • neue Meta-Diskussion: Beim allerersten Spiel von Ivan Rakitic für S04 habe ich mich zur Behauptung verstiegen, der sei (vom Spielverständnis her) schon zu dem Zeitpunkt zu intelligent für das Team gewesen: Ich erinnere mich an Moves & Pässe, die keiner nachvollzogen hat. Geht es allen nachfolgenden „Spielmachern“ auch so? Die passen nicht in den Rumpelfussball der anderen neun?

      • Ich habe Jule eigentlich nie als Spielmacher gesehen. Das spielt er ja jetzt auch nicht bei PSG, wie ich das sehe.
        Ich finde es war gerade der Witz an ihm, dass man ihn nicht auf eine Position festnageln konnte, weil er eine unglaubliche Weiträumigkeit in seinem Spiel hat, die z.B. Meyer komplett abgeht.

        Goretzka hat gegen Ajax ja so ähnlich das Tor geschossen: Ball hinten erobert, nach vorne getragen, Doppelpass, Abschluss. Bei Jule war das ähnlich, nur mit mehr Tempo, mehr Finesse im 1:1 und deutlich stärkerem Abschluss.

        Wie wenig auf Schalke letzten Endes aus Jule rausgeholt wurden ist schon fast zum Verücktwerden. Gut, immerhin hat man überhaupt etwas aus ihm gemacht, siehe Özil. Jule wird wahrscheinlich für sehr sehr lange Zeit der letzte Fußballer mit dieser Klasse sein, der trotzdem so lange auf Schalke gespielt hat.

        Aber zurück zu Meyer: Meyer mit Draxler oder Özil zu vergleichen nützt nichts, einfach weil er kein Spieler mit Weltklasse-Potential ist. Ich sehe ihn eher als etwas höher veranlagten Alexander Baumjohann oder so. Jedenfalls hat er dieses Rumgeierre nicht verdient. Ich würde mir wünschen, dass er bleibt, aber nur unter der Voraussetung dass Weinzierl für nächste Saison einen konkreten Plan dafür hat was er mit ihm anstellen möchte.
        Spieler nur zu halten weil sie die Jugend durchlaufen haben macht doch 0 Sinn.

      • Bei der Perspektive auf Draxler aber auch bei dem Meyer-Draxler-Vergleich kann ich nicht bzw. fast nicht zustimmen. Draxler hatte meiner Meinung nach immer sehr viele Schwächen, die man jetzt eigentlich auch bei PSG sieht. Er hat auch extrem viele Stärken, aber dass bei Schalke nicht alles aus ihm rausgeholt wurde kann ich nicht bestätigen. Er war eben sehr inkonstant und auch nochmal deutlich jünger als er bei uns gespielt hat. Die anderthalb Jahre Erfahrung die er jetzt mehr hat, die machen auf dem Niveau schon viel aus. Wobei ich mir auch jetzt noch nicht ganz sicher bin, ob er sich langfristig bei PSG durchsetzen wird, auch wenn ich mich sehr für ihn freuen würde.
        Vom Talent her sehe ich Meyer tatsächlich stärker, wenn auch nicht viel. Hat sich halt bei Schalke in manchen Aspekten eher verschlechtert, anders als Draxler, der sich weiterentwickeln konnte. Eigentlich hätte Meyer schon vor Jahren nach Spanien wechseln sollen, oder irgendwann hin wo man besseres Positionsspiel zeigt. Oder man verbessert da mal auf Schalke was, aber vermutlich wird das ja nix…

      • Hi Elias,
        an was misst du denn das Talent von Max Meyer?

