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Leon Goretzka – Flügel oder Mittelfeld?

Obwohl er nur sehr wenig Spielzeit erhält, ist Leon Goretzka eine der Personalien im Schalker Kader, die häufig diskutiert wird. Wenn er gesund ist, bringt Keller ihn häufig, aber auch meist lediglich um das Wechselkontingent in der Schlussviertelstunde auszuschöpfen. Und dann auch auf unterschiedlichen Positionen. Keller scheint zu überlegen: “Wohin mit dem jungen Bochumer“. Gemeinsam mit der blau-weißen Taktikecke wollen wir uns das mal genauer ansehen.

Die Meinungen unter den Schalkern gehen auseinander. Einige halten ihn bereits für eine Fehlinvestition, andere sagen er brauche lediglich etwas Zeit, bzw. wird ein ganz großer, wenn er erstmal das Abi im Frühjahr in der Tasche hat. Und Peter Neururer tut eh ständig kund, dass er beim VfL Bochum hätte bleiben sollen. Fakt ist, dass Leon Goretzka bisher nicht so recht Fuß fassen konnte im Spiel der Schalker. Dabei schätzt GoalImpact seinen Spitzenwert auf über 130, so schlecht kann er also gar nicht sein.

Leon Goretzka

Seine sporadischen Einsatzzeiten waren auch die Folge verschiedener Verletzungen und Krankheiten. Nach dem Wechsel-Hickhack und neben der Schule schaffte er es nie, sich wirklich über einen längeren Zeitraum auf Fußball zu konzentrieren. In den Medien ist zuletzt häufig zu lesen, dass dies jetzt besser werden soll. Nach dem verpassten Trainingslager in der Wüste, schiebt er nun reihenweise Extraschichten mit Co-Trainer Peter Hermann.

Positionen

Gründe für die geringe Einsatzzeit gibt es sicher viele. Aber gucken wir uns mal die Positionen an, auf denen er eingesetzt wurde. Wir haben dazu ein paar Spiele rausgesucht, in denen er je mindestens eine halbe Stunde gespielt hat. Gegen Hamburg hat er in der Hinrunde als Draxler-Ersatz den 10er gegeben. In Hannover war er bis zu Höwedes‘ roter Karte der dritte im 6er/8er Verbund neben Jones und Neustädter. In Hoffenheim spielte er für Clemens auf dem linken Flügel. In Braunschweig überzeugte er ab Högers Verletzung auf der Doppelsechs an Neustädters Seite. In Nürnberg kam er für den Verletzten Fuchs auf dem linken Flügel zum Einsatz. Und gegen Chelsea durfte er zwischendurch mal eine Viertelstunde lang 10er in der Champions League spielen.

Goretzka spielte also im defensiven Mittelfeld, im offensiven Mittelfeld und dazwischen, sowie auf dem Flügel –jeweils nie ein komplettes Spiel durch. Zuletzt hatte er seine Einsätze häufiger auf dem Flügel. Wie etwa auch beim Rückrundenauftakt gegen Hamburg, nachdem sich vermehrt Anhänger äußerten, dass Keller lieber Boateng hätte eine Pause gönnen und Goretzka zentraler einsetzen sollen.

Denn die Bestleistung im Schalker Dress lieferte der junge Bochumer deutlich im Braunschweig-Spiel ab, in dem er es schaffte Höger gut zu ersetzen.

Fähigkeiten

VfLBochum 2012 Schon seit längerem besteht der Austausch zu Goretzka zwischen der blau-weißen Taktikecke (einem Blog ähnlich wie diesem, allerdings zum VfL Bochum) und Halbfeldflanke. Daher drängte sich dieser Artikel förmlich auf. Die Fähigkeiten Goretzkas können besser von jemandem beurteilt werden, der beim VfL Bochum immer ganz genau hin sieht. Besonders zu einer Zeit, als man auf Schalke bestenfalls schon mal den Namen gehört hat.

