Halbfeld­flanke

FC Schalke 04 – Eintracht Frankfurt, 2:0

Zuletzt galt:
1. Frankfurt hat Probleme die Flügel zu verteidigen und fokussiert sich auf’s Zentrum.
2. Schalke bespielt quasi nichts anderes als die Flügel und hat im Zentrum ein riesiges Loch.
Weil das nach einem charmanten 8:8 klingt, sowas ja aber in einem Albtraum enden könnte, hat Breitenreiter sich was ganz besonderes ausgedacht.

Die Grundformationen zu Spielbeginn.

Die Grundformationen zu Spielbeginn.

Schalke zeigte in den letzten Spielen immer häufiger, dass es von gegnerischem Druck schnell beeindruckt ist und sich nur schwer befreien kann. Gleichzeitig gibt es ein großes Loch im Mittelfeld, welches es den Gegnern leicht macht Druck aufzubauen. Das Loch entsteht aus einem starkem Flügelfokus und einem sehr tief stehendem 6er (siehe auch Analyse vom Spiel gegen Wolfsburg).

Besonders Stuttgart konnte das zuletzt sehr gut ausnutzen, auch wenn es nicht zu einem Tor reichte. Frankfurt hat einen starken Fokus auf’s Mittelfeld, spielt mit einer engen Raute. Potenziell also eine Menge Druck bei Kontern auf das Schalker Tor. Diesmal aber mit jemanden, der das Toreschießen gewohnt ist, amtierender Torschützenkönig Alex Meier.

Gleichzeitig ist Schalke, bei aller Qualität, in seinem 4-4-2 Konter-Flügel-Spiel ausrechenbar geworden. Gemeinsam mit der hier häufig benannten Chancenverwertungsschwäche, sind die letzten Spiele nicht so souverän geendet, wie sie hätten können. Breitenreiter musste sich also etwas einfallen lassen.

Kopieren und anpassen

Schalke spiegelte das System der der Eintracht. Ein 10er namens Meyer, hinter zwei Stürmern, ein Ballverteilender 6er hinter oder zwischen zwei 8ern. Damit weg vom reinen Flügelspiel hin zu einer Menge Personal im Zentrum und den Halbräumen.

Aber Breitenreiter machte mehr als das System einfach zu kopieren, er arbeitete es in das Standardsystem auf Schalke ein. Offensiv agierte Schalke prinzipiell noch in einem 4-2-3-1, defensiv jedoch in einem klaren 4-3-3. Aber eigentlich bewegte sich viel dazwischen. Huntelaar wich extrem viel nach rechts aus. Goretzka fand nur schwer ins Spiel, weil er sich nicht so recht zwischen Flügel und Zentrum entscheiden konnte und weil Choupo-Moting auf der anderen Seite das Spiel auf sich zog. Höger spielte nicht neben Geis, sondern zwischen demselben und Meyer. Die drei bildeten eine klare Mittelfeldachse.

Gleich gegen gleich

Da Schalke die Eintracht spiegelte ergab sich ein Spiel von zwei Mannschaften, die sich sehr ähnelten. Beide kamen schnell vor’s gegnerische Tor, konnten dort aber nicht so richtig viel reißen. Insgesamt sich der Ballbesitz fast genau geteilt (51% für Schalke) und beide schossen ähnlich oft auf des Gegners Tor (7:6).

Dabei gab es über weite Teile der ersten Halbzeit deutliche Vorteile für Schalke. Mehr Ballbesitz,  und während der Eintracht schon recht früh der Ball wieder abgenommen werden konnte, machte Schalke sich selbst um den Strafraum breit. Dabei kamen ein paar Torchancen rum, die allerdings mustergültig vergeben wurden. So steht es mit der Verwertung ja schon eine ganze Weile.

Umbauten 2. Halbzeit: Ertraglos

Zur Halbzeit baute Veh seine Frankfurter dann um und nahm die Flügel mehr ins Spiel, kopierte also seinerseits Schalke ein bisschen. Prompt wurde die Eintracht stärker und gefährlicher, wenn auch selten richtig zwingend. Schalke baute dann auch ein paar Mal um, vergab ebenfalls ein paar Chancen. Das Spiel plätscherte so vor sich hin.

Irgendwo dazwischen verwandelte Matip eine Ecke. Und später machte Sané ein Tor nach einer abgefahrenen Einzelaktion. Beides wie immer.

Schalke jetzt mit zusätzlichem Zentrumsspiel!

Insgesamt ist es aus taktischer Sicht aber ein riesen Hammer, den Breitenreiter hier auspackt. Mal eben eine Staffelung im Zentrum zu haben. Im Vorbeigehen. Von jetzt auf gleich. Während einer englischen Woche. Warum auch nicht?!

Über weite Teile der ersten Halbzeit stand Schalke viel schlauer gestaffelt als es zuletzt der Fall war. So wirde das Gegenpressing deutlich verbessert und es wurden deutlich mehr zweite Bälle gewonnen. Kurz: Das Mittelfeld war (für den Zeitraum) unter Schalker Kontrolle. Der Gegner kam nur selten in Gefahrenzonen und selbst schaffte Schalke es relativ leicht ins Angriffsdrittel.

Klar, als Frankfurt umstellte relativierte sich alles wieder ein bisschen. Und dass noch nicht alles überragend funktionierte, geschenkt. Goretzka hatte eine komplett andere Rolle zu spielen und muss sich erst reinfinden. Meyer darf wieder auf die geliebte 10, muss sich aber erst mal wieder dran gewöhnen, dass es weiniger Räume gibt. Und auch Geis muss sich noch umorientieren. Insgesamt hat Schalke das aber souverän gemeistert und eine nächste Entwicklungsphase gezündet. Unter aller Leute Augen. Und kaum einer hat’s wirklich mitbekommen.

Ich jedenfalls bin begeistert. 😀

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der Stadt, die mal die höchste Fördermenge in Europa hatte. Aufgewachsen in einer Familie von Püttologen studierte er an der FH Gelsenkirchen irgendwas mit Computern. Später zog es ihn in die Ferne zu den Wikingern, wo ihm erst bewusst wurde, wie viel Ruhrpott in ihm steckt.

Nach hunderten von Herzklabastern, weil der elende Internetstream immer bei blau-weißen Torchancen abbrach, ist er als Doktor Labertasche wieder zurück in der Heimat (mit Dauerkarte in Block 5) und theoretisiert neben der Maloche den König Fußball. Weil aber seine Kumpels schnell davon genervt waren, verlagerte er das Ganze und gründete Halbfeldflanke zum Beginn der Saison 2013/2014.

Kategorie: Spielbericht

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2 Comments

  1. wow. von Begeisterung war hier, glaube ich, nochj nie die Rede

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