Halbfeld­flanke

Die Schalker Offensiv-Brechstange. FC Schalke 04 – FC Ingolstadt 04, 1:0

Aus der Winterpause kam Schalke ein bisschen wie es hineingegangen ist. Fußballerisch ist wieder der Wurm drin gewesen. Aber Weinzierl brachte ein paar passende Änderungen, wobei nicht jeder Plan aufging.

Die Grundformationen zu Spielbeginn.

Gegründet 2004

Die Gäste sind voll im Abstiegskampfmodus. Intensiv attackieren und diszipliniert verteidigen. Dazwischen versuchen das Beste aus den sich bietenden Kontergelegenheiten zu machen. Und natürlich Zweikämpfe, Zweikämpfe, Zweikämpfe.

Sie bauten sich in einem 3-4-3 auf, womit sie die Formation Schalkes direkt spiegelten und ausreichend Personal im Mittelfeld zur Verfügung hatten um dort dicht zu halten. Die Schanzer attackierten recht hoch und versuchten so den Ball früh zu gewinnen und schnell Abschlüsse suchen zu können. Insgesamt waren sie recht fleißig und setzen den Ballführenden immer unter Druck, so dass Schalke sich zu keinem Zeitpunkt wirklich entfalten konnte.

Gegründet 1904

Weinzierl brachte eine Aufstellung die dem Standard aus der Hinrunde sehr ähnlich sah. Aogo ersetzte Bentaleb, welcher ja mit Algerien beim Afrika Cup aktiv ist. Ansonsten das gewohnte Bild im 3-5-2 mit Meyer als hängender Spitze hinter Choupo-Moting.

Insgesamt versuchte Schalke sich tief zu stellen und so zu vermeiden, dass Ingolstadt sich hinten einbunkert. Vermehrt wurde jetzt probiert nicht direkt auf die Flügel auszuweichen, sondern auch zentral zu gehen um nicht, wie im Dezember so häufig, in einer Sackgasse zu landen.

Geis, Aogo und das Zentrum

Dadurch, dass Ingolstadt die Schalker Aufstellung so schön gespiegelt hat, gab es allerdings einige Probleme im Spielaufbau. Besonders Geis litt arg darunter, der das Spiel jetzt mehr durchs Zentrum leiten sollte, als es zum Ende der Hinrunde der Fall war. Weil alle 3 Verteidiger zu jedem Zeitpunkt einen direkten Gegenspieler hatten, konnte Ingolstadt den Schalker 6er so komplett isolieren.

So konnte Geis seine Stärken kaum einbringen, gleichzeitig litt aber das gesamte Spiel unter seinen Schwächen. Er bekam den Ball nicht mit der nötigen Ruhe um seine weiten Bälle anzubringen oder Spielverlagerungen einzuleiten. Dafür hätte er vermehrt schnelle kurze Bälle spielen müssen und den Ball durch das Dickicht des Gäste-Pressings zu leiten, was nicht seine Stärke ist. Auch seine Schwächen im Stellungsspiel kamen jetzt wieder stärker zum Tragen.

Um hier Abhilfe zu schaffen, lies sich Dennis Aogo tief fallen. Oft bildete sich so eine Doppel-6. Dabei wirkte das ein bisschen befremdlich, denn die beiden harmonierten so überhaupt nicht miteinander. Zum Teil wirkte es als sei jeweils einer von ihnen in manchen Situationen überrascht den anderen in ähnlicher Position zu sehen. Aogo sorgte allerdings insgesamt für etwas Beruhigung im Spielaufbau, hinterließ aber natürlich eine Lücke im 8er Raum vor sich.

So wirkte das Spiel insgesamt recht unausgegoren. Ingolstadt machte Druck, Schalke konnte sich davon nicht wirklich befreien. Das Ende vom Lied war, dass sich das Spiel sehr stark auf die rechte Seite entwickelte. Keiner hatte mehr Ballkontakte als Schöpf (88). Naldo, Höwedes, Goretzka, Schöpf, die 4 spielten viele Kombinationen miteinander und brachten den Ball so nach vorn.

Gleichzeitig nutze Ingolstadt übrigens die Lücken und Abstimmungsprobleme auf der anderen Seite für ihre Angriffe. Besonders Lecki konnte hier mehrfach glänzen.