      • Seine spielerischen Fähigkeiten und seine Spielintelligenz. Robustheit würde ich da zum Beispiel nicht dazu zählen. Torschuss wird sicher nicht mehr so krass, aber auf ein ordentliches Niveau wird der den schon auch noch bringen. Eigentlich hat er glaube ich auch gar keine so schlechte Schussquote, er agiert halt nur wenig mit Läufen in den Strafraum und schießt deswegen einfach sehr selten, bzw. sammelt eh weniger Scorer. Vermutlich würde der selbst bei perfekter Einbindung und sehr guter Weiterentwicklung eher so zehn oder vielleicht maximal zwölf Scorer sammeln, vielleicht auch weniger.
        Interssant zu beobachten ist halt, dass sich sein Bewegungsspiel inzwischen teilweise in eine echt merkwürdige Richtung entwickelt. Na ja, ich fürchte inzwischen leider auch, dass der Junge niemals den Durchbruch machen wird, der möglich gewesen wäre.

  7. @ Karsten

    Erstmal Dank für Deine Antworten!
    Zu der vorgegebenen Strategie von Heidel und dem Trainer Weinzierl würde ich mich gerne später nochmals äußern.

    Zu der Idee des Junior Managers nur kurz, es ist doch keine Kontrollinstanz gemeint, wenn man
    einen zusätzlichen Manager installieren würde, mehr ein Notausgang, wenn es sich bei Heidel doch um einen Blender handeln sollte. Warum soll man nicht auch Manager selbst ausbilden?
    Warum soll man nicht jemanden beschäftigen, der sehr viele Fußballer, Trainer, Manager persönlich kennt? Es entsteht keine neue Hierarchie, wenn man neben den Sportdirektor noch jemanden installiert unter Heidel.
    „Wähle die Leute sorgfältig aus und vertraue ihnen.“ Das ist das Schwierigste überhaupt für Unternehmer.

    • Hmmm, Interessantes Thema. Vermutlich müsste man mal gucken, wie da die Abläufe im Detail sind und was da sinvoll wäre. Kann mir aber jedenfalls nicht vorstellen, dass da jemand wie Metzelder, der ja schon sehr aktiv in allen möglichen Bereichen ist, sich hinter jemanden wie Heidel hinsetzt. Glaube die Manager-Ausbildung bei einem so großen Verein ist eher schwierig.

      Aber das mit der Strategie und dem Trainer fände ich wirklich interessant. 🙂

      • Ich hatte gelesen, das Metzelder in Frankfurt mit im Rennen war, dass Metzelder aber von sich aus abgesagt hatte, da er sich die Nachfolge von Bruchhagen noch nicht zutraut. Metzelder ist aber auch nur ein Beispiel.

    • Keine Führungspersönlichkeit wird es zulassen, dass man ihr einen potentiellen Nachfolger an die Seite stellt. Außer, sie erkennt die fachliche Notwendigkeit von selber.
      Heidel ist kein Blender. Das verbietet sich vor dem nachweislichen Erfolg, den er in Mainz hatte. Ich bin total allergisch gegen die Fixierung auf Einzelpersonen. Schalke 04 (wie jede Organisation) ist ein System, an dessen Erfolg (Tabellenplatz? Umsatz? Begeisterung?) viele und vieles Teil hat: Spieler, Präsident, finanzielle Rahmenbedingungen, Einstellung der Fans, Tradition, Werte, Manager usw usf. Nur wer das versteht und orchestrieren kann, wird erfolgreich sein. Jetzt kommen ein, zwei Saisons, die für den Verein für viele Jahre entscheidend sind. Gelingt es, ein kaufmännisches Konzept und eine Idee vom Fussball zu etablieren, die uns wieder ins obere Tabellendrittel bringt? Alles andere ist vermessen.

  8. Sehr interessanter Artikel, sehr interessante Diskussion. Neben dem Autor stimme ich vor allen Dingen in Vielem FloKno zu.

