Gegen eine starke Defensive versuchte Schalke den Ausfall von Geis zu kompensieren. In diesem Spiel auf drei verschiedene Arten. Mit durchwachsendem Erfolg. Nur das Aufbauspiel, das konnte gut übernommen werden.

Die Grundformationen zu Spielbeginn.

Die Grundformationen zu Spielbeginn.

Nur zwei Mannschaften in der Bundesliga haben weniger Gegentore bekommen als Schalke 04 (13). Eine davon ist Ingolstadt (9). Und so traten die Schanzer auch auf Schalke auf: Mit einer stahlharten Defensive. Sie bauten sich in einem 4-1-4-1 auf, bei dem die 4er Kette  sich praktisch nur bis zur Strafraumkante traute. Kamen Gegenspieler in die  Nähe, so wurden sie oft zusätzlich in Manndeckung genommen, so dass sich situativ gelegentlich sogar eine 5er oder 6er Kette ergab.

Im Ballbesitz rückte dann der linke Außenverteidiger Suttner oft auf und schob auf eine Linie zu den Halbpositionen, so dass sich eine Art 3-1-3-3 ergab. Das blitzte aber nur selten auf und kann schon fast unter Zufall gelten, denn sobald Ingolstadt in Ballbesitz kam wurde versucht so schnörkellos wie möglich Richtung Tor zu spielen. Konter konnten vom starken Schalker Pressing aber fast immer sauber abgefangen werden.

Spielaufbau ohne Geis

Schalke hatte letzte Woche mit Geis seinen Spielaufbau verloren. Jeder geordnete Spielaufbau der Königsblauen ging über ihn. Jetzt ist er gesperrt. Aber neben dem Besetzungsproblem auf der 6er Position (siehe weiter unten), muss auch noch jemand gefunden werden, der das Spiel sauber und sicher nach vorne bringen kann. Die Lösung heißt Dennis Aogo.

Doch typisch Breitenreiter, wird nicht einfach ein anderer Spieler in das alte Förmchen gepresst. Aogo blieb auf dem Flügel, auf dem er seit knapp einem Jahr eine starke Partie nach der anderen gibt. Dennoch ging der Spielaufbau über ihn. Und das ist schlau gewählt. Aogo hat eine feine Schusstechnik und die nötige Übersicht, er ist sehr Passsicher und kann auch weite Pässe recht genau spielen. Außerdem fällt es ihm als Außenverteidiger leicht Verbindung zu den Innenverteidigern zu halten. Nicht selten spielt Aogo mit den beiden Innenverteidigern in einer 3er Reihe (wenn Caicara aufgerückt ist), als wäre Geis neben die Innenverteidiger gekippt.

Der Spielaufbau ging dann von Fährmann auf Matip über Aogo zu Meyer. In der zweiten Halbzeit zu Choupo-Moting, aber das ist ja vom Prinzip das Gleiche. Nur Matip (81) spielte noch mehr Pässe als Aogo (74) und seine Passerfolgsquote von 89,2% wurde nur von Meyer (90,7%) übertroffen. Über die gesamte Dauer des Spiels war er der Dreh und Angelpunkt im Schalker Spiel.

Spielereien auf der 6, Teil 1: Kolasinac

Der andere Teil von Geis dagegen konnte nicht so leicht kompensiert werden. Breitenreiter versuchte hier viel rum. Den Anfang machte Sead Kolasinac. Eigentlich auf dem Flügel zuhause, spielte er schon gegen Gladbach im Pokal eine eigentlich recht gute Partie. Dort wurde ein Ausputzer gebraucht, den er Mustergültig spielte.

Gegen Ingolstadt ging es eher um sauberes Positionsspiel und darum Konter früh zu unterbinden. Das klappte nur so mittel gut. Nicht, dass es zu vielen Kontern kam, aber die wurden halt meist von der Bockstarken Innenverteidigung entschärft, oder einem hinterher eilendem Kola. Stellungsspiel ist einfach nicht seine Stärke.

In der offensive schaltete er sich viel ein und versuchte im linken Halbraum Anspielbereit zu sein. Das funktionierte sehr gut, zwischen Aogo, Meyer und Kolasinac gab es ein paar ansehnliche Kombination um schnell nach vorne zu kommen.

Spielereien auf der 6, Teil 2: Meyer

Zur Halbzeit musste Breitenreiter umstellen und offensiver werden. Kolasinac war hier die Rolle auf die mit den wenigsten negativen Begleiterscheinungen verzichtet werden konnte. Dementsprechend war es naheliegend, dass er raus musste. Aber was Breitenreiter stattdessen machte war sehr interessant…

Für Kolasinac kam nämlich Flügelstürmer Choupo-Moting. Dieser ersetzte Meyer, der zuvor auf dem linken Flügel spielte und von da aus stark ins Zentrum zog. Meyer wurde stattdessen zu einer Hybridposition aus 10er und 6er. Das klingt verwirrend. War es auch.

Meyer war fast ausschließlich auf der 10 zu finden, ließ sich gelegentlich in den 8er Raum neben Goretzka fallen. Vereinzelt schaltete er sich für den Spielaufbau auch ein und suchte Verbindung zu den Innenverteidigern. Damit schaffte Schalke de fakto die 6er Position ab.

