Halbfeld­flanke

Schalke hat ein Angriffsdrittelproblem, Mainz 05 – Schalke 04, 2:0

Das Unentschieden gegen Wolfsburg in der Vorwoche gab Mut. Schalke hat gezeigt, dass es auch Fußballspielen kann und eben doch mit einem Starken Gegner mithalten kann. Daran sollte angeknüpft werden. Doch trotz einer deutlichen Steigerung kamen gegen einen vermeintlich schwächeren Gegner die alten Probleme zum tragen.

Die Grundformationen zu Spielbeginn.

Die Grundformationen zu Spielbeginn.

Die Formationen

Im Hinspiel wurde diese Begegnung noch gefeiert, dass die WM ihre Spuren hinterließe und es „die erste Bundesligapartie in diesem Jahrtausend war, bei der beide Mannschaften nicht (!) mit einer 4er Kette aufliefen“ (siehe Analyse FC Schalke 04 – FSV Mainz 05, 4:1). Das war diesmal etwas anders. Das Spiel hätte genauso vor 4 Jahren schon stattfinden können. Beide Mannschaften trafen im traditionellen 4-2-3-1 auf, welches nach der WM in Südafrika zum Bundesligastandard mutierte.

Dabei setzten beide Mannschaften allerdings statt auf einen richtigen 10er, eher auf eine hängende Spitze. Es gab nicht so recht jemanden, dessen primäre Aufgabe es war im Angriffsdrittel die Bälle zu verteilen. Vielmehr gab es den echten Stürmer, der an der Abseitslinie stand (Huntelaar, bzw. Okazaki) und dahinter jemanden, der immer auf der Hut war ebenfalls zuzustechen (Choupo-Moting & Malli). Dazu bildeten beide Mannschaften die gleiche leichte Asymmetrie ab. Einer der außen war jeweils der Breitengeber (beide mit der Nummer 17 beide auf der rechten Außenbahn: Farfán & Samperio) und dessen Gegenüber, welcher sich eher an den Halbraum orientierte (Sané & Koo).

Hüben wie drüben kippte einer der 6er gelegentlich ab und die Außenverteidiger rückten gelegentlich auf. Damit sind wir aber auch schon bei den Details der Spielsysteme angekommen, welche sich, bei allen Gemeinsamkeiten in der Formation, deutlich voneinander unterschieden.

FSV Mainz 05

Mainz setzte auf Geis und der setzte auf lange Bälle. Immer wieder spielte er weite Vertikal- oder Diagonalpässe. Der 6er war damit der Schlüsselspieler, denn das offensichtliche Ziel von Mainz war es das Schalker Mittelfeld zu überbrücken. In den Passdiagrammen ist regelrecht ein Loch um die Mittellinie zu erkennen. Mainz wollte dem Schalker Mittelfeldpressing so aus dem Weg gehen und schnell hinter die Verteidigung kommen. Das klappte meist nicht, die Schalker defensive ließ sich so nicht überrumpeln.

Defensiv spielte Mainz ein gutes Mittelfeldpressing mit zwei 4er-Ketten. Immer wieder schoben sie dabei vor und rückten auf. Damit ließen die Schalker nicht einfach nur kommen, sondern sie beeinflussten aktiv deren Rhythmus und entledigten sich so des Drucks.

FC Schalke 04

Schalke spielte richtig guten Fußball. Es gab ein hohes Mittelfeldpressing, dass Mainz daran hinderte irgendwie ins und übers Zentrum zu kommen. Es gab hübschen Spielaufbau zu sehen, nicht nur mit Kurzpass auf den Nebenmann, sondern gern auch direkte Pässe auf den Nebenmann des Nebenmanns, oder den Mitspieler hinter dem Deckungsschatten des Gegners. Das klappte natürlich nicht immer, aber alles in allem erstaunlich gut. Schalke hatte einen geregelten und ansehnlichen Spielaufbau, kam regelmäßig und vor allem zügig ins Angriffsdrittel.

Dort wurden alle vier Offensivkräfte eingebunden, sie interagierten in einem (mehr oder weniger) fluidem Angriffskollektiv. Begünstigt natürlich durch die Geschwindigkeit und das überrumpeln der Mainzer. So kam Schalke in nicht mal 20 Minuten zu bereits 4 Torchancen.

2 Ecken, 2 Tore

Manz war bereits dabei sich neu zu organisieren und vorsichtiger aufzurücken, damit Schalke nicht mehr so schnell an den Strafraum kam, als es passierte. Mainz kam durch zwei Ecken innerhalb weniger Minuten zu einem 2-Tore-Vorsprung, wie die Jungfrau zum Kinde. Die Reaktion war aber natürlich klar. Mainz fokussierte sich darauf defensive kompakt zu stehen, machte die Räume eng und enger. Damit war’s vorbei mit dem guten Schalker Spiel.

