Halbfeld­flanke

Desolat! Kantersieg! Bayer 04 Leverkusen – FC Schalke 04, 1:4

Kantersieg Schalke. Leverkusen desolat. Oho-oho. Uns bei Halbfeldflanke reichen solche Boulevard-Überschriften natürlich nicht und auch bei solchen Fußballfesten schauen wir genauer hin und Fragen: Wie konnte das passieren?! 

Die Grundformationen zu Spielbeginn.

Chemikant

Die Werkself baute sich in einem recht klassischen 4-4-2 auf. Dabei schob der linke Außenverteidiger Henrichs meist deutlich höher als der rechte, Hilbert, welcher situativ regelmäßig eine 3er Kette mit den Innenverteidigern bildete. Aránguiz hielt als defensiverer 6er Kontakt zur Abwehr und Kampl als offensiverer war bei jedem Angriff mit dabei. Dabei stand die Defensive relativ gut. Besonders mit der Einwechslung von Tah war der Strafraum und der Bereich davor eine Festung in die Schalke kaum noch eindringen konnte.

Apropos Angriff, Leverkusen brauchte unbedingt Punkte und baute sehr offensiv auf. Die Spieler vorne versprachen mächtig wumms: Brandt, Volland und Bellarabi (von links nach rechts aber tatsächlich seeehr fluide und variabel und kreuz und quer) rund um Kießling. Und natürlich Kampl direkt dahinter. Huiuiui. Und das war auch brandgefährlich (pun not intended), wenn sie den Ball da vorne mal hatten.

Schlosser

Auch wenn die Schmidt-Zeit schon vorbei ist, so ist Leverkusen noch immer eine stark pressende und schnell vertikal spielende Mannschaft. Das zu unterbinden war der Fokus auf Zweikämpfe mal wieder wichtig. Schalke versuchte darüber hinaus, wie immer, sicher aufzubauen und bei Lücken blitzschnell zuzustechen. Der Laserpass von Bentaleb zum 1:0 ist ein schönes Beispiel dafür. Ballgewinn, ein bisschen horizontal, ein bisschen Geduld, ein bisschen Ausschau halten und dann plötzlich quer durch. Tor.

Dabei wurde die Schalkes Aufstellung mal wieder maßgeblich durch Verletzungen geprägt. Meyer konnte nicht spielen, dafür kam Schöpf. Und zwar auf rechts, Caligiuri über links. Sonst, wie zuvor, die Doppel-6 Bentaleb-Stambouli wird immer stärker und davor der Mittelfeldübermensch Goretzka. Die drei hatten eigentlich alles im Griff und machten mächtig Dampf. Das Schalker Mittelfeld kann sich sehen lassen.

Zwei defensive Spieler möchte ich noch hervorheben, die diesem Spiel sehr gut getan haben: Badstuber und Coke. Letzterer findet immer besser in sein Spiel zurück. Als rechter Außenverteidiger hatte der Spanier seine Seite eigentlich voll im Griff. Selbst der zukünftige Weltfußballer Julian Brandt kam erst zu guten Szenen, wenn er ins Zentrum zog.

Badstubers Spielstärke war besonders bei der Offensivmacht vor ihm sehr hilfreich. Wenn er in den Zweikämpfen sicher auch schwächer als Nastasic ist, so kann er das erste Pressing deutlich besser überspielen als dieser. Immer wieder hob er den Ball punktgenau über die Gegenspieler und gerne auch zum übernächsten Mitspieler oder diagonal auf den Flügel. Er nutzte die Lücken der Werkself wunderbar aus. Moment, Lücken?

Bitte Abstand halten!

Leverkusen hat versucht sehr variabel in den Angriffen zu agieren, war dabei aber zu nachlässig in der Absicherung. Manifestiert hat sich das in den Abständen der Spieler zueinander. Als das langsam besser wurde, stand es schon 3:0 und das Spiel war eigentlich gelaufen.

Die offensiven 4 und die defensiven 5 klebten förmlich an den jeweiligen Strafräumen, lediglich Kampl dazwischen. Didi Hamann sagte in der Halbzeit, es sähe aus wie beim Feldhandball. Das habe ich zwar noch nie gesehen, aber beim Hallenhandball geht es typischerweise sehr kompakt zu. Die Kernaussage passt aber natürlich, Bundesliga-Tauglich war das nicht. Also Fußball jetzt.

Das war die vertikale, das gleiche trifft aber auch auf die horizontale Achse zu. Die Spieler standen in der Defensive derart weit auseinander, dass Schalke keine große Probleme hatte dazwischen zu stoßen. Eine echte Absicherung kann so gar nicht stattfinden.

