Schalke gewann das erste Gruppenspiel mit einem Ergebnis, das ein bisschen die deutlichen Schwächen kaschiert. Denn zwar kommen die Blauen gegen das defensiv eingestellte Bukarest spielend und souverän ins letzte Spielfelddrittel, können den Abwehrblock aber lange nicht knacken. Erst mit einem Zufallstreffer müssen die Rumänier auf machen und Schalke bekommt mehr Räume.

Die Startaustellungen: Schalke 04 - Steaua Bukarest

Die Startaustellungen: Schalke 04 – Steaua Bukarest

Von der Grundordnung her glichen sich die beiden Mannschaften. Schalke wie Steaua baute sich offensiv in einem 4-2-3-1 auf und pressen in der Defensive in einem eher flachen 4-4-2. Die Interpretation der Aufstellungen war jedoch sehr unterschiedlich.

Bukarest

Steaua positionierte sich sehr tief. Man ließ die Schalke-Hälfte nahezu unangerührt. Der Spielaufbau wurde durch die Spitzen im 4-4-2 Verbund angelaufen, die anderen beiden Reihen bauten sich allerdings komplett im ersten Spielfelddrittel auf, also zwischen eigenem Strafraum und dem Mittelkreis.

Bei Angriff blieb Bukarest der defensiven Linie treu. Bourceanu kippte als 6er häufig zwischen oder neben die Innenverteidiger. Dies geschieht um hinten breiter aufgestellt zu sein, zur Absicherung, weil die Außenverteidiger nach vorne aufrücken und sich ins Offensivspiel einschalten sollen. Das passierte hier aber kaum. Die Außenverteidiger stießen kaum bis zur Mittellinie vor und bewegten sich so meist auf einer Höhe mit Pintilii, dem anderen 6er. Somit bildete sich situativ fast eine Art 3-3-3-1, jedoch war die Lücke zwischen den Angriffsreihen und den Defensivakteuren zu groß. Da sich in dieser Lücke dann auch noch die Blauen einnisteten ging von Bukarest nicht viel nach vorne.

Diese Lücke würde nach einer halben Stunde geschlossen. Bukarest stand nun kompakter, was sich direkt in deutlich mehr Spielanteilen ausdrückte.

Schalke

Die Schalker defensive steht im Moment glänzend da. 3 Spiele ohne Gegentor sprechen eine deutliche Sprache. Auch diesmal wirkte der Abwehrverbund kompakt und überzeugend. Schalke baute dafür ein Mittelfeldpressing auf, dass zwar nicht immer sehr Aggressiv war, den Gegnern aber das Durchkommen quasi unmöglich machte. Steaua blieb immer wieder mit Fehlpässen hängen oder rannte sich fest.

Der Spielaufbau folgt inzwischen einem sehr durchgängigen Schema. Während Neustädter das Zentrum absichert, lässt sich Höger halb-rechts fallen und bringt den Ball mit nach vorne. Höwedes, Höger, Farfan und Uchida sind untereinander für einen Großteil der Passquote zuständig.

Vorne begann Boateng zwar auf der 10er Position, also in der Mitte hinter dem Stürmer, doch er wich viel aus. Oft rochierte er mit Draxler, die dann vorübergehend die Positionen tauschten. Auch war zu sehen, dass er den rechten Flügel gelegentlich überlud um Überzahlsituationen herzustellen. Auch dann kam Draxler ins Zentrum gerückt.

Steauas Abwehrblock

Das Problem, das Schalke hatte, war der dichte Abwehrblock, den Steaua vor dem eigenen Strafraum aufbaute. Einerseits überließ man Schalke so seine Stärke, das Flügelspiel. Andererseits konnte Schalke daraus nichts wirklich machen, weil Abnehmer zugestellt waren und auch der angreifende Flügelspieler dann immer attackiert wurde.