    Zum Neustädter-Vergleich möchte ich den vielen rein fußballerischen Dingen folgendes pointiert daneben stellen: Neustädter ist ein lieber Spieler, Benteleb ein böser. Wenn Neustädter mit den vielen leitenden Elementen arbeitet, den Zweikämpfen eher aus dem Weg geht, ist es fußballerisch durchaus sinnvoll, aber dem Gegner tut es erst einmal nicht weh. Wer gegen Bentaleb spielt, weiß, dass es unter Umständen knallt (Vielleicht sind wir näher an Effenberg als an Neustädter). Man spürt diese physische Präsenz auf dem Platz, die hat Ausstrahlung, für den Gegner, für die eigene Mannschaft. Und genau dieses Element, physische Präsenz gepaart mit fußballerischer Klasse ist, was Heidel gerne auf Schalke sehen will, was Neustädter nicht hatte (damit nehme ich keinen Deut von der fachlichen Autorität, die Neustädter auf dem Platz ausstrahlte, weg).

    Auch wenn es komplett größenwahnsinnig klingt, fällt mir bei Bentelebs Spiel oft ein anderer Spieler ein, nämlich Toni Kroos. Bentaleb lässt sich auch gerne nach links hinten fallen, um sich dem gegnerischen Pressing zu entziehen und von dort das Spiel zu organisieren. Natürlich ist Bentaleb Längen entfernt vom makellosen, perfekten Passspiel Toni Kroos, ist viel unruhiger, geht mehr Risiko ein etc., aber von der Rolle her als Taktgeber mit hoher Pressingresistenz und einem sehr ausgeprägten (nicht wie bei Toni Kroos perfekten) Raumgefühl, kommt er ihm nahe.

    Zu Goretzka: Neben seinen unglaublichen defensiven Stärken und seinem Verbindungsspiel ist er dann stark, wenn er mit Anlauf kommt, ob mit Ball oder ohne. Wenn auf jemanden die Bezeichnung Box-to-Box-Spieler passen sollte, dann wohl auf ihn. Nun kann man fragen, ob ein Box-to-Box-Spieler ein Achter oder ein Sechser ist, die Frage hängt dann eher von seinen Defensivaufgaben ab. Ich finde solche Spielweisen schön, bei denen 6er und 8er in ihren Aufgaben rotieren und sich gegenseitig balancieren. Das kann man mit Beiden, Goretzka und Benteleb, gut machen, so was haben wir auch in der Hinrunde verstärkt gesehen, als sich Benteleb deutlich häufiger im und um den Strafraum hat sehen lassen, und Goretzka dann situativ den tieferen Part genommen hat. Entsprechend mehr Torbeteiligung gab es dann durch Benteleb. Weinzierl hat dann in der Rückrunde die Rollenverteilung klarer vorgenommen mit Goretzka in der offensiven, Bentaleb in der defensiven Rolle.

    Spekulatius: Zusammen mit Neustädter würde Bentaleb sich wieder weiter vorne einschalten. Ich weiß nicht. Ein starker Stambouli, ein körperlich robuster Meyer (da haben wir in den letzten Spielen von Meyer Fortschritte gesehen), Bentaleb und Goretzka: Das Viereck sollte doch zentral eigentlich die Liga rocken. Da brauche ich keinen Neustädter mehr.

  9. 25ClicksOnYoutube

    18. Mai 2017 — 02:43

    Hallo Karsten,

    und einen Gruß in die Diskussionsrunde. Ich finde das Spielerportrait zu Nabil Bentaleb gelungen und den Vergleich zum Neustädter sehr interressant. Es macht absolut Sinn ausgehend vom Profil Neustädter, das Profil Bentaleb zu beschreiben und dennoch empfinde ich den Vergleich der beiden als sehr schwierig. Um mich kurz zu fassen, die beiden mussten ( im Falle Neustädter ) und durften ( im Fall Bentaleb ) sich in zwei ganz unterschiedliche Richtungen Entwickeln. Als Neustädter zu uns kam war er ein Spielmacher auf der 6er Position ( Deep-Lying Playmaker) und musste im Verlauf der Zeit immer häufiger zum Balancespieler bzw. Recyclespieler werden. Wenn die Spieler den Ball vom hinteren zum mittleren Drittel den Ball befördern wollten, dann ging es meistens über ihn. Wenn ein Angriff ausgeführt wurde sicherte der Roman ab und konnte angespielt werden um so den Ball zu nehmen und weiterzuverarbeiten, mit dem Ziel in erster Linie für die Stabilität zuständig zu sein und nicht um selber Angriffe einzuleiten.

