Für die Nationalmannschaft legt der Ligabetrieb eine Pause ein. Ich packe die Gelegenheit beim Schopfe und ziehe ein Zwischen-Fazit nach 8 Spieltagen. In diesem Beitrag gucke ich mir ein paar Statistiken genauer an und zeige an Hand derer was gut läuft und was nicht so. Prinzipiell unterlege ich aber eigentlich nur mit Daten was eh schon alle wussten: Schalke ist vorsichtig nach vorne und hat hinten Probleme.

Ich beziehe mich hier nur auf die Bundesligadaten, Champions League und DFB-Pokal werden ignoriert. Aber die Daten halte ich bereits für recht repräsentativ, weil sie eben nicht nur aus Spielen gegen Mannschaften aus dem Tabellenkeller entstanden sind, sondern gegen zwei der drei stärksten Deutschen Mannschaften (Bayern & Leverkusen), sowie eher spielstarke Teams (Wolfsburg, Hannover, Mainz, Hoffenheim, aber in dieser Saison durchaus auch Augsburg).

Die Offensive

Schalke gibt wenige Torschüsse pro Spiel ab, lediglich 11,3 pro Spiel, das macht Platz 15. Die Spitze der Liga liegt deutlich darüber, Bayern (19,4) und Dortmund (23,9). Allerdings gibt es da eine andere Zahl, die in Verbindung gesetzt werden kann. Die geschossenen Tore nämlich, wir erhalten also die Torversuche pro geschossenem Tor.

Schalke benötigt lediglich 6,7 Schüsse für einen Torerfolg und liegt damit auf Platz 4 in der Liga, hinter Augsburg (5,1), Hoffenheim (5,3) und Mainz (6). Dortmund (9,2) liegt noch auf Platz 10, Bayer (13,8) und die Bayern (21,6) sind die Tabellenschlusslichter.

Nun ist der Torschüsse-pro-Tor-Quotient mit Vorsicht zu genießen. Das erkennt man nicht zuletzt daran, dass die erfolgreichsten Teams der Bundesliga auf den hinteren Plätzen liegen. Allerdings unterstreichen die Zahlen, was in jedem Spiel zu beobachten ist. Dortmund und die Bayern haben je eine Menge Torschüsse, weil sie sehr viel Druck in der Offensive machen. Schalke macht (leider) nicht immer so viel Druck nach vorn. Allerdings wird nicht bei jeder Halbchance draufgehalten, so wie es die Bayern derzeit praktizieren. Wenn die Schalker keinen konkreten Torerfolg absehen können, wird lieber zum Pass gegriffen. Im Zweifelsfall eben auch wieder nach ganz hinten, zum Torhüter, um die Gegnerische Formation aus der Reserve zu locken und erst dann zuzuschlagen, wenn sich eine realistische Möglichkeit bietet. Das treibt so manchen in der Arena in den Wahnsinn, ist aber eine sehr kluge Spielweise um den Ballbesitz nicht leichtfertig auf’s Spiel zu setzen. Gegen den Ball hat Schalke nämlich im Gegenteil zu Bayern und Dortmund kein geeignetes Rezept um den Ball möglichst schnell wieder zu erobern.

Die Defensive

Die Schalker Defensive ist sehr passiv organisiert. Das ist so und daran ist prinzipiell nichts auszusetzen. Allerdings hat Schalke bereits 17 Gegentore bekommen, lediglich Braunschweig, Freiburg (beide 18), Hamburg (19) und Hoffenheim (20) haben mehr bekommen. Doch wo kommen diese ganzen Tore her?

Schalke bekommt pro Spiel 14,3 Schüsse auf’s eigene Tor. Das ist relativ viel und bedeutet Rang 7. Den traurigen Höchstwert in dieser Statistik erreicht Nürnberg (mit 19,8), Leverkusen (13,8) hat einen ganz ähnlichen Wert wie Schalke und belegt Rang 9, Bayern und Dortmund sind auch hier Liga-Spitze (beide 8,1).