Auch beim VfL hat Goretzka viel auf dem Flügel gespielt, sogar die komplette Hinrunde 2012/2013 (siehe Grafik). Allerdings spielt Bochum die Flügel auch sehr eng, im Gegensatz zu Schalke, dass ja über die Flügel an Breite gewinnt. Goretzka hatte viel mit Marc Rzatkowski (dem Zehner im 4-1-3-2) getauscht, dazu hatte der VfL mit Alexander Iashvili noch einen Stürmer, der sehr viel auf die Flügel auswich. Goretzka war also eher ein „falscher“ Flügelspieler, ähnlich wie ein breit spielender 6er.

Goretzkas Stärken liegen nicht im frontalen 1 gegen 1. Das war auch auf Schalke schon häufig zu beobachten. Er nutzt seine gute Technik am Ball eher, um direkt mit der Ballannahme Engen aufzulösen und in freie Räume zu dribbeln, in welchen er dann seine Dynamik ausspielen kann. Die höhere Kompaktheit sowie das individuell bessere Zweikampfverhalten in der ersten Liga sorgen dafür, dass es gelegentlich so wirkt, als hielte er den Ball zu lang und verliere ihn dann zu leicht an den Gegner. Auch ist er nicht so stark bei Flanken. Seine Stärke liegt eher in der Verwertung von diesen. Goretzka ist nämlich äußerst kopfballstark. Aus beiden Gründen ist er entsprechend ungeeignet auf dem Flügel eingesetzt zu werden. Zumindest dann, wenn das Flügelspiel so praktiziert wird, wie es auf Schalke der Fall ist. Im Vergleich mit Farfán etwa, der ja der Schalker Flügelspieler schlechthin ist, fällt auf, dass da etwas nicht passt. Dessen ausgewiesene Stärken sind nämlich genau das: Dribbeln und Flanken.

Goretzka ähnelt in seiner Spielweise Boateng sehr. Er ist sehr beweglich, besitzt einen hohen Aktionsradius und einen starken Zug nach vorne. Durch das Aufrücken aus dem Rückraum, kann er bei Flanken seine Kopfballstärke einbringen.

Fazit

Die Qualität bei Goretzka ist offensichtlich. Zu seinem 19. Geburtstag nächste Woche wünschen wir ihm, dass er es bald schafft diese Qualität auch besser auf den Rasen zu bringen. Und das gelingt am besten, wenn er optimal eingesetzt wird, also als 6er, 8er oder 10er.

Auch wenn er momentan noch nicht das Niveau von Neustädter, Meyer oder Boateng vorweisen kann, so ist er doch die erste Alternative, um diesen Spielern Ruhezeiten zu gewähren. Julian Draxler (falls er überhaupt in Schalke bleibt) gehört dann doch eher auf den Flügel.

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit zwischen blau-weiße Taktikecke und Halbfeldflanke entstanden.

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der Stadt, die mal die höchste Fördermenge in Europa hatte. Aufgewachsen in einer Familie von Püttologen studierte er an der FH Gelsenkirchen irgendwas mit Computern. Später zog es ihn in die Ferne zu den Wikingern, wo ihm erst bewusst wurde, wie viel Ruhrpott in ihm steckt.

Nach hunderten von Herzklabastern, weil der elende Internetstream immer bei blau-weißen Torchancen abbrach, ist er als Doktor Labertasche wieder zurück in der Heimat (mit Dauerkarte in Block 5) und theoretisiert neben der Maloche den König Fußball. Weil aber seine Kumpels schnell davon genervt waren, verlagerte er das Ganze und gründete Halbfeldflanke zum Beginn der Saison 2013/2014.

Kategorie: Spiel & Spieler

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1 Comment

  1. Interessanter Artikel, sehr lesenswert. Schließe mich Deiner Einschätzung an, dass er auf dem Flügel eher suboptimal aufgehoben ist und hoffe, dass er sich auf der für ihn passenden Position auf Schalke behaupten kann.

    Das Potential dazu hat er sicherlich.

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