    Anders ist das Ganze bei Bentaleb. Der war vorallem in seiner Zeit bei Tottenham für den Spielaufbau da, aber vorallem auch um Abzusichern, Stabilität zu geben – nicht jedoch um sich beim Offensivspiel einzubringen, diese Qualität hatte er vermutlich immer schon durfte sie aber erst auf Schalke in den Vordergrund bringen. Dadurch hat sich sein Arbeitsprofil und seine Rolle vollständig verändert als im Vergleich zu seinen Tottenham Zeiten. Vielleicht um das ganze besser auszudrücken verwende ich mal einpaar überzogene Vergleiche, ohne jetzt die Qualitäten der genannten Spieler miteinander Vergleichen zu wollen.
    Bentaleb war Tottenhams Jermain Jones mit Spielaufbau Qualitäten und wurde bei uns zu Andrea Pirlo mit gutem Defensivverhalten. Neustädter war zu Beginn bei uns Gladbachs Dahoud und wurde dann zu Arsenals Arteta ( ich hoffe der sagt euch noch,mir fällt leider kein besserer Vergleich ein). Mit der These kann ich natürlich komplett falsch liegen, aber was haltet ihr den von der Idee?

    Es wurden sehr viele interessante Ideen hervorgebracht im Portrait und in der Diskussion in den Kommentaren, Ich würde gerne zu einigen was schreiben und um das leserlicher zu tun mach ich das nicht als Fließtext sondern vereinzelt. Auch will ich mich nach reiflicher Überlegung nur auf die Taktischen- bzw. Fussball- Elemente beziehen, als Schalker mit Schalkern im Internet über Schalke reden artet immer in unkonstruktive, unreflektierte Diskussionen aus und dafür gibt es genug Foren auf der Welt, die es zu umgehen gilt :D.

    Eure Bentaleb/Neustädter Idee: Ganz ehrlich ich glaub das wäre im eigenen Ballbesitz gut, aber gegen den Ball nicht. Versteht mich nicht falsch Neustädter ist bzw. war in meinen Augen ein echt guter Bundesligaspieler der in der richtigen Kombination auch bei uns sehr stark war. Er hat ein sehr gutes Passspiel bzw. Passverhalten ist aber vom defensiven Positionsspiel nicht besonders gut. Beim Positionsspiel sind zwei Dinge besonders wichtig, erkennt der Spieler die zu füllenden Räume und kann er diese auch geschickt verteidigen( mach ich innen zu?, bedräng ich nur? kann ich den direkten Zweikampf nehmen und habe ich die Fähigkeiten dieses zu gewinnen?). Das erste gehört zu Romans stärken das zweite aber nicht, und das in Kombination mit Bentaleb wäre schwierig bei einer Viererkette. Anders könnte das Ganze bei einer Dreierkette aussehen ( z. B. bei einem 3-2-3-2) hier wären die beiden vor allem im Zentrum durch den zusätzlichen Innenverteidiger abgesichert, sodass sich das Problem nullifizieren könnte. Wäre spannend gewesen das in echt und ausserhalb der Theorie zu sehen. Aber ich finde eigentlich die Doppelsechs mit Stambouli bzw. Goretzka an Bentalebs Seite als sehr stark, ich weiß gar nicht ob man das noch verbessern müsste/ sollte.