Wenn wir die Schüsse und die Tore auch hier in Verbindung bringen zeigt uns die Statistik, wie häufig Gegner auf’s eigene Tor schießen müssen um zu punkten. Schalke liegt hier auf dem 4. Platz, mit lediglich 6,7 Schüssen pro Tor. Es ist ja sinnvoll sich an den besten zu orientieren, darum zum Vergleich nochmal Dortmund (Platz 10 mit 9,3), Leverkusen (Platz 17 mit 13,8) und die Bayern (Platz 18 mit 21,6). Das heißt, dass Schalke nicht nur viele Torschüsse zulässt, sondern ziemlich viele davon auch direkt ins Tor gehen.

Ich will nicht groß darauf eingehen, aber zuletzt wurde ja viel über die Schalker 6er gesprochen. Wenn Neustädter und Höger gleichzeitig auf dem Platz stehen sinkt die Gegentorzahl gewaltig. Königsblog und Spielverlagerung haben Details.

Generell

Bei Betrachtung der Statistiken hat mich gewundert, dass die Seitenverhältnisse bei Schalke relativ ausgewogen sind. Der Fokus ist schon deutlich auf der rechten Seite: Uchida, Farfan und Höger bilden viele Dreiecke und kombinieren sich regelmäßig den Flügel entlang. Insgesamt gehen allerdings nur 41% der Angriffe über rechts, 30% über links und 29% durch die Mitte. Die Mitte wird also etwas vernachlässigt, generell ist das Spiel aber recht variabel.

Für mich als Kurzpassfetischisten ist es zusätzlich schön zu sehen, dass Schalke in der Statistik auf Platz 4 rangiert mit 391 gespielten Pässen pro Spiel. Davor liegen nur Dortmund (482), Gladbach (505) und die Bayern (622). Allerdings führt Schalke damit eher das breite Mittelfeld an, denn wo die Spitze relativ weit auseinander liegt, besteht der Unterschied zwischen Schalke und der Hertha (339) auf Platz 12 aus gut 50 Pässen. Zum Vergleich: Marco Höger allein spielt pro Spiel 55,7 Pässe.

Außerdem ist Schalke nach wie vor eine der Passtärksten Teams der Bundesliga. 81,9% aller Pässe finden einen Mitspieler, das bedeutet Rang 4, direkt hinter Wolfsburg (83%), Gladbach (86%) und den Bayern (unglaubliche 89%) – allerdings genau vor Dortmund (81,8%).

Fazit

Die Statistik macht nochmal deutlich, was schlecht läuft, besonders in Relation zu den Mitstreitern in der Liga. Es gibt zu viele Tore und zu viele Torgelegenheiten für Gegner. Selbst spielt Schalke sich relativ wenige Torgelegenheiten heraus, verwertet diese aber häufig.

Ein Schlüssel könnte die Passivität sein, die ja häufig angeprangert wird. Eine aktivere Spielgestaltung könnte in mehr Torgelegenheiten resultieren, aber den Gegner auch besser vom Tor fern halten. Allerdings krankte es in vielen Spielen zu Saisonbeginn auch am Spielaufbau. Wenn Keller konstant auf Neustädter-Höger setzten würde, wäre das sicher schon ein großer Schritt nach vorn. Das sollte auch die Defensive stabilisieren, da 62% aller Schüsse auf’s Schalker Tor bisher durch die Mitte kommen.

Die Statistiken habe ich übrigens von WhoScored.com – falls ihr auch mal rumstöbern wollt. 🙂

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der Stadt, die mal die höchste Fördermenge in Europa hatte. Aufgewachsen in einer Familie von Püttologen studierte er an der FH Gelsenkirchen irgendwas mit Computern. Später zog es ihn in die Ferne zu den Wikingern, wo ihm erst bewusst wurde, wie viel Ruhrpott in ihm steckt.

Nach hunderten von Herzklabastern, weil der elende Internetstream immer bei blau-weißen Torchancen abbrach, ist er als Doktor Labertasche wieder zurück in der Heimat (mit Dauerkarte in Block 5) und theoretisiert neben der Maloche den König Fußball. Weil aber seine Kumpels schnell davon genervt waren, verlagerte er das Ganze und gründete Halbfeldflanke zum Beginn der Saison 2013/2014.