Entsprechend Zwischenlinienbewegungen und Schnittstellenpässe en Masse in der ersten halben Stunde. Von Eng und Kompakt kann keine Rede sein. Erst mit der Einwechslung von Tah wurde das zusehends besser, nicht zuletzt weil ab da Kampl, der Verbindungsspieler der Hausherren, zum Teil so viel rum-dirigierte, das ich das Gefühl hatte, er vergisst das Fußballspielen.

Die zweite Halbzeit

Zur Zweiten Halbzeit gibt es eigentlich gar nicht mehr viel zu sagen. Leverkusen wurde kompakter und stabiler, fing also langsam, ganz langsam an normal zu spielen, Schalke nahm ein bis zwei Gänge raus und fokussierte sich etwas auf Ballsicherheit. Die Folge war dann ein Spiel auf Augenhöhe, wobei es kein richtiges Spiel war, denn nach dem Freistoß zum 0:4 war der Drops gelutscht (Pling!).

Da kam natürlich noch ein Anschlusstreffer, aber immer wenn Schalke mal am Gaspedal roch, dann zitterte die Werkself. Durch Auswechslungen beendete Weinzierl das Spiel dann aber eigentlich vorzeitig. Sicher auch mit Blick darauf den Spielern, die quasi immer spielen, ein bisschen Luft zu geben.

Dabei gilt festzuhalten, dass bei allem Pech das Schalke in dieser Saison schon hatte (Teaser für die Saison-Rückschau) die Knappen heute auch ein bisschen Glück hatten. Also bei der Höhe des Sieges jetzt. Das Glück des Tüchtigen, vielleicht. Oder es wurde einfach mal Zeit, wegen Karma. Wattweissich.

Selbstverständlich kam Schalke zu den deutlich besseren Abschlussgelegenheiten. Zwei der Tore entstanden jedoch nach Standards und Ralf Fährmann hat auch noch ein paar gute Dinger entschärft.

Sonst no‘ watt?

Schalke hat in dieser Saison oft eine strubbelige Anfangsphase. Die ersten 5 Minuten (plus minus 2) sind in den meisten Spielen eine große Überraschungstüte und entsprechen überhaupt nicht dem Rest des Spiels. Mal ist der Anfang mega stark, mal übelst schnarchig. In diesem Fall war letzteres der Fall, in jedem Fall ist das Publikum jedoch direkt voll da. Man weiß von Pep Guardiola, dass er zu Beginn oft eine solide Grundmasse auf’s Feld schickt um dann entsprechend des Gegners nachzubessern. Ob Weinzierl das ähnlich macht, da hab ich mir noch kein wirkliches Urteil gebildet. Gefühlt ist da aber eine zu starke Regelmäßigkeit erkennbar, als dass von einem normalen Abtasten die Rede sein könnte. Das würde ich gern mal mit Euch diskutieren. Schreibt doch vielleicht Eure Meinung in die Kommentare unten. 🙂

Ein paar Worte zur Statistik. Immer wieder während der Übertragung erwähnte der Kommentator, dass die Torschuss-Statistik ausgeglichen sei. Das ist auch völlig richtig, zum Schluß war dies 13:12 für Leverkusen. Die Qualität ist aber natürlich entscheidend. Innerhalb des Strafraums konnte Leverkusen nichtmal die Hälfte davon abgeben (6), während Schalke auf 10 Abschlüsse aus dem Strafraum kam. Oft bewegt sich das bei Schalke, wie auch den meisten anderen bei nur knapp 50%. Merke: Schuss ist nicht gleich Schuss. Das nehmen wir aber in der Zukunft auch nochmal genauer unter die Lupe.

Die weiteren Daten sprechen klar für Schalke. 5km mehr gelaufen als die Hausherren (115,8km nämlich) und 56,52% gewonnene Zweikämpfe.

Das Wort zum Sonntag

Schalke gewann hoch, weil Leverkusen desolat spielte. Gleichzeitig schaffte Schalke es die sich bietenden Lücken smart auszunutzen und endlich mal ein paar Tore nach Standards zu machen. Anschließend schaffte es Schalke außerdem die Führung smart zu verwalten, ohne den Gegner stark zu machen oder sich selbst irgendwie wirklich in Verlegenheit zu bringen. Das ist wirklich richtig gut. Schalke hat ein wirklich richtig gutes Spiel gemacht.

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der Stadt, die mal die höchste Fördermenge in Europa hatte. Aufgewachsen in einer Familie von Püttologen studierte er an der FH Gelsenkirchen irgendwas mit Computern. Später zog es ihn in die Ferne zu den Wikingern, wo ihm erst bewusst wurde, wie viel Ruhrpott in ihm steckt.