    Zu Elias Meyer-Draxler Vergleich: Ich finde Meyer ist ein in der Summe betrachtet guter Bundesligaspieler aber leider ein Mann der Extreme. Die körperlichen Defizite sind Sachen, an dennen man arbeiten kann und sollte und auch das Verhalten wie ein Spieler mit diesen umgeht oder verbessert reflektiert die Qualität des Spielers, wenn nicht sein Talent. Korrigier mich bitte wenn ich falsch liege oder etwas fehlinterpretiere, aber Ich lese auch aus dem Satz „Na ja, ich fürchte inzwischen leider auch, dass der Junge niemals den Durchbruch machen wird, der möglich gewesen wäre.“ etwas Frust raus, so als hätte Schalke als Verein in seiner Entwicklung versagt und diesen Punkt kann ich absolut nicht nachvollziehen. Nach über 100 Bundesliga- Einsetzen kann und sollte ein Verein wie Schalke auch von seinen Spielern erwarten, dass er sich mit seinen Defiziten auseinandersetzt und an diesen arbeitet, und da kam leider vorallem im Vergleich zum Draxler und vorallem Sane zu wenig. Der Meyer ist sehr spielintelligent und kreativ, vielleicht sogar mehr als Draxler dennoch finde ich das die beiden sich schon gänzlich von ihrem Spielverhalten unterscheiden. Meiner Meinung nach wurde Draxler zu einem Spieler der die Nähe zum Tor sucht und dafür die richtigen Qualitäten, während Meyer primär versucht die Mitspieler in Szene zu setzen. Ich finde die allgemeine Enwicklung von Draxler auf Schalke schon sehr erstaunlich, binnen kurzer Zeit, mit dem ihm zur Verfügung stehenden Mitteln, hat er sich zu einem Spieler auf Internationalen Niveau entwickelt. Der Meyer ist weit entfernt von diesem Niveau auch vom Spielerischen her.

    • Hallo 25Clicks,

      Ich will mich jetzt mal nur zu dem Meyer-Draxler-Vergleich äußern. Ich stimme dir im Prinzip in deiner Charakterisierung zu, dass Draxler eher die Nähe zum Tor sucht, bzw. zumindest sehr durchbruchsorientiert ist. Meyer hingegen versucht, aus der Tiefe die Mitspieler einzubinden und den Ball zu halten und Angriffe neu einzuleiten. Er ist ein Verbindungsspieler im Zentrum, dazu habe ich auch in meinen Analyse zu Frankfurt (Abschnitt Meyers Nicht-Werk und Geisens Beitrag) sowie Hoffenheim (Brotlose Schalker Dominanz) ein bisschen was ausgeführt. Aus dieser Perspektive ist es meiner Meinung nach auch völlig sinnlos ihn an Toren oder Scorer-Punkten zu messen, selbst wenn er die bestmöglichste Version seines Spielertyps wäre, hätte er davon nur sehr wenig.
      Was Meyer als Spielertyp überhaupt bringen kann macht er extrem gut. Meiner Meinung nach wirklich übertrieben gut. Das bringt halt nur wenig, weil Schalke zentral meist schlecht gestaffelt ist, kein funktionierendes Positionsspiel und keinen Kombinationsfokus hat. Oben schrieb ich, dass Meyer bei Schalke schlecht eingebunden wurde, man kann den Spieß aber auch umdrehen und sagen: Meyer ist als Spielertyp für Schalke nicht wirklich geeignet. Er wurde durchaus immer wieder fokussiert eingesetzt, ich würde ihn in der Hinrunde von Breitenreiter als stärksten Schalker Spieler bezeichnen, aber ist dabei eben kaum sonderlich auffällig. Dein Argument, dass er ja nicht an sich arbeitet, kann ich auch nicht nachvollziehen. Er wurde im defensiven Bewegungsspiel besser, in seinen Kernfähigkeiten wurde er auch besser, er wurde robuster. Da gibt es sicher noch Spielraum nach oben, aber gerade in den offensiven Zweikämpfen kann man ihn nicht mehr einfach so durch körperliche Überlegenheit übertrumpfen.
      Und Meyer hat sein offensives Bewegungsspiel sehr verändert. Darauf bezog sich allerdings auch „Na ja, ich fürchte inzwischen leider auch, dass der Junge niemals den Durchbruch machen wird, der möglich gewesen wäre.“ Du hast es so verstanden, dass Schalke in seiner Entwicklung versagt hat, vor allem meinte ich, dass die Schalker Zeit seiner Entwicklung nicht wirklich zuträglich war. Sein offensives Bewegungsspiel ist inzwischen sehr daran angepasst, dass man das Zentrum nur wenig nutzt, er weicht im letzten Drittel viel nach Außen auf, öffnet dabei sogar teilweise durch entsprechende Läufe Räume für die Flügelspieler oder Außenverteidiger. Das ist auf Schalke ganz sinnvoll, aber bei einer optimalen Einbindung wäre es kontraproduktiv. Daher meine Befürchtung, dass Meyer sich weiter in eine für ihn schlechte Richtung entwickelt, wenn er bei Schalke bleibt.

