Seit dem Spiel in Saloniki ist viel passiert. Innerhalb von nur drei Tagen stellte der FC Schalke 04 zwei höchst interessante Neuzugänge vor: Dennis Aogo und Kevin Prince Boateng. Beide haben unbestritten enormes Potential, welches das genau ist, möchte ich hier mal beleuchten.

Dennis Aogo

Unsere neue Nummer 15 ist 26 Jahre alt und hat bereits 127 Bundesligaspiele (für Freiburg und Hamburg), sowie zwölf Nationalmannschaftsspiele bestritten. Die letzte Saison für den HSV lief ja generell eher ungünstig, darum sind die Zahlen sicherlich mit Vorsicht zu genießen. Dennoch hatte Aogo eine sehr geringe Fehlpassquote – 85,6% der Bälle kamen beim Mitspieler an. Zum Vergleich, das ist etwas mehr als Höwedes (84,7%) und deutlich mehr als Jones (75,6), Fuchs (77,8%) und Uchida (75,8%) im gleichen Zeitraum hatten. Wir können also von einer gewissen Passsicherheit ausgehen.

In seinen 22 Auftritten der letzten Saison hat er lediglich zwei gelbe Karten kassiert, genauso viele Tore geschossen und vier Vorlagen gegeben. Aogo spielte beim HSV in der letzten Saison meist auf der linken Außenbahn, bzw. im linken Halbraum vor Jansen. Allerdings Defensiv, also nicht wie etwa Draxler, obwohl die Position schematisch die gleiche ist.

Und das kommt nicht von ungefähr, seine defensiven Statistiken lesen sich sehr Souverän und können durchaus mit den besten der Liga mithalten. Wenn wir uns beispielsweise die abgefangenen Bälle oder die Anzahl verlorener Zweikämpfe (genauer: Wie oft konnte der Gegner vorbeiziehen?) ansehen, steht Aogo (49, 14) im Vergleich zu Lahm (48, 32) oder Piscek (46, 38) recht gut da, trotz sechs Spielen weniger.

Das ist vermutlich einer der Gründe warum Aogo auf Schalke linker Außenverteidiger spielen soll. Obwohl er als 8er beim HSV seine Idealposition gefunden zu haben scheint:

„Der ehemalige Nationalspieler ist eher ein bewegungsfreudiger und aktiver Spieler, dem daher in einer Viererkette das eine oder andere Mal Fehler im Stellungsspiel passieren, doch in einer derart vielseitigen Rolle kann er nicht nur seine Übersicht und intelligente Anpassungsfähigkeit nutzen, sondern seine manchmal etwas hyperaktive und wankelmütige Bewegungsweise wird hier sogar benötigt.“
Spielverlagerung

Wir wissen also, dass Aogo Kombinationsstark und Passsicher ist mit stärken in der Defensive und im Aufbauspiel. Außerdem schlägt er viele gute Flanken. Rein von der Faktenlage klingt das also wie eine enorme Verstärkung für die Blauen. Ich bin gespannt wie er sich in die 4er-Kette integriert und wie das Zusammenspiel mit Draxler funktioniert. Fest überzeugt bin ich davon, dass wir an der Verbindung Aogo-Neustädter viel Spaß haben werden.

Kevin Prince Boateng

Unsere neue Nummer 9 ist ebenfalls 26 und bringt massenweise Erfahrung aus der Bundesliga, der Premier League aus England, der Serie A aus Italien und der Champions League mit. Seine großartige WM 2010 mit Ghana haben wir ja auch alle noch im Hinterkopf. Früher hatte er häufig Probleme mit seinem Temperament (wie sein kleiner Bruder Jerome ja auch), inzwischen ist sein Hauptproblem die Konstanz.

In Mailand weint man ihm gar nicht so sehr hinterher. Ein guter Freund von mir hat enormen Fußballsachverstand, ist Italiener und AC Fan. Er hat mir erklärt, dass KPB an guten Tagen die ganze Liga auf den Kopf gestellt hat. Diese Tage waren aber zuletzt sehr selten, speziell seit er mit Melissa Satta angebandelt hat.

Boateng hat eine hervorragende Technik und jede Menge Energie. Seine Stärken spielt er besonders im offensiven Mittelfeld aus. Die zwei Jahre mit Zlatan Ibrahimović zeigten, dass ein Spielstarker Stürmer da einiges bei Boateng entfachen kann.

KPB hat in Mailand meist eine Art von 10er/rechter Außenspieler-Hybrid gegeben. In 25 Ligaspielen hat er letzte Saison zwei Tore geschossen und vier Vorlagen gegeben, aber auch zwei rote und vier gelbe Karten kassiert. Seine Passquote von 82,4% bei 37 Pässen pro Spiel ist für einen Offensivspieler recht ordentlich, aber ausbaufähig. Er bewegt sich damit in den gleichen Gefilden wie Draxler (81.7% bei 28,2) liegt aber hinter Diego (83,4% bei 51,5), Götze (83,7% bei 35,3) oder Kroos (89.7% bei 52,8) zurück.

Mein italienischer Freund sagt auch, dass KPB nur durch einen starken Coach gebändigt werden kann. Ich bin gespannt ob Jens Keller dazu in der Lage ist und freue mich besonders auf das Spiel zwischen Boateng und den Außen, also Draxler und Farfan, bzw. je nach Aufstellung mit Huntelaar. Da könnte einiges an Druck nach vorne entstehen.

Einbindung ins Schalker Spiel

Sowohl Aogo als auch Boateng zeichnet die Spielstärke aus. Dadurch können beide das Aufbauspiel stärken. Und genau daran, also am Aufbauspiel und Alternativen zur Notfallplan Flanken, haperte es ja zuletzt. Besonders Boateng ist keiner der viel Flankt oder Flanken verwertet. Beide bieten Qualität im Kombinationsspiel und erhöhen die Möglichkeiten für kreatives Kurzpassspiel im Mittelfeld. Und das probieren die Schalker ja schon seit Jahren aufzuziehen.

Wenn ich mir eine Traumelf basteln würde, dann liefen Aogo und Boateng als 8er auf. Keller experimentierte zuletzt immer wieder mit einer 4-3-3 Formation. Ich würde die beiden Neuzugänge in Kombination mit Neustädter als 6er in das Mittelfeld setzen.
Kann mir gut vorstellen, dass das rocken würde.

Seien wir gespannt, was Keller aus dem Material macht und wo die Reise hin geht…

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der Stadt, die mal die höchste Fördermenge in Europa hatte. Aufgewachsen in einer Familie von Püttologen studierte er an der FH Gelsenkirchen irgendwas mit Computern. Später zog es ihn in die Ferne zu den Wikingern, wo ihm erst bewusst wurde, wie viel Ruhrpott in ihm steckt.

Nach hunderten von Herzklabastern, weil der elende Internetstream immer bei blau-weißen Torchancen abbrach, ist er als Doktor Labertasche wieder zurück in der Heimat (mit Dauerkarte in Block 5) und theoretisiert neben der Maloche den König Fußball. Weil aber seine Kumpels schnell davon genervt waren, verlagerte er das Ganze und gründete Halbfeldflanke zum Beginn der Saison 2013/2014.