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Theodor Krein: Die blau-weißen Fußballknappen – Der Weg des FC Schalke 04

Den Beginn dieser neuen Kategorie Literatur macht ein Buch, das mit Taktik und Analyse zwar so überhaupt gar nix zu tun hat, aber dafür umso mehr mit Schalke. Theodor Krein beschreibt in „Die blau-weißen Fußballknappen – Der Weg des FC Schalke 04“, das 1948 erschien, geradezu malerisch wie Schalke mit Ernst Kuzorra und Fritz Szepan zum deutschen Serienmeister und einer europäischen Top-Adresse wurde.

Theodor Krein: Die blau-weißen Fußballknappen

Das Buch, 2. Auflage.
68 Jahre alt.

Wir singen “Kennst Du den Mythos vom Schalker Markt? Die Geschichte, die dort begann“. Aber kennst Du den Mythos wirklich? Weißt Du, wie er begann und groß wurde? Vermutlich können das eher die wenigsten bejahen. Um das zu ändern gibt es nichts Besseres als dieses Buch. Es wurde 1948 veröffentlicht, kurz nach dem Krieg. Der Autor, Theodor Krein, ist dementsprechend ein direkter Zeitzeuge, ein Sportjournalist der damals viel über Fußball geschrieben hat. Und genau das macht das Buch so faszinierend.

„Die blau-weißen Fußballknappen“ ist so herrlich ausschmückend geschrieben, wie es damals üblich war, da es ja fast keine Bewegtbilder gab. Wenn Krein Spiele beschreibt, liest es sich wie die Radio-Reportage von Herbert Zimmermann, die wir alle kennen. Die Geschichten und zahlreichen Anekdoten wirken nicht wie Dokumentation in einem Geschichtsbuch, sondern als würde Opa Pritschikowski von früher erzählen, während die Oma Kekse bringt. Das Buch ist dabei so emotional wie es sich für Schalke gehört: Es wird gepöbelt (etwa wenn Schalke mal vor lauter schönspielen das Toreschießen vergaß) und es wird gejubelt (etwa als Kuzorra die erste Meisterschaft klar machte).

Zum Inhalt

Dabei ist es ein Buch über Fußball. Die Politik, die ja zu der Zeit eine recht große Rolle spielte, wird weitestgehend außen vor gelassen. Lediglich auf die Auswirkungen wird eingegangen, nicht auf die Gründe oder Geschehnisse. Und das ist auch okay so. Eine objektive Betrachtung der Situation wäre mangels zeitlichen Abstands eh nicht zu erwarten gewesen.

Krein beschreibt die Gründung als Westfalia Schalke und den Kampf gegen die Oberen, weil sie Schalke partout nicht mitspielen lassen wollten. Anlauf um Anlauf brauchte Schalke, inklusive dem Anschluss an einen Turnverein 1912 und schließlich die Wiederausgründung 1924. Irgendwann schafften die Knappen es dann aber doch und gingen ihren Weg. Der führte zur ersten Westfalenmeisterschaft (dem grün-weißen Band), der ersten deutschen Meisterschaft, den Pokalfinals bis zum ersten Double im deutschen Fußball und wie all das durch den Krieg jäh beendet wurde. Die Mannschaft spannte als Kombinationsmaschine ein kunstvolles Ballgewebe über den Rasenteppich und das Sprichwort „Kein Endspiel ohne Schalke 04“ galt über ein Jahrzehnt lang.

Es gibt Berichte zu wichtigen Spielen, von den Aufstellungen bis zur Presseschau, sowie Übersichten zu den  fortschreitenden Wettbewerben und deren Modi. Und natürlich beschreibt Krein alles rund um die Mannschaft wie etwa Trainerwechsel oder Ab- und Zugänge von Spielern.

kreisel-curt_muellerDetails über diese Zeit habe ich mit Hilfe dieses Buchs hier zusammengetragen: Der Schalker Kreisel

Doch mehr als die reinen Fakten erzählt Krein die Geschichten drumrum. Er erzählt von Fritz Unkel, wie er als Präsident des Turnvereins Schalke 1877 ein Herz für die jungen Schalker hatte, sie aufnahm und nach der Trennung deren Präsident wurde. Und wie er für Schalke mehr war als ein Präsident und sie ihn daher alle nur Papa Unkel nannten. Krein erzählt auch von Mutter Thiemeyer die so viel mehr war als nur die Wirtin des Vereinslokals in dem dann regelmäßig die Viktoria zu bestaunen war und das gleichzeitig zum Wallfahrtsort und Informationsquell für alle Schalker wurde.

Dazu gibt es vielerlei Anekdoten. Etwa wie die Schalker auf Auswärtsfahrten so häufig in Berlin spielten, dass sie dort regelmäßig ihren Stammgasthof bezogen und sich Spiele schon wie Heimspiele anfühlten, weil sie sich mit der Zeit dort ebenfalls eine große Anhängerschaft erspielt haben. Auch gibt es viel rund um die Schwager Kuzorra und Szepan. Nicht zuletzt vermittelt das Buch ein wunderbares Gefühl für den Stolz um die heimische Glückauf Kampfbahn.

Zum Buch

Immer wieder finden sich Seiten mit zahlreichen Bildern des Gelsenkirchener Sportfotografen W. Brosch. Außerdem ist der Text gespickt mit Werken von Curt Mueller, dem legendären Karikaturisten des „Sport-Beobachters“. All das macht das Erlebnis komplett. Das Buch ist wie eine Zeitmaschine, die Reise in die erfolgreichste Zeit vom FC Schalke 04.

Ich empfehle jeden Schalker dieses Buch zu lesen. Es ist wie in Erinnerungen schwelgen. Reminiszenz zum Blättern, sozusagen. Da es aber so alt ist, ist es nicht so leicht zu bekommen. Im Rahmen der 100-Jahrfeier wurde das Buch nicht zuletzt deswegen neu aufgelegt. Vielleicht ist dies einfacher (und günstiger) zu erstehen. Inhaltlich ist es meines Wissen das gleiche, aber auch das gibt es nur aus zweiter Hand…

Theodor Krein, 1948. Die blau-weißen Fußballknappen. Der Weg des FC Schalke 04.

Theodor Krein, 2003. Die Königsblauen. Der Weg des FC Schalke 04 1904 – 1948. Herausgeber: Charly Rinne

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der Stadt, die mal die höchste Fördermenge in Europa hatte. Aufgewachsen in einer Familie von Püttologen studierte er an der FH Gelsenkirchen irgendwas mit Computern. Später zog es ihn in die Ferne zu den Wikingern, wo ihm erst bewusst wurde, wie viel Ruhrpott in ihm steckt.

Nach hunderten von Herzklabastern, weil der elende Internetstream immer bei blau-weißen Torchancen abbrach, ist er als Doktor Labertasche wieder zurück in der Heimat (mit Dauerkarte in Block 5) und theoretisiert neben der Maloche den König Fußball. Weil aber seine Kumpels schnell davon genervt waren, verlagerte er das Ganze und gründete Halbfeldflanke zum Beginn der Saison 2013/2014.

Kategorie: Literatur

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Die taktische Perspektive

1 Comment

  1. Das schlimme ist der EWIGE TRAINER WECHSEL!!!

    Schalke muß es so machen wie Bremen voher!!!
    Jahrelang den gleichen Trainer, der mit dem Club durch dick und dünn geht!!!
    Wie heißt es soschön?
    Einer für alle, alle für einen!
    Dann wird Schalke auch dauerhaft international Spielen!
    Es muß ja nicht immer Champensleage sein, zwischen drin mal Europaleage ist auch O.K.

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