      • 25ClicksOnYoutube

        18. Mai 2017 — 13:46

        Hallo Elias,

        ich glaube mein Kommentar kam etwas überspitzter rüber als er eigentlich sollte. Ich wollte hauptsächlich darauf aufmerksam machen, dass die Qualität eines Spielers an mehr Faktoren gemessen wird, als nur das Talent. Ich muss zugeben, dass eine einseitige Bewertung nicht deine Absicht war und auch nicht deinen Kommentar wiederspiegelt, aber ich finde es wichtig eine Vielzahl von Faktoren zu berücksichtigen bei der Bewertung von Spielern – gute und schlechte Aspekte ( Selbst ein C.Ronaldo fällt durch seine mangelnde Pressingressistenz sehr oft auf). Auch merke ich, dass es so rüber kam als würde ich denken, dass der Meyer gar nicht an sich gearbeitet hat und den Schuh muss ich mir selber anziehen, das reflektiert nicht gänzlich meine Meinung. Ich bemängel zwar die Anpassungsfähigkeit von Meyer auf das Schalker Spiel, aber nur im Vergleich zu Draxler, würde ich den Vergleich mit einem anderen Bundesligaspieler aufziehen so wäre mein Fazit ein anderes/ besseres. Ich finde bei der Bewertung eines Spielers geht es z. B. auch um die Beantwortung der Fragen “ Was sind die Arbeitspakete des Spielers?“ , „Wie gut oder schlecht kann der Spieler diese Arbeitspakete bearbeiten?“, “ Welche Möglichkeiten besitzt der Spieler(Wenn man z. B. mit Graupen kickt sieht man selber natürlich auch nicht gut aus)?“und „Wie geht der Spieler mit seinen Stärken und Schwächen um, oder wie sieht die Entwicklung des Spielers aus?“, natürlich gehören da noch mehr Fragen zu aber ich wollte mich jetzt nur auf Beispiele beschränken. Und ist der Draxler im Vergleich, und das ist natürlich auch Geschmackssache oder persönliche Präferenz/Meinung, meiner Meinung nach stärker gewesen. Nicht weil der Meyer da schlecht war, im Gegenteil er ist sogar gut, sondern weil der Draxler da echt herausragend war. Auch eine Sache die ich nochmal gerne kommentieren möchte ist deine Scorer-Werte Aussage, denn damit hast du absolut Recht. Die Leistung eines Spielers ist nicht ausschließlich reduzierbar auf die Scorer-Werte, das wird keinem Fußballer auf der Welt gerecht. Wenn man ein Fußballspiel reduziert auf das Endresultat oder die Anzeige auf dem Videowürfel, dann ignoriert man leider das beste in den 90 Minuten zwischen Anpfiff und Abpfiff.