Nach hunderten von Herzklabastern, weil der elende Internetstream immer bei blau-weißen Torchancen abbrach, ist er als Doktor Labertasche wieder zurück in der Heimat (mit Dauerkarte in Block 5) und theoretisiert neben der Maloche den König Fußball. Weil aber seine Kumpels schnell davon genervt waren, verlagerte er das Ganze und gründete Halbfeldflanke zum Beginn der Saison 2013/2014.

Kategorie: Spielbericht

Zu Gast im Rasenfunk » « Schalker Löcher. FC Schalke 04 – RB Leipzig, 1:1

11 Comments

  1. Danke für die wiedermal sehr schön geschriebene Analyse! Ich selber war gestern beim Schauen zwischen zwei Empfindungen gefangen, die eine war ein sehr positives „was zur Hölle? Wir führen? So hoch???“ und die andere ein Misstrauen, das sich aus der schalkehaftigkeit der Schalker und vor allem aber unserer Saison gespeist hat. „Können wir diese Führung auch halten?“, war die Frage und bejahen konnte ich die auch deswegen nicht, weil die Leverkusener Offensive sogar an diesem Tag, an dem für sie fast nix lief, höchste Gefahr ausstrahlte. Was da an Geschwindigkeit, Technik und in Person von Volland Robustheit zusammenkommt ist schon echt der Wahnsinn.

    Ich finde in der Defensive haben wir uns allgemein im Ballbesitz und dem Umspielen von Pressing verbessert, auch Ralf hat in dieser Saison bei kurzen Abspielen Fortschritte gemacht. Ich würde mir aber wünschen, dass noch ein paar mehr Spieler diese Ruhe erlernen, wie du sie bei Badstuber beschreibst, und dann situativ anwenden. Aber das ist verbunden mit dem Wunsch, dass wir zur und in der nächsten Saison unser Ballbesitzspiel noch weiter verbessern.

    Zu der Anfangsphase: Ist das wirklich erst diese Saison so? Rein vim Gefühl würde ich nämlich sagen, dass das ein Problem ist, das uns über die Jahre begleitet, natürlich mit Schwankungen. Ich glaube der einzige Trainer, der das soch richtig in den Griff bekommen hat, war DiMatteo mit seine Anfangsoffensive bevor gemauert wird.

    • Volland, ich hab Volland ganz vergessen. Der war auch überall in den Angriffen. Und ich stimme voll zu beim Umspielen des Pressings im Spielaufbau. Einer der Punkte in denen sich Schalke stark verbessert hat in dieser Saison.

      Bezüglich der Anfangsphase, mir kommt es so vor, und ich mag mich täuschen, dass es in dieser Saison deutlich systematischer oder regelmäßiger als sonst. Eine Anfangsphase zu verschlafen passiert ja immer mal. Ich würde das in der Vergangenheit eher normal nennen.

  2. Hallo Karsten, vielen Dank für Deine Analyse. Toll, wie Du die gute Laune, die das Spiel gebracht hat, auch mit in Deinen Kommentar rüber gezogen hast.
    Leider kann ich zu einer Diskussion um das Abtasten bei Spielbeginn nichts beitragen, als seltener Gast in der Arena, also meistens nur Zuschauer am Fernseher, ist das schwierig.
    Siehst Du Julian Brandt wirklich als zukünftigen Weltstar? Ich finde, der hat ganz wenig Spielübersicht und denke, dass der immer ein Einzelspieler bleiben wird, wie Julian Draxler auch.

    • Ach, die Beobachtung der ersten Minuten funktioniert doch vom Sofa viel besser als im Stadion. 🙂

      Brandt halte ich wirklich für extrem stark. Die Bewegungen von ihm, wie er Räume findet und hineinsticht, die Schnelligkeit und coolness im und rund um den gegnerischen Strafraum, das finde ich schon alles sehr beeindruckend.

  3. Zwei Dinge sind besser geworden:
    1. Angefangen bei Fährmann geordnet Pressing umspielen.
    2. Höwedessig bis zur letzten Minuten konsequent durchmalochen und so noch Spiele drehen.
    Noch gelungen ist, drollig Leute holen, die voll einschlagen: Burgi und so.
    Ob das so reicht als Umbauergebnis für Heidel/Weinzierl weiß ich nicht. Ist aber schon mal schön.
    Sonst sind die Sane/Draxler-Millionen ja diese Saison leider im Krankenhaus (Embolo) oder neuen Duschen (die ja wohl noch gebaut werden) verschwunden. Ich bleibe mittelfristig vorsichtig halboptimistisch.

