Vermutlich die Reizfigur der vergangenen Saison war Kevin-Prince Boateng. Und das ist er ja eigentlich schon, seit seiner Verpflichtung. Die generelle Wahrnehmung ist jedoch, dass er in seiner ersten Saison der Mannschaft besser helfen konnte, als es in dieser Saison der Fall war. Tatsächlich liefert er genau das ab was man erwarten konnte. Aber was konnte man denn erwarten?

Die Qualität eines Spielers kann an dessen Einfluss auf Tore gemessen werden. Dazu ein paar Daten…

Saison Mit KPB in Startelf Ohne KPB in Startelf
2013/2014 31 Spiele
1,9 Tore
1,1 Gegentore
3 Spiele
1,5 Tore
1,8 Gegentore
2014/2015 11 Spiele
1,2 Tore
1,6 Gegentore
23 Spiele
1,3 Tore
0,9 Gegentore

Tore und Gegentore sind Durchschnittswerte pro Spiel.

Auffällig bei den Zahlen ist zunächst der Unterschied der Einsätze. Besonders seit der Übernahme durch RDM kam KPB zu deutlich weniger Spielzeit. Zusätzlich zu den 11 Startelfeinsätzen kam es noch zu 7 Einwechslungen, aber immer noch deutlich weniger als das, was er in der Vorsaison spielte. Bei nur 3 Spielen ohne ihn, fällt es schwer eine Aussage über den Einfluss Boatengs Abwesenheit auf das Torverhältnis zu machen. Die Zahlen würde ich daher vernachlässigen. Interessanter dagegen sind die Zahlen zur frisch vergangenen Saison, die zeigen, dass die Anzahl erzielter Tore beständig blieb. Allerdings gab es fast doppelt so viele Gegentore, wenn der Prince in der Startelf auflief.

Warum die schlechte Saison?

Den Grund für die schlechten Zahlen erkennt man, wenn man dahinter guckt. 4 Einsätze absolvierte er noch unter Keller, allein hier waren es über 2 Gegentore pro Spiel. Dazu kamen die Einsätze beim Hinspiel gegen Wolfsburg und Rückspiel gegen Dortmund, in denen es insgesamt 5 Gegentore gab. So kommen die Zahlen zu Stande. Die waren für Schalke aber nicht repräsentativ, da es insgesamt verhältnismäßig wenig Gegentore gab. Das nur an Boateng fest zu machen, halte ich für fragwürdig.

Den Grund für die schlechten Zahlen sehe ich eher bei den Einsatzzeiten. In Di Matteos 5er-Kette brauchte es klassische 8er, die sich im Halbraum tummeln. Für einen 10er mit riesigem Aktionsradius war da kein Platz, dafür war die Rollenverteilung zu strikt. Und auch als Schalke zur 4er Kette zurückkehrte gab es eigentlich keinen wirklichen 10er, Schalkes Hauptproblem über weite Teile der Rückrunde. Letztlich schaffte es Di Matteo nie den Spieler Kevin-Prince Boateng gut ins Spiel einzubinden.

Immer wenn KPB spielte, spielte er in einer Rolle, die ihm nicht liegt. Wie gestutzt, versuchte er sich dann als 8er. Dazu kommen seine taktischen Undiszipliniertheiten. Wenn er dann allerdings seine Freiräume bekam, wie zuletzt im Stuttgart Spiel, konnte er auch glänzen.

Qualitäten

Allerdings reden wir hier auch nicht von der Welt bestem Fußballspieler. Das sollte klar sein. Bereits beim AC Mailand hatte er den Ruf, dass sich Licht und Schatten häufig abwechseln. Er war dort schon gelegentlich Wochenlang nicht zu sehen und gewinnt dann ein Spiel im Alleingang. Sowas gab es auf Schalke dann auch in der Vorsaison. Wer etwas anderes erwartet hat sich mit dem Spieler nicht genau genug auseinandergesetzt. Dazu geht ihm, wie bereits erwähnt, die taktische Disziplin ab. Das ist ein Problem für Mannschaften, die über die Taktik kommen. Und zu so einem Team wollte RDM Schalke ja bauen. Auch wenn’s nicht geklappt hat. Aber auch sowas kann mit der richtigen Führung ja eingerichtet werden. Er wäre ja nicht der einzige Spieler mit diesem „Defizit“.

Es steht dagegen außer Frage, dass KPB ein großartiger Fußballspieler ist. Sein GoalImpact von 139, ist nicht herausragend, kann sich aber sehen lassen. Er hat eine unglaubliche Schusstechnik hat und ein Spielverständnis, wie wenige auf Schalke. Im Angriffsdrittel bewegt er sich so intelligent, wie sonst niemand im Schalker Kader. Dabei zieht er immer wieder Fouls und steckt Bälle durch. Niemand wird häufiger gefoult, nicht selten gibt es Freistöße in verheißungsvollen Bereichen. Außerdem hat er bei seinen wenigen Einsatzzeiten noch 3 Assists geliefert. Soviel wie Höger und Meyer zusammengenommen. Goretzka, Kirchhoff und Neustädter blieben sogar komplett ohne Assists.

Fazit

Schon bei der Vorstellung schrieb ich (Siehe: Neuzugänge Aogo & KPB), dass KPB nur durch einen starken Coach gebändigt werden könne. Meines Erachtens war genau das hier das Problem. Besonders unter dem Gentleman-Coach Roberto Di Matteo gab es da offensichtliche Probleme. Ich möchte hier nicht auf den Boulevard oder die Team-Internen Probleme eingehen. Das kann von außen sowieso nicht beurteilt werden. Offensichtlich ist jedoch, dass Schalke es nicht geschafft hat Kevin-Prince Boateng ins Spiel zu integrieren.

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der Stadt, die mal die höchste Fördermenge in Europa hatte. Aufgewachsen in einer Familie von Püttologen studierte er an der FH Gelsenkirchen irgendwas mit Computern. Später zog es ihn in die Ferne zu den Wikingern, wo ihm erst bewusst wurde, wie viel Ruhrpott in ihm steckt.

Nach hunderten von Herzklabastern, weil der elende Internetstream immer bei blau-weißen Torchancen abbrach, ist er als Doktor Labertasche wieder zurück in der Heimat (mit Dauerkarte in Block 5) und theoretisiert neben der Maloche den König Fußball. Weil aber seine Kumpels schnell davon genervt waren, verlagerte er das Ganze und gründete Halbfeldflanke zum Beginn der Saison 2013/2014.