Die 2. Halbzeit und Anpassungen

Weinzierl blieb all das natürlich nicht verborgen und entschied sich dazu Geis vom Platz zu holen. Er wollte mehr Präsenz im Zentrum schaffen und brauchte Pressingresistenz und Kombinationskompetenz. Außerdem mehr Druck nach vorne um eventuelle Chancen besser zu verwerten. Meyer, der ein starker Dribbler ist und sich gut in engen Räumen zurecht findet wurde also von der Bürde der hängenden Spitze befreit und etwas weiter zurückgezogen. Als echter 10er sollte er jetzt das Spiel öffnen und die Angreifer bedienen.

Burgstaller kam rein. Gemeinsam mit Choupo-Moting sollte er jetzt für Wirbel im und um den Ingolstädter Strafraum sorgen und möglichst Torchancen herausspielen. Das klappte jetzt auch besser als zuvor. Beide spielten zwar wenig miteinander, aber jeder für sich machte Druck, was in Kombination für eine Menge Stress in der Verteidigung der Gäste sorgte.

Um Hinten dafür nicht zu offen zu stehen, wurde Goretzka auf die Doppel-6 neben Aogo gezogen. Letzterer war dabei eher defensiver, so dass Goretzka immer wieder auch offensiv unterstütze, Aogo auch, aber nicht ganz so konsequent.

Mehr Fluidität

In der offensive gab’s jetzt mehr Bewegung und Schalke kam auch deutlich besser ins Spiel, allerdings blieb das mit den zwingenden Torchancen nach wie vor Mangelware. In der 67. Minute kam entsprechend Avdijaj für Meyer, der zwar technisch nicht so stark ist, dafür aber radikaler in seinen Bewegungen und selbst einen stärkeren Zug zum Tor hat. Also eher hängende Spitze für 10er

In der Folge ging Schalke ein bisschen die Ordnung verloren. Vorne rum. Aber das war gewollt. Es gab viel Druck und die Ingolstädter Verteidigung hatte mehr und mehr Probleme damit. Das ganze exponenzierte sich noch, als Konoplyanka für Aogo kam. Jetzt war Goretzka der einzige 6er hinter einer Doppel-hängendenSpitze und einem Doppel-Sturm. wobei sich alle 4 relativ frei im Raum bewegten. Konter wurden jetzt vertikaler gespielt. Das ganze wurde so tatsächlich noch zu einer recht unterhaltsamen Partie. Es wurde jetzt allerdings frei improvisiert, entsprechend niedrig war auch die Qualität der Abschlüsse.

Das Spiel mit den Wahrscheinlichkeiten

Damit wir uns richtig verstehen, das Tor in dieser Phase ist völlig gerechtfertigt gewesen und es gab schon ein bis drei Situationen davor, die eigentlich auch hätten ein Tor geben können/sollen/müssen. Allerdings war der Ansatz hier eine reine Brechstange in der Schalke sich die eigene individuelle Klasse verließ. Gegen stärkere Gegner braucht Schalke da allerdings ein anderes Rezept.

Genauso in der Verteidigung. In der Schlussphase kamen auch die Gäste zu ein paar guten Gelegenheiten. Insgesamt kamen sie zu relativ vielen Abschlüssen. Die meisten aus weniger guten Positionen und eigentlich hatte die starke Schalker Endverteidigung auch nur sehr selten wirkliche Probleme. Aber die Masse macht‘s. Statistisch gesehen ist irgendwann auch mal ein Sonntagsschuss drin. Schalke muss besser werden Angriffe früher zu entschärfen.

Allet in allem

Das Spiel war in vielerlei Hinblick ein gelungener Abschluss der Hinrunde. Die Mannschaft hat aber noch viel vor sich um den Anfang der Rückrunde erfolgreicher zu gestalten als den Beginn der Saison.

Wenn Weinzierl es schafft die Fluidität der Angreifer vorne zu instrumentalisieren und die Angriffe des Gegners schon früher zu entschärfen…

Dann wird Schalke dies Jahr noch Meister! 😀

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der Stadt, die mal die höchste Fördermenge in Europa hatte. Aufgewachsen in einer Familie von Püttologen studierte er an der FH Gelsenkirchen irgendwas mit Computern. Später zog es ihn in die Ferne zu den Wikingern, wo ihm erst bewusst wurde, wie viel Ruhrpott in ihm steckt.

Nach hunderten von Herzklabastern, weil der elende Internetstream immer bei blau-weißen Torchancen abbrach, ist er als Doktor Labertasche wieder zurück in der Heimat (mit Dauerkarte in Block 5) und theoretisiert neben der Maloche den König Fußball. Weil aber seine Kumpels schnell davon genervt waren, verlagerte er das Ganze und gründete Halbfeldflanke zum Beginn der Saison 2013/2014.