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    30. April 2017 — 20:17

    Heimlich, still und leise genieß ich deinen Blog seit dieser Saison, aber heute habe ich einfach Lust an der Diskussion teilzunehmen.
    Also sag ich mal an dieser Stelle, Hallo Karsten.

    Zu den anfänglichen fünf Minuten kann ich soviel sagen, ich denke es ist zu regelmäßig um willkürlich zu sein, zu unterschiedlich zum Matchplan um nicht einstudiert zu sein. Ich habe das Gefühl, dass das Trainerteam einen Spielzug einplant um den Gegner zu überraschen. So eine Art „Opening Punch“ um ein überraschendes erstes Tor zu schießen. Das ganze ist mal mit Erfolg gekrönt (Hoffenheim und Köln habe ich da im Kopf) und mal fliegt der einem einwenig um die Ohren ( z. B. gegen Leverkusen ). Ich empfand gerade hier gegen Leverkusen die ersten 30 Sekunden als sehr interressant. Als ich das gesehen und vorallem den Einwurf von Kola habe ich mir gedacht “ Was soll den das jetzt, was steht der Benji so nah am Einwurf und der Leon und Cali so weit weg?“. Die Situation resultiert wegen falscher Positionierung aller Mittelfeldakteure und einer klaren Fehleinschätzung der Situation seitens Bentaleb, oder aber es wurde bewusst ein Risiko in Kauf genommen um sich so auf der überlagerten Seite durchzukombieren. Letzteres ist meinem Empfinden nach der Fall.

    Ich empfinde die Saison bislang als sehr positiv und bin wirklich erstaunt über die Entwicklung. Ja die Konter werden zu oft mies ausgespielt und ja die Mannschaft verliert allzu oft zusammen mit dem Publikum ihre Coolness in den Schlussminuten und stellt dann den Spielaufbau ein in der Hoffnung nochmal einen reinzuzwingen und ja die Ergebnisse sprechen gegen die Mannschaft. Aber wenn ich die letzten 3 oder sogar 4 Jahre Revue passieren lasse, muss ich sagen das mir der Fussball auf Schalke in diesem Jahr am meisten Spaß gemacht hat. Soviele tolle Momente, endlich mal intelligentes Teamplay bei dem wir versuchen ( ja noch zu oft nur versuchen) einstudierte Spielzüge zu spielen und so versuchen aktiv das Spiel zu gestalten. Mehr als ich für möglich gehalten habe in Anbetracht der Umstände ( Verletzungen, aufgeregtes Umfeld, Umbruch, fehlende Spielintelligenz bei zu vielen Kaderspielern in Schlüsselpositionen, die vorhandene „dann mach ich’s halt selber Einstellung“ einiger Spieler). Ich denke mit der Zeit wird es mehr Fans geben die wegen des Fussballs und nicht trotz des Fussballs Schalkefans sind, und das stimmt mich optimistisch.

    Zwei Schlusssätze noch, deine Arbeit ist konstruktiv, positiv, reflektiert, lustig und fokussiert es macht wirklich Spaß deine Analysen zu lesen. Auch wenn ich hin und wieder nicht zustimme so schätze ich deine Meinung immer sehr hoch ein und freu mich immerwieder auf die nächste Analyse.

    • Hallo Du, freut mich, dass Du an der Diskussion teilnimmst und vielen Dank für all Dein Lob. 🙂

      Die Theorie mit dem ersten geplanten Spielzug finde ich sehr interessant. Ich halte das mal im Auge und achte mal genauer drauf ob und was mir da auffällt.

      Beim generellen Fazit bin ich voll Deiner Meinung. Ich finde Schalke hat große Schritte gemacht in dieser Saison. Auch, wenn natürlich noch einiges an Konstanz fehlt und meiner Meinung nach viel Pech da war. Ich hab da schon ein paar Sachen im Kopf, die werde ich dann bei der Saison-Analyse in ein paar Wochen zusammenschreiben.

    • So eine Idee wie der von dir beschriebene opening Punch beschleicht mich auch schon seit längerem, ich konnte es bisher aber nicht so wunderbar auf den Punkt​ bringen.

      Spinnen wir den Gedanken etwas weiter:
      Vermutlich gibt Weinzierl dem Team also sehr detaillierte/ausgearbeitete Matchpläne mit. Zu Problemen kommt es dann, wenn seine Ideen nicht aufgehen. Dann kann er das nicht mit dem Rufen von 2-3 taktischen Ansagen von der Seitenlinie aus ändern.
      Er braucht entweder die Halbzeit um die Vorgaben entsprechend detailliert anzupassen oder gibt einem Einwechselspieler die geballten Vorgaben mit.
      Legt Schalke also einen Fehlstart hin, versucht er die Mannschaft soweit zu stabilisieren um sich mit möglichst offenem Ergebnis in die Halbzeit zu retten. Für die zweite Hälfte geht die Elf dann neu eingestellt ans Werk.