Jetzt kam Schalke nicht mehr spielerisch ins Angriffsdrittel. Jetzt konnten die vier Offensivkräfte nicht mehr so einfach interagieren. Jetzt kam man nicht mehr so einfach zu Torchancen. Mainz stellte alles zu. Und das machten sie sehr gut. Gepaart damit, dass Schalke in diesem Jahr sowieso arge Probleme hat Angriffe zu strukturieren und organisieren, war das Spiel gelaufen.

Das war’s dann…

Die Einwechslung von dem vertikalerem Goretzka und dem frischeren Draxler brachten auch nicht viel. Das Aufbauspiel war dann auch egal, weil Mainz sich in der Schalker Hälfte nur noch zu Kontern aufhielt oder um Schalke aus dem Rhythmus zu bringen. Königsblau kam dann auf über 60% Ballbesitz und noch zu ein paar Halbchancen (wie Mainz auch), doch die werden zur Zeit nunmal einfach nicht verwertet.

Damit hat Mainz klug umgestellt, das eigene Spiel so an die Situation und den Gegner angepasst, dass am Ende der souveräne Sieg dabei raussprang. Schalke zeigt deutliche Verbesserungen im Spielaufbau, kommt bei Angriffen aber nach wie vor kaum damit zurecht, wenn Gegenspieler diese unterbinden wollen. Das Restprogramm weißt leider aber nur Mannschaften aus dem Tabellenkeller auf, die genau das machen werden. Wenn Di Matteo nicht schnell mit einem Tor-Plan auftrumpft, sieht es mau aus mit Europa League.

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der Stadt, die mal die höchste Fördermenge in Europa hatte. Aufgewachsen in einer Familie von Püttologen studierte er an der FH Gelsenkirchen irgendwas mit Computern. Später zog es ihn in die Ferne zu den Wikingern, wo ihm erst bewusst wurde, wie viel Ruhrpott in ihm steckt.

Nach hunderten von Herzklabastern, weil der elende Internetstream immer bei blau-weißen Torchancen abbrach, ist er als Doktor Labertasche wieder zurück in der Heimat (mit Dauerkarte in Block 5) und theoretisiert neben der Maloche den König Fußball. Weil aber seine Kumpels schnell davon genervt waren, verlagerte er das Ganze und gründete Halbfeldflanke zum Beginn der Saison 2013/2014.

Kategorie: Spielbericht

Auf der Suche nach dem 10er, FC Schalke 04 – VfB Stuttgart, 3:2 » « Di Matteos Konzeptprobleme

4 Comments

  1. Hoffen wir mal, dass es was wird. Stuttgart und Hamburg können wenigstens weniger gut staffeln. Köln wird hingegen genau von Anfang an so spielen, wie Mainz nach der Führung. Wir schaffen einfach keine Überzahlsituationen im 2./3. Drittel und dann wachsen jedes mal noch die Torhüter (Bürki,Karius) über sich hinaus….

    Übrigens sehr gut analysiert.

    • Danke vielmals.

      Im Mittelfeld finde ich das mit den Überzahlsituationen eigentlich ganz ansehnlich, es wird dann am Strafraum etwas dünn. Hauptsächlich fehlt es mir aber an einem Plan tatsächlich in geeignete Abschlusssituationen zu gelangen.

      Und ja, Köln wird bitter, glaube ich auch. Hoffentlich bekommt Schalke bis dahin einen geeigneten Plan.

  2. Eigentlich waren es aber nur 20 gute Minuten des S04 und noch eigentlicher bewegten sich die Stürmer speziell in der 2. Halbzeit eher schlecht. Laufwege die einstudiert sind, Fehlanzeige, so scheint es. Körpersprache eine absolute Katastrophe und leider hatte die Matteo nicht den Mut ganz vorne zu tauschen.

  3. Im letzten Drittel ist Schalke zu oft in der Unterzahl. Die Spieler aus den hinteren Regionen rücken nicht konsequent und tief (konkret an und in den Strafraum) rein. Natürlich ist RDM wach bezüglich des defensiven Konterrisikos, also was tun? Was tun andere Vereine? Klopp , Guardiola und Schmid setzen (zwar jeweils etwas anders) auf ein extrem konsequentes Gegenpressing, um bei Ballverlust sofort in den Gegenangriff überzugehen, Bälle in den gefährlichen Zonen zurückzuerobern, oder mindestens den Konterangriff zu unterbinden , um sich zu sortieren. Favres Gladbach spielt aus einer extrem sicheren Ballzirkulation heraus den Gegner müde, um dann die Lücken zu finden, aber immer mit sicherer Abdeckung nach hinten. Ich glaube, RDM hält nicht viel von langen Ballzirkulationen (du hast ja mal an anderer Stelle dargelegt, dass Keller da wesentlich ballbesitzverliebter war). Also muss er einen dritten Weg finden (Wo ist der?) oder auch das Gegenpressing stärker und konsequenter spielen lassen. RDM hat hier schon ein paar Ansätze gezeigt (Beispiel gegen Gladbach, das einzige Tor entstand aus einer klassischen Gegenpressing-Situation). Das vermisse ich gerade.

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