Kategorie: Spielbericht

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7 Comments

  1. Ähnlich wie du war ich einigermaßen angetan vom gestrigen Spiel. Sprach für mich auch dafür, dass Weinzierl das Zentrum in Zukunft mehr fokussieren möchte. Geis ist dann eben nicht der richtige Spielertyp dafür, dass Aogo schon der ersten Hälfte neben ihn zurückzog, scheint darauf hinzudeuten, dass Weinzierl das auch so sieht.
    In der zweiten Halbzeit waren wir dann klar besser, ich finde auch Meyer als Halbstürmer nicht optimal und besonders nicht mit Choupo als Kombination. Meyer di Santo hat sich meiner Meinung nach tatsächlich sogar gut ergänzt: di Santo als Prellbock für Meyer und Zielspieler für hohe Bälle und Meyers Fähigkeit enge Situationen aufzulösen näher am Strafraum genutzt.

    Am Ende sprichst du ja noch die Konteranfälligkeit an, die für mich allerdings auch stark mit dem Personal zusammenhing. Aogo fand ich aufgrund seiner technischen Fähigkeiten im Spielaufbau auf der Sechs gut, aber defensiv ist er nicht intelligent genug für die alleinige Sechs. Die meisten Chancen der Ingolstädter kamen gefühlt ja nach der Avdijaj-Einwechslung und da hatte man dann eben nur noch Goretzka und Aogo als Absicherung im Zentrum und dank der sehr aggressiven Wing-backs waren auch die Flügel nicht völlig dicht.

    Zur individuellen Leistung möchte ich noch erwähnen, dass Moting vor dem 1:0 gut auf Schöpf verlagert und dass Goretzka inzwischen wirklich Alleskönner auf sehr hohem Niveau ist. Er bietet eigentlich in jedem Moment des Spiels eine Bandbreite an möglichen Aktionen an. Vom Spielertyp her wirklich der verbindende Achter, den wir uns erhofft haben.

    Ansonsten würde ich mich ja freuen im nächsten Spiel Moting und Avdijaj vorne im Sturm zu sehen und dahinter dann Meyer, Goretzka und Kehrer als Mittelfeld. Burgstaller als erste Einwechseloption. Halte ich aber für leider unwahrscheinlich.

    Ach ja, denkst du, dass Badstuber mittelfristig in der Dreierkette durchsetzen kann und wenn ja, wenn würde er verdrängen? ich fände ihn ja als zentralen Innenverteidiger sehr stark.

  2. Ich glaube, es muss „3-5-2“ heißen, oder.
    Schwacher Auftritt, das Spiel, nicht der Text. Max Meyer entwickelt sich zunehmend zum Problem. Er belegt eine zentrale Position, nicht nur auf dem Feld, sondern auch in der Entwicklungsperspektive des Teams. Aber der Knoten will nicht platzen. Mist.