      Das Problem: entweder liegt Schalke dann schon hinten und kämpft oder der Gegner muss sich ebenfalls zur Halbzeit umstellen und dann wirkt Weinzierls neuer Plan vllt schon nicht mehr.

      Das Gute daran wäre, dass man Weinzierl nur in Ruhe weiterarbeiten lassen muss, damit sich die Mannschaft ein größeres taktisches Repertoire aufbauen kann. Außerdem weiter spielintelligente Fußballer kaufen und fördern.

  5. Auch wenn ich mich sehr über die Standards gefreut habe, würde ich das im Nachgang gerne relativieren. Das 4:0 war schon Klasse von Burgstaller, aber abgesehen davon, dass auch das schlecht verteidigt war, mit so einer Führung im Rücken gelingen bekanntlich Dinge, die sonst nicht so laufen.

    Dem 2:0 geht die Verletzung von Toprak voraus und die Tatsache, dass der gegnerische Trainer weder in der Lage ist, vor zwei wichtigen Standards einen neuen Innenverteidiger einzuwechseln, noch von Außen die Zuteilungen so zu machen, dass eine professionelle Strafraumverteidigung dabei herauskommt. Gleich drei robuste Gegenspieler (Kießling, Hilbert, Volland) lassen sich von einer einzigen Bewegung Goretzkas von der Mitte wegziehen, um damit das Kopfballungeheuer Julian Brandt bei Höwedes 6 m vor dem Tor in zentraler Position alleine zu lassen. Das ist keine Mannzuteilung und keine Raumzuteilung, und es gibt keinen Spieler, der die Abwehr organisiert. Ich behaupte, so etwas passiert dem schlechtesten Drittligisten zweimal in der Saison. Insofern würde ich diese Standardverwertung nicht wirklich zählen. So eine Gelegenheit wird es in der Bundedliga in den nächsten fünf Jahren nicht mehr geben.

    Zu den besseren Laufleistungen der Schalker: Ich war neugierig und habe das mal im Detail geschaut, weil es im Spiel ja durchaus so ausgesehen hat, als ob Leverkusen sehr emsig war. Selbstverständlich ist Schöpf (gute Besserung!) wie in jedem Spiel wieder Kilometerfresser Nummer eins, mit 12,63 km wie so häufig in der Saison fast 1 km fleißiger als der zweitbeste, Leon Goretzka, dessen Platzierung auch nicht verwundert. Danach folgen auf Schalker Seite allerdings Coke (!) und Burgstaller, noch vor den Sechsern. Addiert man den Wert von Kola und Aogo kommen auch leicht höhere Werte raus als bei Stambouli und Bentaleb.

    Bei Leverkusen ist es genau umgekehrt. Die Sechser sind die laufreudigsten zusammen mit den anderen Offensivkräften (Volland führt die Liste bei Leverkusen an, ist aber von der Laufleistung sehr nah an Burgstaller mit vergleichbarer Rolle). Dafür laufen die Außen der Chemiker wenig (Heinrichs zum Beispiel mit nur 9,28 km).

    Das Ganze ergibt dann eine fundamental andere Statik. Schalke ruht im defensiven Zentrum, Insbesondere mit der am Ende sich kleinräumig, aber sehr sinnvoll bewegenden Spinne Bentaleb im Netz (vergleichsweise wenige Kilometer, hat Weinzierl hier seinen Daniel Baier gefunden beziehungsweise baut ihn gerade in der Rolle auf?), während sich um ihn herum alles bewegt, Anspielstationen schafft, gerade im höheren Bereich, und trotzdem immer wieder die Rückreise antritt, um defensiv stabil zu stehen.

    Dagegen die Werkself, insbesondere mit dem quirligen, aber dann auch unruhigen Kampl, die immer wieder ganz hübsche, aber isolierte Aktionen mit den Achtern und den beiden Stürmern starten, die aber trotz individueller Klasse nicht entscheidend durchbrechen, weil die Unterstützung über die Außen fehlt. Umgekehrt defensiv ist die Mitte unruhig und deshalb oft in den entscheidenden Momenten unorganisiert, während die von Dir bei Leverkusen bemängelten horizontalen und vertikalen Abstände schlicht darin ihre Ursache haben, dass sie von den Außen nicht sauber zugelaufen werden.

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