        Um wieder zu Meyer zurückzukommen. Ich glaube du fasst es mit den zwei Sätzen, die ich gerne etwas anpassen würde ,“ Meyer ist als Spielertyp für Schalke nicht (ideal) geeignet.“ und „Daher meine Befürchtung, dass Meyer sich weiter in eine für ihn schlechte Richtung (, aber für Schalke passende Richtung) entwickelt, wenn er bei Schalke bleibt.“, gut zusammen.

      • Hallo 25Clicks,

        Das ist ein sehr schöner Kommentar, dem ich glaube ich fast absolut zustimmen kann! Da hast du wirklich die sinnvolle Synthese beider Positionen gefunden.

        Ich glaube unser einziger relevanter Unterschied in der Bewertung liegt vielleicht daran, wie sehr sich Draxler an das Schalker Spiel angepasst hat. Ich finde eigentlich, dass er meistens recht gut hineinpasste. Er selbst ja das nicht so, aber eigentlich wird er jetzt bei PSG auch sehr sehr ähnlich genutzt, einfach jeden Fall nicht so wie er es eigentlich wollte.

        Aber vielleicht sollten hier auch erstmal einen Schlussstrich unter diesen Teil der Debatte ziehen, das ist ja alles sehr OT.

  10. Moin Karsten,
    Ich denke, dass eine Doppel – 6 mit Bentaleb und Neustädter auf dem Papier gut funktioniert hätte, vermute allerdings, dass in dem ein – oder anderem Spiel die Geschwindigkeitsdefizite zu signifikant gewesen wären. Im modernen Fußball geht nahezu alles in Richtung Tempo Fußball, 6er wie Keita, Vidal und auch Goretzka beherrschen das Zentrum – alles Spieler mit guter Physis und hohem Tempo. Natürlich haben alle 3 genannten Spieler auch ein unfassbar hohes Spielverständnis, jedoch ist selbiges nach meinem Empfinden Grundgerüst eines jeden Spielers in zentraler Rolle. Deswegen wäre mir die genannte Doppel – 6 schlicht und ergreifend einen Tick zu behäbig, um auf Topniveau mitzuhalten – vorallem wenn man davor Max Meyer spielen lassen würde, der auch nicht unbedingt durch sein hohes Tempo Akzente setzt. Vielmehr würde ich für eine Doppel – 6 Bentaleb Goretzka plädieren. Ein Spielmacher mit unfassbar gutem Auge und ein dynamischer Zweikämpfer, der mit einem Antritt das komplette Mittelfeld stehen lassen kann. Davor Meyer mit seiner Spielintelligenz – und schon würde ich von einem überragendem Mittelfeld sprechen.
    Neustädter dagegen sehe ich seit geraumer Zeit lieber in der Innenverteidigung – ruhige Spieleröffnung auch bei Gegenpressing, gutes Stellungsspiel, gute Zweikampfqouten.
    Bitte versteh mich nicht falsch, ich könnte mir die Doppel – 6 Nabil & Roman schon gut vorstellen, aber ich denke mit Goretzka haben wir jemanden, der diese Position neben Bentaleb wie kaum ein Zweiter bekleiden kann. Ein mehr als passendes Dou.
    Generell finde ichs jedoch schwierig, da eine verallgemeinerung zu finden. Es gibt Gegner in der Bundesliga, wo auch ein Geis auf der 6 für mich Sinn macht. Auch ein Stambouli hat uns in diversen Spielen auf der 6 gut getan, gerne auch mal ohne Bentaleb neben Goretzka. Ich denke, dass Weinzierl da für jeden Gegner in der kommenden Saison die richtige Mischung finden muss, und bin zuversichtlich, dass er das auch schaffen kann.
    In dem Sinne eine entspannte Soommerpause und liebe Grüße,
    Jasper.

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