Aber es wurde noch besser. Um zu vermeiden, dass der 6er Raum komplett verwaist, auch Goretzka kann nicht das ganze Feld abdecken, schlossen die Innenverteidiger auf. Für diesen Teil des Spiels drängte Schalke die Schanzer sehr krass hinten rein, damit die Verteidigung so hoch stehen konnte. Bei Ballverlusten zeigte Schalke ein starkes Gegenpressing  und falls tatsächlich mal ein Ball über die Mittellinie kam, fingen die Innenverteidiger den Ball ab.

Innenverteidiger waren ab der 2. Halbzeit übrigens Matip, Höwedes und Aogo. Letzterer war zwar immer noch der Hauptverantwortliche für den Spielaufbau, zog aber nur noch vereinzelt mit nach vorne. Caicara auf der anderen Seite war ein echter Flügelspieler, der das ganze Feld hoch und runter rannte. Langsam wird klar, was Breitenreiter meinte, als er den Brasilianer vor der Saison eine Maschine nannte. Damit gab es praktisch zwei Flügelspieler mehr. Meyer und Goretzka spielten kaum anders als noch in der ersten Halbzeit, aber Choupo kam dazu und Caicara wurde noch offensiver.

Solche Analysen wie sie hier im Blog zu finden sind beruhen auf Beobachtungen. Es wird versucht Muster zu finden, die dann Rückschlüsse auf die dahinterstehende Absicht zulassen. Meist funktioniert das ganz gut. Die 20 Minuten in denen Meyer quasi der 6er war hinterlassen mich aber ratlos zurück. Spielte er so wenig den richtigen 6er, weil er halt diesen starken inneren Drang nach vorne hat und die Innenverteidiger rückten auf, weil sie den 6er Raum schließen wollten? Oder war genau das so Breitenreiters Plan? Meine Tendenz geht dazu, hinter all dem einen Plan zu sehen, aber dann kam mit Højbjerg wieder ein echter 6er…

Spielereien auf der 6, Teil 3: Højbjerg

Als Goretzka ging und Pierre-Emile Højbjerg kam wurde der 6er Raum wieder besetzt. Vielleicht hatte Breitenreiter Angst, dass irgendwann einer der Konter von Ingolstadt doch mal durch bricht. Oder Ihm machte tatsächlich zu schaffen, dass Meyer die 6er Rolle nicht wirklich annahm. Der Däne gab jetzt jedenfalls einen 6er, der sehr nach vorne denkt und sehr beweglich ist.

Højbjerg hat in seiner kurzen Spielzeit viele Meter gemacht. Das macht er immer. Nicht immer wirkte es aber so, als sei das abgestimmt. Immer wieder gab es Situationen darüber wo er denn zu stehen habe, besonders bei Standards. Man könnte ihn daher im besten Sinne als Libero bezeichnen (freier Spieler), der überall versuchte Löcher zu finden um sie dann zu stopfen oder zu bespielen.

Das Abschlussproblem

An dieser Stelle habe ich schon häufig auf die Schalker Abschlussschwäche hingewiesen. Auch dieses Spiel war wieder ein gutes Beispiel dafür. Choupo-Moting machte ein starkes Spiel und einiges an Wirbel, aber so richtig viel Ertragreiches kam da nicht raus. Auch weil die Zuspiele (allgemein, nicht nur von Choupo) die Mitspieler nur selten fanden. Wie schon erwähnt hat Ingolstadt eine starke Verteidigung, aber die Möglichkeiten die es gab müssten auch besser genutzt werden.

Einer der Faktoren sind die Stürmer. Huntelaar und Di Santo sind sehr ähnliche Spielertypen. Beide versuchen mitzuspielen, beide haben da aber so ihre Schwächen. Huntelaar ist in den letzten Monaten zwar recht Passsicher geworden, Ein Flankengott wird aber nicht mehr aus ihm. Di Santo arbeitet viel in alle möglichen Richtungen, dabei aber häufig unkoordiniert also ohne Rückendeckung der Mitspieler und oft ertraglos.

Schalke muss sich im letzten Drittel schlauer Bewegen, damit es zu mehr und vor allem besseren Torchancen kommt. Und diese müssen dann effektiver genutzt werden. Wenn das gelingt, kann Schalke es schaffen bei den anstehenden Aufgaben nicht allzu schlecht auszusehen.

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der Stadt, die mal die höchste Fördermenge in Europa hatte. Aufgewachsen in einer Familie von Püttologen studierte er an der FH Gelsenkirchen irgendwas mit Computern. Später zog es ihn in die Ferne zu den Wikingern, wo ihm erst bewusst wurde, wie viel Ruhrpott in ihm steckt.

Nach hunderten von Herzklabastern, weil der elende Internetstream immer bei blau-weißen Torchancen abbrach, ist er als Doktor Labertasche wieder zurück in der Heimat (mit Dauerkarte in Block 5) und theoretisiert neben der Maloche den König Fußball. Weil aber seine Kumpels schnell davon genervt waren, verlagerte er das Ganze und gründete Halbfeldflanke zum Beginn der Saison 2013/2014.