Schalke fehlte hier die Inspiration. Es gab kein Mittel um diesen Abwehrblock zu knacken oder zu umgehen. Viel zu selten gab es Spielverlagerungen oder wurde der Gegner aus der Reserve gelockt. Auf der anderen Seite kam Steaua aus diesem Block aber auch nicht wirklich heraus, weil die eigene Stabilität natürlich nicht geopfert werden sollte. Dementsprechend war das Spiel nach vorne dann auch dünn vorgetragen. Fast alle Offensivaktionen zeichneten sich eigentlich dadurch aus, dass ein Spieler in der eigenen Hälfte irgendwie an den Ball kam und dann über den halben Platz rennen musste. Anspielstationen geb es faktisch keine.

Steauas Lücke

Zu Beginn des Spiels klaffte eine gewaltige Lücke zwischen den Angreifern und den Defensivakteuren Bukarests. Hier fand sich häufig Boateng in einem riesigen Bereich alleine auf ein Zuspiel hoffend. Doch das kam nicht.

Nach etwa einer halben Stunde wurde nachjustiert und Bukarest stand nun kompakter. Diese großen Räume gab es jetzt nicht mehr zu nutzen, aber auch kam Steaua jetzt selbst deutlich besser ins Spiel. Allerdings führte das auch nicht direkt zu wirklicher Gefahr, das meiste waren Fernschüsse und Standardsituationen.

Mit der Zeit wurde Steaua allerdings selbstbewusster und brachte die Schalker Defensive gelegentlich ins Schwitzen. Auffällig hier war vor allem, dass Farfan sich nicht sonderlich mit Abwehrarbeit aufhielt, sondern für Konter bereithielt. Bei Ballgewinn konnte er dann zwar auch immer angespielt werden und Schalke kam schnell in die gegnerische Hälfte, doch wurde er natürlich beim Verteidigen vermisst.

Auch wenn diese Phase optisch Ausgeglichen schien und Bukarest die gefährlicheren Strafraumsituationen hatte, hat sich Schalke hier Mannschaftstaktisch eigentlich die Oberhand und ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Bukarest konterte, Schalke konnte die Situation im Großen und Ganzen allerdings relativ souverän klären.

Das Glückstor und was folgte

Und plötzlich sieht Uchida wie Boateng etwas Platz vorm Strafraum hat, spielt eine Halbfeldflanke, die dann versehentlich, und zum Erstaunen aller beteiligten, im Tor landet. Daraufhin dreht Steaua auf. Man will auf den Ausgleichstreffer drängen, verpasst es aber die Denkung aufrecht zu erhalten und vergisst Schalkes Konterstärke.

Nicht so beim dritten Tor. Hier kombiniert sich Draxler im Zusammenspiel mit Fuchs durch eine Unterzahlsituation in den Strafraum sehenswert. Solch ein Geniestreich hätte auch schon früher zum 1:0 führen können. Aber da muss sich die Mannschaft wohl noch ein bisschen dran gewöhnen.

Fazit

Das Schalker Aufbauspiel klappte ganz gut, allerdings hat sich der Gegner diesmal ja auch weitestgehend da raus gehalten. Große Probleme bereitete Schalke diesmal das Eindringen in den kompakt verteidigten Strafraum. Das Grundproblem ist allerdings das gleiche. Wenn großer Gegendruck besteht, gibt es keine Ideen. Die kreative Kraft auf Schalke beschränkt sich derzeit auf’s wesentliche und auch einstudierte Muster scheint es nicht zu geben. Immerhin gelingt es Schalke die Ruhe zu bewahren und fällt nicht in Panik oder Resignation. Und das ist schonmal großartig.

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der Stadt, die mal die höchste Fördermenge in Europa hatte. Aufgewachsen in einer Familie von Püttologen studierte er an der FH Gelsenkirchen irgendwas mit Computern. Später zog es ihn in die Ferne zu den Wikingern, wo ihm erst bewusst wurde, wie viel Ruhrpott in ihm steckt.

Nach hunderten von Herzklabastern, weil der elende Internetstream immer bei blau-weißen Torchancen abbrach, ist er als Doktor Labertasche wieder zurück in der Heimat (mit Dauerkarte in Block 5) und theoretisiert neben der Maloche den König Fußball. Weil aber seine Kumpels schnell davon genervt waren, verlagerte er das Ganze und gründete Halbfeldflanke zum Beginn der Saison 2013/2014.