  3. Sehr interessante Analyse. Du und „Schalke goes Zentrum“ habt sehr viele positive Aspekte gesehen, die ich so nicht wahrgenommen habe. Dafür, dass Ingolstadt sehr ordentlich, aber auch nicht wahnsinnig intensiv gepresst hat, war der Spielaufbau sehr schwach. Geis hat sicher ein Problem mit der Pressingresistenz, und dann ist es leider immer so, dass wenn der Aufbau beim ersten mal nicht gelingt, dann wird der Ball von Fährmann nach vorne geklatscht. Und das ist deshalb immer wieder so seltsam, als dass ich mit Meyer vorne keine wirklich so tolle Chance habe, mir diese Bälle zu erobern. So kommen dann Passquoten raus mit einer Streuung wie beim Flippern. Mich wundert, dass Weinzierl, von dem ich bisher annahm, dass er die Spieler immer gut nach ihren Fähigkeiten einsetzen kann, Meyer immer wieder in diese hohe Position der zweiten Spitze schickt. In der zweiten HZ hat man gleich gesehen, wie viel wertvoller er strukturgebend eine Etage tiefer steht. Meyer hat in seinen Aktionen etwas sehr Berechenbares, das ist gut für den eigenen Aufbau, für die Mitspieler, weil er die Bälle sauber dahin bringt, wo sie hingehören und weil er Beziehungen schafft. Für den Gegner ist es dann wieder leichter zu verteidigen, weil es für ganz vorne zu berechenbar und schematisch, und gleichzeitig mit zu wenig Durchschlagskraft ausgestattet ist (Hunter ist auch berechenbar, nur nutzt das dem Gegner nicht viel, wenn er so ein Ding einfach mal reinhaut). Choupo macht in seinen Bewegungen und Laufwegen ohne Ball auch eher Schema-F-Sachen (ein Schema ist, sich im Abseits aufzuhalten). Er ist stark und überraschend im Dribbling und in der Ballbehauptung, aber wenn der Gegner das ordentlich doppelt, kommt der Choupo alleine nicht weit. Mit Burgstaller kam das Chaos-Element und die Unberechenbarkeit in die Aktionen in der Spitze (da hat der Goretzka auch mal wieder Möglichkeiten seine Passintelligenz zu zeigen, wenn sich die Stürmer die Räume suchen, siehe sein Pass vor der ersten Großchance von Bursgstaller), mit Avdijaj noch eine Portion mehr. Mit Beiden außerdem mehr Pressingintensität (auch so was, was der Meyer noch nicht richtig gelernt hat). Das war schwieriger zu verteidigen und kostete Kraft. Mit dem Resultat, dass keiner der Ingolstädter am Schluss mehr die Konzentration hatte zu sehen, dass der Busrgstaller ganz frei 8 Meter vor dem Tor steht. Schalke hat nach wie vor ein Thema beim Spielaufbau gegen einigermaßen konzentriert pressende Gegner (und welche Mannschaft der BL macht das nicht mehr ordentlich (Bruno, wir vermissen Dich!), bin da auch nicht sehr zuversichtlich, dass sie da ganz neue tolle Rezepte gegen Frankfurt auspacken), und sie haben nach wie vor ein Problem, strukturiert, aber auch kreativ und durchschlagskräftig im Angriff zu agieren.

    • Ich sah das SPiel auch nicht unbedingt so positiv. Einigermaßen angetan ist nicht direkt mein Superlativ zur Spielbewertung. Die Strukturen werden im Moment einfach viel zu unflexibel ausgespielt – sind aber an sich gut und die individuelle Leistungen sind starj.

      Gegen Frankfurt bin ich auch gespannt. Ich glaube tatsächlich der Kern wird sein, ob Schalke es schafft, im Aufbau konstant in das Frankfurter Zentrum einzudringen. Wenn wir uns aber auf die Seite abdrängen lassen, wird es sehr schwierig. Dann verschiebt Frankfurt einfach krass rüber und macht den Flügel extrem kompakt und ich fürchte ich trau unseren Spielern nicht zu, da wieder den Weg in die offenen Räume auf der anderen Seite zu finden. Vielleicht können sie aber selbst gegen den Fünferblock irgendwie zu Flanken kommen. Wobei wer weiß… vielleicht spielt Frankfurt auch mit Viererkette gegen uns.

  4. Hmmm, ehrlich gesagt finde ich gar nicht, dass ich viele Positive Dinge im Spiel gesehen habe. Es lief so gar nicht und Weinzierl hat’s dann Stück für Stück verbessert. Gut wurd’s aber nie wirklich, meiner Meinung nach.

    Meyer wird ja viel diskutiert im Moment. Ich bin da aber bei Dir, wie er Eingesetzt wird ist nach wie vor nicht optimal. Mit den Personalanpassungen zur Zeit fühlt es sich für mich so an als bahnen sich große Veränderungen an. Ich bin sehr gespannt und hoffe, dass Weinzierl dann Meyer auch passender integriert und irgendwann mit dem gegnerischen Pressing besser klar kommt. Für Frankfurt bin ich da aber auch nicht sonderlich optimistisch.

  5. Vielen Dank für die sehr gute Analyse, wie immer sehr flüssig und leicht verständlich geschrieben, so dass das Lesen Spass macht. Wenige Kommentare diesmal, dafür extrem hochwertig.
    Für mich war Schalke die etwas bessere von zwei sich gegenseitig meist neutralisierenden Mannschaften. Daher drei Punkte gegen einen Gegner, der vor Weihnachten Leipzig und Leverkusen besiegen konnte.
    Zur Erinnerung, die heute gefeierten Euro-Fighter waren während der Saison in der Bundesliga nicht besonders erfolgreich. Nicht jedes Spiel war ein Highlight. Daher für ist für mich dieses Spiel ein Erfolg, die Highlights kommen bald!

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