Halbfeld­flanke

FC Schalke 04 – Chelsea FC, 0:3

Eines der Parallel-Duelle zwischen dem Ruhrpott und London: Das Spiel der Königsblauen gegen die Blues. Eine Lazarett-geplagte Rumpftruppe aus Jugendspielern gegen ein teuer zusammengekauftes Starensemble. Keller gegen The Special One. Die Konkurrenten um den linken DFB-Flügel, Draxler gegen Schürrle. Der 2. der Premier League zu Gast beim 5. der Bundesliga. Am Ende gewann Erfahrung über Perspektive.

Die Startaufstellungen: Schalke 04 - Chelsea FC

Die Startaufstellungen: Schalke 04 – Chelsea FC

Chelsea befindet sich im Umbruch. Es wurden eine Menge junger Leute geholt, besonders im Mittelfeld tummeln sich eine Menge Qualität. Dass Kevin De Bruyne (um den sich ja im Sommer die halbe Bundesliga gestritten hat) und Juan Manuel Mata viel Zeit auf der Bank verbringen, ist da sehr bezeichnend. Der ganz große Schnitt kam aber durch die Wiederkehr von Erfolgscoach Mourinho, an dessen System sich das Team noch nicht ganz gewöhnt hat. Zonal Marking beschreibt ausführlich, dass Mourinho kein großer Innovator ist. Chelsea spielte dementsprechend so wie man es sowohl von einem Mourinho Club als auch von Chelsea gewohnt ist: Defensiv.

Von Anfang an (also auch schon vor dem Tor) war der Fokus von Chelsea eine geordnete Defensive und schnelle Konter. So billig das auch klingt, es war vor allem erfolgreich, weil Chelsea beides richtig gut beherrscht. Chelsea baute zwei 4er-Ketten direkt vor dem eigenen Strafraum auf. Torres und Oscar positionierten davor und liefen im Mittelfeld das Schalker Aufbauspiel an. Dabei stand Chelsea sehr eng und kompakt.

Zu jeglichem Zeitpunkt war Chelsea dabei allerdings in der Lage einen üblen Konter auszupacken. Bei jeder Balleroberung stürmte alles überfallartig Richtung Hildebrand. Das Umschalten funktionierte aber nicht nur in die Offensive hervorragend, auch defensiv stand Chelsea nach Ballverlust sehr schnell wieder geordnet.

Schalke spielte zwar stark Stammkraftgeschwächt, aber eigentlich wie immer. Wie schon gegen Basel spielte Meyer auf der 10 und Boateng als beweglicher Stürmer davor. Außerdem ersetzte Jones den verletzten Höger. Defensiv baute sich Schalke in einem 4-4-1-1 mit Meyer direkt hinter Boateng auf.

Prinzipiell ist Chelsea wohl zurzeit sowas wie der Albtraumgegner für Schalke, da die Engländer genau das perfektioniert haben, womit Schalke die größten Probleme hat: Sich hinten rein zu stellen. Passende Mittel dagegen hat Keller bisher noch nicht entwickeln können. Zu sehen war das in dieser Saison schon häufig, vor allem gegen Bukarest.

In England sagt man: den Bus parken. An den Pässen kann man sehen, dass es Chelsea lediglich darum ging, Schalke nicht in den Strafraum zu lassen.

In England sagt man: den Bus parken. An den Pässen kann man sehen, dass es Chelsea lediglich darum ging, Schalke nicht in den Strafraum zu lassen. Quelle: FourFourTwo

Zum Spiel selbst gibt’s leider gar nicht so viel zu sagen…
Schalke verteidigte souverän. Das mag bei 3 Gegentoren bizarr klingen, aber dass Chelsea offensiv nicht viel zu melden hat kommt nicht von ungefähr. Besonders das Zentrum wurde überraschender Weise von Schalke dominiert. Dafür wurde der Verlust eines Stoßstürmers in Kauf genommen. Für Chelsea gab es da im Normalfall kein Durchkommen und griff mit schlichter Regelmäßigkeit zum langen Ball. Boateng war sehr umtriebig und überlud wo er konnte. Ebenso Draxler, der überall im Mittelfeld zu finden war und sich sogar regelmäßig ins Aufbauspiel einschaltete. Dadurch fehlte er allerdings gelegentlich in Strafraumnähe, was ihm zum Teil sehr negativ ausgelegt wurde. Auch die beiden Außenverteidiger Aogo und Uchida waren sehr aktiv. Beide kamen mit schlichter regelmäßigkeit an die Grundlinie. Es gegen Chelsea durch die Luft probieren zu wollen und haufenweise Flanken zu schlagen ist allerdings ein sehr kurz gedachter Ansatz. Denn erstens gab es ja keinen richtigen Mittelstürmer, der diese abnehmen konnte und zweitens hat Chelsea nunmal absolute Lufthoheit. So gingen auch 3/4 der Duelle in der Luft verloren.

Letztendlich waren nur sehr wenige Torchancen wirklich zwingend. Diese müssen dann aber gegen ein Team wie Chelsea verwertet werden, sonst holt man sich einen Satz heißer Ohren.

Fazit

Letztendlich waren es ein Standard (Hauptproblem diese Saison) und zwei Konter, die das Spiel entschieden. Chelsea spielte smart, ließ Schalke den Ball und fokussierte sich auf‘s Beton anrühren. Insgesamt kamen von Chelsea lediglich 4 Schüsse auf das Schalker Tor. Die Konter waren schlau gespielt, allerdings gab es hauptsächlich lange Bälle und Stellungsspiel. Magerkost für sogenannte Fußballästheten, gespeist aus haushoher individueller Klasse.

Aus Schalker Sicht trotz den bitteren Ergebnisses eine gute Partie. Mit den Stammkräften oder einem kreativen Konzept von Keller wäre dieses Chelsea besiegt worden, davon bin ich überzeugt.

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der Stadt, die mal die höchste Fördermenge in Europa hatte. Aufgewachsen in einer Familie von Püttologen studierte er an der FH Gelsenkirchen irgendwas mit Computern. Später zog es ihn in die Ferne zu den Wikingern, wo ihm erst bewusst wurde, wie viel Ruhrpott in ihm steckt.

Nach hunderten von Herzklabastern, weil der elende Internetstream immer bei blau-weißen Torchancen abbrach, ist er als Doktor Labertasche wieder zurück in der Heimat (mit Dauerkarte in Block 5) und theoretisiert neben der Maloche den König Fußball. Weil aber seine Kumpels schnell davon genervt waren, verlagerte er das Ganze und gründete Halbfeldflanke zum Beginn der Saison 2013/2014.

Kategorie: Spielbericht

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2 Comments

  1. Mal eine Analyse die nicht auf Klatsche oder Blamage endet. +1
    Ein wenig mehr kreative Impulse hätte ich mir von Boateng und Draxler gewünscht (im Moment kommt da am Meisten von Meyer) vorne hätte Szalai beginnen sollen und Boateng ins Mittelfeld, Clemens raus, selbst wenn Boa dann nur eine Halbzeit durchhält!
    Boateng hätte sich so vielleicht besser zwischen den engen 4er Ketten von Chelsea bewegen können und damit mehr Gefahr ausstrahlen können.
    Schade ist einfach das Keller kein erkennbares Mittel parat hatte, mit dieser Taktik von Chelsea war ja zu rechnen…
    Auch die Schwäche bei Standards bekommt er nicht in den Griff ohne das frühe Gegentor läuft das Spiel ganz anders..

    Naja jetzt zählt das Derby. Glückauf!

  2. Treffend.

    Gruß

    Jörg

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